Nach der Pressekonferenz zum zehnjährigen Bestehen der Startercenter NRW ging es über die Gründermesse „Aufbruch“. Hier standen Silke Käfer-Schütt, Kurt Krüger und Sabine Wessing (v.l.) potenziellen Gründern Rede und Antwort.
Foto: Doris Kinkel

Aachen ist der Mercedes unter den Startercentern

Zehn Jahre Gründer groß gemacht – Weitere Anstrengungen nötig

News Existenzgründer

Aachen. Die fünf Startercenter NRW in der Gründerregion Aachen sind die zentralen Anlaufstellen für alle Existenzgründer aus dem Wirtschaftsraum Aachen, Düren, Euskirchen, Heinsberg. Sie machen Gründer groß, und das jetzt schon seit zehn Jahren.

Im Rahmen der Gründermesse „Aufbruch“, die kürzlich im Technologiezentrum am Europaplatz stattgefunden hatte, gab es Glückwünsche und Dank seitens des NRW-Wirtschaftsministeriums zum runden Geburtstag. Die Marke Startercenter sei etabliert im Land und „Aachen ist der Mercedes unter den Startercentern“, betonte Dr. Michael Henze. Der Leiter der Abteilung Strukturpolitik, Mittelstand und Handwerk lobte bei einer Pressekonferenz die gute, qualitativ hochwertige Beratung der Startercenter. „Gut beratene Gründungen halten länger“, so der Ministerialdirigent. Und viele Neugründungen seien gut für Wachstum und Beschäftigung. „Mit 88.000 Gründungen 2016 sind wir bundesweit an der Spitze, aber das sind wir ja immer“, sagte Henze mit einem Augenzwinkern. Er betonte aber ebenfalls, dass es auch die Pflicht eines guten Beraters sei abzuraten, wenn die Existenzgründung im Grunde genommen zum Scheitern verurteilt ist.

In allen Regionen Nordrhein-Westfalens werden Existenzgründer mit Hilfe der Startercenter NRW auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt. Landesweit beraten und informieren 76 Startercenter bei allen Fragen rund um die Existenzgründung und die Firmenentwicklung. Träger der Startercenter NRW sind Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und kommunale Wirtschaftsförderungen. Die Dienstleistungen der Startercenter werden anhand von 31 Qualitätskriterien extern zertifiziert.

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Leichter Anstieg

Seit 2010 sinkt die Gründungsdynamik in der Region aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung kontinuierlich laut Monitoringbericht, den die Handwerkskammer Aachen jährlich herausgibt. Diese Entwicklung sei nicht spezifisch für die Region, sondern erstrecke sich auf die gesamte Bundesrepublik. Um das Potenzial von Führungskräften, die auch vielversprechende Gründer seien, entbrenne der Wettstreit in der Wirtschaft um die besten Fachkräfte. „Ob die leichte Verbesserung bei den Neuanmeldungen im Jahre 2016 mit 0,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr eine nachhaltige Trendwende einleitet, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Zumindest stimmt sie optimistisch“, sagte Dipl.-Ing. Friedrich-Wilhelm Weber von der Handwerkskammer, der die zentrale Leitung der Startercenter NRW in der Gründerregion innehat.

Seit dem 1. Januar 2007 haben sich demnach mehr als 19.500 Gründungsinteressierte an die Startercenter der Region gewandt. Von allen Beratungsdienstleistungen wird vor allem das Existenzgründerseminar „Existenzia“ rege nachgefragt. Bis heute haben sich mehr als 13.000 Gründungswillige in dem dreistündigen Kompaktseminar über die Herausforderungen, aber auch die Anforderungen einer Selbstständigkeit informiert. Die nachfolgende Individualberatung, in der im persönlichen Gespräch mit dem Berater der Geschäftsplan entwickelt und überprüft wird, gliedert sich in zwei Stufen: in die Erst- und die Intensivberatung. Diese wurden in genanntem Zeitraum rund 11.000 Mal von Gründern in Anspruch genommen. Den abschließenden Schritt in die Gründung wagten daraufhin nach vorsichtigen Schätzungen (sie orientieren sich an den abgegebenen Stellungnahmen und enthalten auch die freiberuflichen Gründungen) rund 7.800 Unternehmer mit Hilfe der Startercenter.

„Trotz der unbestreitbaren Verbesserung der Gründungssituation in der Region Aachen reichen die bisherigen Anstrengungen nicht aus“, sieht Weber Handlungsbedarf für neue Gründerpotenziale. Christian Laudenberg, Abteilungsleiter Recht, Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK, bewarb in diesem Zusammenhang die „Existenzgründung als echte Alternative“. Wegen der rückläufigen Gründungsdynamik fehle auch die Gründerkultur. „Wir müssen ein positives Gründerklima schaffen“, so Laudenberg, „und zählen da auch auf die neue Landesregierung“.  

Erfolgreiche Gründerinnen

Zwei erfolgreiche Gründer, Regina Borgmann und Lisa Höfflin, InMemoriam GmbH, sowie Christina Hofmann, Kaffeerösterei beans & friends, stellten sich und ihre Unternehmen vor. Die Frauen haben sich von Anfang an Hilfe bei den Mitarbeitern der Startercenter geholt und leiten heute erfolgreich und beständig ihre Betriebe. Fernsehsendungen wie „Höhle der Löwen“ oder einen Hype um Start-Up-Gründungen brauchen die Unternehmerinnen nicht. „Hier wird die solide Seite der Gründung präsentiert“, lobte Dr. Michael Henze.