Diskutierten in der Handwerkskammer über den Fachkräftemangel (v.l.): Moderator Thomas Hartmann (DGB), Andreas Oehme (WHKT), Prof. Dr. Christiane Vaeßen (Zweckverband Region Aachen), Felix Kendziora (HWK Aachen),
Doris Schillings (Agentur für Arbeit Aachen-Düren), Herbert May (KH Aachen), Peter Deckers (HWK Aachen) und Ralf Woelk (DGB). © Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Auf der Suche nach dem passenden Mitarbeiter

Arbeitnehmerstammtisch in der Handwerkskammer: Was tun gegen den Fachkräftemangel?

News

Aachen. Schlechte Bezahlung, keine Bewerber. Oder: Zu wenig Kenntnis, zu wenig Wagnis? Was sind die Gründe für den Fachkräftemangel im Handwerk? Mit welchen Ideen kann man ihm begegnen? Diese Fragen standen auf der Tagesordnung beim 2. Arbeitnehmerstammtisch, zu dem der Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer Aachen, Felix Kendziora, eingeladen hatte.

Fest steht, und das ist nicht gerade beruhigend: Der Tiefpunkt ist – demografisch  betrachtet – noch nicht erreicht. Andreas Oehme, Geschäftsführer beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT), machte in seinem Impulsvortrag deutlich, dass die Auswirkungen des demografischen Wandels hin zu einer älteren Gesellschaft noch stärker werden als sie bisher schon zu spüren sind. Ein weiteres Problem, diesmal im Bereich Bildung: 42 Prozent aller Schulabgänger schließen mit Hochschulreife ab, nur jeder fünfte, der sein Abschlusszeugnis bekommen hat, landet danach beim Handwerk.

Das soll sich ändern. Deshalb plädiert Oehme wie viele andere Handwerksvertreter dafür, alle Schulformen zu erreichen und vor allem die Elternarbeit zu verstärken. Wichtig sei darüber hinaus, für Mobilität zu werben. Denn auch in Nordrhein-Westfalen gebe es Regionen, in denen sehr viele Lehrstellen frei sind. Dann gebe es aber auch solche, in denen das Angebot gerade in den Wunschberufen knapp sei. Das Handwerk müsse weiterhin seine Bemühungen verstärken, Studienabbrecher ins Handwerk zu holen. Oder auch Bürger aus anderen EU-Staaten sowie ältere Personen, die einen Berufswechsel anstreben.

Oehme hat klare Vorstellungen, welche Handlungsfelder jetzt zu beackern sind. „Zum einen muss die Ausbildungsqualität im Handwerk verbessert werden“, sagt er, zum anderen müssten Arbeitgeber ihre Attraktivität erhöhen, um Beschäftigte im Handwerk zu halten. Der Wirtschaftszweig habe hier Pfunde, mit denen er wuchern könne, schließlich gelte er als menschlich, familienfreundlich, nachhaltig und beschäftigungssicher.

Arbeitgeber müssen selber die Initiative ergreifen, um ihre Berufe bekannter zu machen und Fachkräfte zu finden. Davon ist Professorin Dr. Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Region Aachen, überzeugt. In der Diskussion ergänzten Arbeitnehmervertreter, dass das Personal im Handwerk besser bezahlt werden müsse. Die Lohndifferenz zur Industrie sei zu hoch. Gerade auf dem Bau müssten Beschäftigte besser und gerecht nach ihrer Qualifikation bezahlt werden. Darüber hinaus sei von politischer Seite darauf zu achten, bei Ausschreibungen nicht von vornherein einzelne Firmen auszuschließen.