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Ein Praktikum oder eine Ausbildung im Betrieb ist der schnellste Weg zur Integration von Flüchtlingen. Dauer und Erfolg eines Praktikums oder Ausbildungsvertrags hängen auch von dem rechtlichen Aufenthaltsstatus des Flüchtlings ab.

Wenn Sie Fragen zur Integration von Flüchtlingen haben oder aber selber aus einem Krisengebiet kommen und einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz im Handwerk suchen, wenden Sie sich an unsere Willkommenslotsen.

Willkommenslotsen bei der HWK Aachen:

Willkommenslotsen

Den Weg ins Handwerk zeigen
Das Engagement der Unternehmen bei der Integration von Flüchtlingen in der Region Aachen ist groß. Dennoch benötigen gerade kleine und mittlere Betriebe Unterstützung bei verwaltungstechnischen Fragen und auch bei der Schaffung einer neuen Willkommenskultur im Betrieb. Mit den beiden Willkommenslotsen gibt es jetzt zentrale Ansprechpartner vor Ort, die die Unternehmen bei ganz alltäglichen Fragen rund um die Flüchtlings-Azubis unterstützen und auf der anderen Seite jungen Flüchtlingen den Weg ins Handwerk zeigen.

Sie beraten rund um Fragen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, zum verwaltungstechnischen Aufwand, über regionale und nationale Förder- und Unterstützungsangebote sowie Qualifikationsbedarf der Zielgruppe. Darüber hinaus geben sie Hilfestellung bei der Etablierung und Weiterentwicklung der Willkommenskultur im Unternehmen und helfen den Unternehmen, die passenden Flüchtlinge für Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatzangebote zu finden.

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert die „Willkommenslotsen“ im Rahmen des seit dem Jahr 2007 erfolgreich durchgeführten Programms „Passgenaue Besetzung“. Seit dem Programmstart in 2007 haben die Beraterinnen und Berater kleinen und mittelständischen Unternehmen geholfen rund 70.000 Ausbildungsstellen mit passenden Jugendlichen zu besetzen.

Video Projekt Willkommenslotsen


Aufenthaltserlaubnis

Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis sind als Asylberechtigte anerkannt und dürfen sofort eine Ausbildung, ein Praktikum oder ein Beschäftigungsverhältnis beginnen. Gleiches gilt für Flüchtlinge, die über ein Aufnahmeverfahren, zum Beispiel aus Syrien (so genannte Kontingentflüchtlinge), aufgenommen werden. In der Aufenthaltserlaubnis wird in der Regel die Nebenbestimmung vermerkt: „Erwerbstätigkeit gestattet“. Die Aufenthaltserlaubnis ist grundsätzlich zwar befristet, wird aber in der Regel – gerade bei Aufnahme einer Beschäftigung – in ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht überführt.

Aufenthaltsgestattung

Solange über einen Asylantrag noch nicht entschieden wurde, erhalten Asylbewerber eine Aufenthaltsgestattung. Bis das Asylverfahren abgeschlossen ist, wird die befristete Aufenthaltsgestattung immer wieder verlängert. Personen mit Aufenthaltsgestattung können ab dem vierten Monat des Aufenthalts eine Ausbildung oder ein Praktikum beginnen. Die Ausländerbehörde muss dies aber erlauben. Wenn in der Nebenbestimmung der Gestattung zu lesen ist: „Erwerbstätigkeit gestattet“, bedarf es keiner weiteren Erlaubnis der Ausländerbehörde. Steht dort: „Erwerbstätigkeit nicht gestattet“ (zum Beispiel weil die Abschiebung droht), kann kein Ausbildungs- oder Praktikumsvertrag abgeschlossen werden.

Aufenthaltsduldung

Wenn ein Asylantrag abgelehnt wird, aber die Abschiebung vorübergehend ausgesetzt wird, erhalten diese Personen eine Duldung. Sie dürfen dann sofort eine Ausbildung oder ein Betriebspraktikum beginnen, sofern die Ausländerbehörde dies erlaubt. Der Vermerk: „Erwerbstätigkeit gestattet“ findet sich auch in Duldungsbescheiden. Wenn geduldete junge Ausländer vor Vollendung des 21. Lebensjahres eine Ausbildung aufnehmen oder schon aufgenommen haben, soll eine Duldung für ein Jahr erteilt werden und jeweils für ein weiteres Jahr verlängert werden, solange die Ausbildung noch andauert und mit einem Abschluss zu rechnen ist. Von dieser Regelung können allerdings Jugendliche nicht profitieren, wenn sie aus sicheren Herkunftsländern stammen. Dazu gehören neben den EU-Staaten derzeit Bosnien-Herzegowina, Ghana, Mazedonien, Senegal und Serbien.

Chance für das Handwerk

Junge Flüchtlinge sind eine große Chance für das Handwerk -Kammer hilft Betrieben, die sie beschäftigen wollen

Aachen. In ihren Ländern herrscht Krieg. Jeden Tag schlagen Bomben ein. Terrororganisationen oder gegenseitig verfeindete Stämme regieren mit Schrecken und Gewalt. Aus lauter Verzweiflung schicken Eltern ihre fittesten Kinder (meist Jungen zwischen 13 und 15 Jahre) mit allem, was die Familie noch hat, los – auf den Weg in eine bessere Welt. Das ist trauriger Alltag in Syrien, Afghanistan, Eritrea oder Guinea. 

Die Kinder sind oft zwei bis vier Jahre unterwegs, laufen einen Großteil der Strecken aus Westafrika oder dem Vorderen Orient kommend, werden auf Lastwagen mitgenommen, schlagen sich durch, so gut es geht. Hier und da werden sie festgehalten, arbeiten in Fabriken, um sich den weiteren Weg zu verdienen, landen in Auffanglagern oder gar im Gefängnis, erleben nicht selten Grausamkeiten und Folter. Nicht alle überleben diese Strapazen und den Weg nach Europa. Sind sie einmal hier, ist alles neu. Sie kennen niemanden, alles ist ihnen fremd.

Viele Menschen in Deutschland tun ihr Möglichstes, um diese Jugendlichen schnell aufzunehmen und zu integrieren. Die Jugendlichen selber sind, haben sie den Weg zu uns geschafft, häufig sehr motiviert, bringen Eigeninitiative sowie eine hohe Lern- und Leistungsbereitschaft mit und kompensieren damit fehlende Sprachkenntnisse und Zeugnisse.

Einige Betriebe in der Region haben junge Flüchtlinge  kennengelernt, bieten ihnen Praktika und Ausbildung. Sie alle sind begeistert von der Lernbereitschaft, der Motivation und vom „Strahlen in den Augen“, so der Aachener Malermeister Wolfgang Wynands:

Praktikant aus Guinea bei Malerbetrieb Wynands - Team vom neuen Kollegen begeistert

Aachen. Hand in Hand arbeiten Abdoulaye Diallo und Dennis Walter seit dem ersten Tag. Dennis Walter ist Vorarbeiter und seit zwölf Jahren im Team des Aachener Malermeisters Wolfgang Wynands. Und zu dessen 19-köpfiger Mannschaft zählt nun auch Abdoulaye, der vor fast zwei Jahren aus Guinea nach Aachen gekommen ist. Sein Asylverfahren läuft noch. Der junge Afrikaner hat seitdem fleißig Deutsch gelernt und kann sich nahezu fließend unterhalten.

Diallo besucht die Reformpädagogische Sekundärschule am Kronenberg. Dort will er im kommenden Sommer die Fachoberschulreife machen. Derzeit kommt er jeden Mittwoch im Rahmen eines Jahrespraktikums der Schule in den Betrieb. Dennis Walter arbeitet sehr gerne mit dem Afrikaner zusammen: „Ich bin schwer zu begeistern, aber Abdoulaye begeistert mich immer wieder aufs Neue“.

Das unterstreicht auch Wolfgang Wynands. Er hat Abdoulaye auf Vermittlung der Koordinatorin für Flüchtlingsfragen der Handwerkskammer Aachen, Barbara Lüke-Kreutzer, kennengelernt. Er will ihn nicht mehr missen. Abdoulaye habe zunächst ein zweiwöchiges Praktikum in seinem Betrieb gemacht, erzählt der Malermeister. Schnell sei klar gewesen, dass man ihn in ein Langzeitpraktikum nehmen würde mit „ganz klarer Perspektive auf eine Ausbildungsstelle im kommenden Sommer“. Das sei die einstimmige Meinung seines Teams gewesen, so Wynands: „Abdoulaye begeistert mit seiner offenen und freundlichen Art die Mannschaft und hat eine sehr hohe Akzeptanz bei uns.“ 

„Super Leistung“ - Drei junge Männer lernen bei der Bäckerei Moss

Aachen.  „Wir sagen keine Anfrage für ein Praktikum ab, sondern schauen uns jeden an“, sagt Uwe Ruddies (Foto: rechts). Der Bäckermeister ist Abteilungsleiter bei der Aachener Bäckerei Moss. Und er hat im Sommer gleich drei junge Männer nach einem Praktikum in die Ausbildung genommen, „weil sie eine super Leistung gezeigt haben“.

Mustafa Kamara aus Sierra Leone (Foto: 2.v.l.) war 17 Jahre alt, als er vor zwei Jahren an der Aachener Grenze aufgegriffen wurde – sein Asylverfahren ist abgeschlossen. Er hat Aufenthaltsrecht in Deutschland. Der 20-jährige Mohsen Hashemi aus Afghanistan (Foto: r.) lebt seit drei Jahren in Aachen. Sein Asylverfahren ist ebenfalls abgeschlossen.

Sein Landsmann, der 19-jährige Hadi Afzali (Foto: l.), lebt bereits seit vier Jahren in der Kaiserstadt. Er hat derzeit eine Aufenthaltserlaubnis bis 2017. Alle drei haben eine Internationale Förderklasse besucht und dort den Hauptschulabschluss gemacht. Wenn sie von ihrer täglichen Arbeit erzählen, strahlen die Augen. Das frühe Aufstehen – die drei beginnen um 4 Uhr morgens mit der Arbeit, macht ihnen nichts aus. „Gesucht werden noch Bäckereifachverkäufer und -verkäuferinnen“, sagt Geschäftsführerin Sylvia Moss. Hier sei die fließend deutsche Sprache allerdings Voraussetzung. Doch sie wisse, dass die Flüchtlinge mehrheitlich schnell lernten und freut sich auf Bewerbungen.

Der richtige Nachwuchs - Kältetechnik Bücken beschäftigt Afghanen

Aachen. Sherrachmann Wakil (Foto: links) und Jörg Bücken (Foto: rechts) sind jetzt auch beruflich verbunden. Kennengelernt haben sich der Handwerksmeister und der junge Mann afghanischer Herkunft über das Patenprojekt „Aachener Hände“ vor fast einem Jahr. Heute ist Sherrachmann (kurz: Sherry) gut bei der Familie Bücken integriert, feiert Familienfeste mit und ist bei gemeinsamen Unternehmungen dabei. Monika Bücken, die Frau des Firmeninhabers, unterrichtet Sherry in Deutsch und hilft ihm auch sonst im schulischen Bereich.

Seit den Sommerferien macht Sherry sein Jahrespraktikum im Rahmen der 10. Klasse beim Kälte- und Klimatechniker. „Das macht mir viel Spaß hier“, erzählt er. Sherry möchte im kommenden Sommer seinen Hauptschulabschluss an der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck ablegen. Und mittwochs ist Praktikumstag. So kommt er jede Woche und lernt den Beruf des Kälte- und Klimatechnikers kennen. Sherry hat seit über drei Jahren das Aufenthaltsrecht und kann so auch nach Belgien und in die Niederlande reisen.

Jörg Bücken engagiert sich auch an anderer Stelle für die jungen Flüchtlinge. Er ist Mitglied im Aachener Unternehmernetzwerk Aixcellent.ac. Die rund 40 Betriebsinhaber sind sehr offen für das Thema Flüchtlinge und der Kälte- und Klimameister koordiniert Praktikumsplätze.

„Absolute Bereicherung“ - Palästinenser lernt bei Elektro Ell

Würselen. Für Youssef Abojobbah aus Palästina ist die Ausbildung in Deutschland „paradiesisch“. Derzeit steht er jeden Morgen auf „und freut sich auf den Tag“. Dieser Beruf sei für ihn „genau der richtige“, sagt der 19-Jährige. Dafür hat er allerdings schwer gekämpft.

Mit 15 hat Youssef seine Familie verlassen und sich auf den Weg gemacht. Neun Monate war der Junge unterwegs, bis er in Aachen ankam, alleine. Hier hat er zunächst im Heim gewohnt, die Sprache gelernt und bereits nach zwei Jahren die Fachoberschulreife erlangt. Dann hat er sich bei Elektrotechnik Ell beworben. Dem Inhaber des Würselener Betriebes, Thorsten Schmitz, fiel der junge Mann direkt auf: „Wer in zwei Jahren unsere Sprache lernt und diesen Schulabschluss macht, muss gut sein.“ So lernten sich die beiden kennen und sofort war Thorsten Schmitz begeistert und setzte sich dafür ein, das Youssef in seinem 30-köpfigen Team in die Ausbildung starten konnte: „Er ist so überschäumend motiviert, dass er alles im Lauftempo erledigt“, erzählt er.

„Youssef ist eine absolute Bereicherung für unseren Betrieb“, unterstreicht Schmitz. Er könne nur jedem seiner Handwerkskollegen raten, mutig zu sein, den jungen Flüchtlingen eine Chance zu geben und den ersten Schritt zu machen. Natürlich gebe es auch Hindernisse auf dem Weg, erzählt der Firmenchef. So habe er große Bedenken wegen des technischen Sprachverständnisses gehabt. Dann habe er für Youssef einen jungen Elektrotechnikstudenten arabischer Herkunft an der RWTH Aachen gesucht, der ihm heute noch hilft, wenn es nötig ist.  Ein weiteres großes Problem sei gewesen, dass Youssef einen Führerschein brauche, aber keinen machen dürfe. „Aber auch das ist vom Tisch“, so Schmitz. Aktuell lernt Youssef jeden Tag für die theoretische Prüfung. Wenn er nicht in Sachen Licht- oder Brandmeldetechnik, Installation oder Gebäudeüberwachung in der Regionunterwegs ist, dann spielt er im Aachener „Das Da Theater“. Im Film „Eine Banane für Mathe“ spielte er eine Hauptrolle.