Es passt bei Brammertz: der digitale Workflow und die generationsübergreifende Zukunftsbildung. Die beiden Geschäftsführer Max Brammertz jun. und Eduard Brammertz sen. freuen sich über die zweifache Auszeichnung.
Foto: Brammertz

Das Tischlerhandwerk traf sich in Bochum

Treffpunkt Tischler mit über 950 Teilnehmern – Betriebe mit Vorbildcharakter belohnt – Schreinerei Brammertz hat die Nase vorn

Wettbewerbe

Bochum/Aachen. Digitalisierung, drohender Fachkräftemangel, Normen und Richtlinien auf EU-Ebene und vieles mehr: Um erfolgreich und für die Zukunft gewappnet zu sein, wird es auch für Tischlerbetriebe immer wichtiger, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Eine gute Gelegenheit dazu bietet im zweijährigen Rhythmus der Treffpunkt Tischler im Bochumer RuhrCongress. Das große Branchenevent für das nordrhein-westfälische Tischlerhandwerk öffnete am 8. und 9. September die Türen für Chefs, Mitarbeiter und Azubis. Über 950 Teilnehmer – darunter rund 450 Auszubildende – nutzten die Gelegenheit, sich beim Treffpunkt Anregungen für den betrieblichen Alltag zu holen.

Fairplay im Unternehmen
Ein Unternehmen läuft – ähnlich wie ein Fußballspiel – nur dann erfolgreich, wenn die Unternehmens- beziehungsweise die Spielkultur stimmt. Der ehemalige Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner zeigte in seinem Impulsvortrag zum Start des Treffpunktes auf, wie Gerechtigkeit und Fairplay im Unternehmen gelebt und entsprechende Entscheidungen getroffen werden können. Nach fast 20 Jahren als Bundesligaschiedsrichter auf höchstem Niveau gibt der heute 53-Jährige als verantwortlicher Koordinator für die Schiedsrichterausbildung beim Deutschen  Fußball-Bund und als Coach der Bundesligaschiedsrichter sein Wissen genauso weiter wie als Trainer für Führungskräfte in der freien Wirtschaft und als Regelberater der Medienanstalten.

Weiterbildung als Erfolgsbaustein
In den kommenden Jahren wird der drohende Fachkräftemangel auch Auswirkungen auf das Tischlerhandwerk haben. Laut einer aktuellen Umfrage des Fachverbandes Tischler NRW rechnet die Hälfte der Betriebsinhaber damit, in den nächsten Jahren Probleme bei der Rekrutierung des Personalbedarfs zu bekommen. Eine Möglichkeit, diese Lücke aufzufangen besteht darin, die Qualifizierung der aktuellen Mitarbeiter deutlich zu verbessern. „Berufliche Weiterbildung wird im Tischlerhandwerk in den nächsten Jahren ein wesentlicher Baustein für den unternehmerischen Erfolg sein und an Bedeutung weiter zunehmen“, sagte Rainer Söntgerath, Vorsitzender des Fachverbandes Tischler NRW. „Wie kaum eine andere Veranstaltung bündelt der Treffpunkt Tischler so viele unterschiedliche Impulse für die Arbeit in und außerhalb der Werkstatt.“ Das Karriereforum beispielsweise zeigte Möglichkeiten der Weiterbildung und die beruflichen Wege nach der Gesellenprüfung auf.
 
Marktplatz und Workshops
Der Marktplatz im Großen Saal bildete erneut das Herzstück des Treffpunktes. Auf rund 3.000 Quadratmetern präsentierten sich rund 60 Zulieferunternehmen – von Maschinen- und Werkzeugherstellern über Holzhändler bis hin zu EDV-Anbietern. Zwei Sonderschauen boten den Teilnehmern zudem vertiefende Einblicke in unterschiedliche Themen: Im Foyer drehte sich alles um die Themen Gesundheit und Arbeitssicherheit im Betrieb. Die Sonderschau „Handmaschinen“ zeigte praktische Helfer für die Werkstatt und Montage in Aktion. Einen weiteren Schwerpunkt des Treffpunktes bildeten die Workshops. Von Lasertechnologie und 3D-Druck über wirksame Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Ladungssicherung, Büroorganisation und Mitarbeitermotivation: Insgesamt 16 unterschiedliche Themen wurden an den beiden Tagen aufbereitet, präsentiert und diskutiert.

Gestaltungsforum für Azubis
Wie sehen gelungene Gesellenstücke aus? Kann Design benotet werden? Im Gestaltungsforum erhielten die Auszubildenden wertvolle Hinweise für die Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfung. „Individuelles und kreatives Design ist eines der Hauptmerkmale des Tischlerhandwerks – und einer der Pluspunkte, mit dem unser Berufsstand punkten kann“, sagte Rainer Söntgerath. „Daher ist es wichtig, diesem Thema bereits in der Ausbildung einen hohen Stellenwert zu geben und das Potenzial der Auszubildenden in diesem Bereich zu fördern.“ Mit rund 450 Teilnehmern war das Gestaltungsforum nach der Auftaktveranstaltung die bestbesuchte Veranstaltung innerhalb des Treffpunktes.

Betriebe mit Vorbildcharakter
Das Tischlerhandwerk steckt voller guter Ideen und Innovationen – das beweisen die Tischlereien in NRW jeden Tag aufs Neue. Besonders ?ndige und einfallsreiche Betriebe zeichnet der Fachverband Tischler NRW gemeinsam mit den über 60 Unternehmen aus dem Kreise der „Tischlerpartner NRW“ alle zwei Jahre mit dem „Alfred-Jacobi-Preis“, dem Innovationspreis für das nordrhein-westfälische Tischlerhandwerk, aus. Im Rahmen des Treffpunktes Tischler wurde der Preis in diesem Jahr zum vierten Mal verliehen – diesmal in den Kategorien „Digitalisierung“ und „Zukunftsbildung“.

Zwei Mal „Gold“ für Brammertz
Zwei Kategorien – ein Sieger: Gleich zweimal durfte sich die Schreinerei Brammertz aus Aachen über den ersten Platz freuen. Das Unternehmen, das schwerpunktmäßig im Fensterbau tätig ist, hatte sich in beiden Wettbewerbskategorien beworben und die Jury überzeugt. „Insgesamt haben wir von den Betrieben sehr viele gute Beiträge erhalten“, sagte Dr. Johann Quatmann, Hauptgeschäftsführer von Tischler NRW. „Das hat uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“

Digitaler Workflow
Die Schreinerei Brammertz hat sich intensiv mit den Möglichkeiten der Digitalisierung auseinandergesetzt und mithilfe von digitalen Werkzeugen die gesamten Arbeitsabläufe im Unternehmen vereinfacht und optimiert. „Wir möchten den aktuellen Stand der Technik nutzen und davon profitieren“, sagt Max Brammertz, der die Schreinerei gemeinsam mit seinen Eltern Alice und Eduard sowie seiner Schwester Aline führt. „Ob in der Werkstatt oder mit dem Tablet auf der Baustelle – wir können jederzeit auf alle wichtigen Daten zugreifen.“ Ob Kundenordner, Angebote, Aufmaß oder die gesamte Infrastruktur im Unternehmen: Alles ist in den „Brammertz-Digi-Workflow“ eingebunden.

Die zweite Kategorie legte unter dem Titel „Zukunftsbildung – vom Azubi bis zum Nachfolger“ den Fokus auf die Themen Nachwuchsgewinnung und Personalmanagement. Auch in diesem Bereich konnte die Schreinerei Brammertz die Jury am meisten überzeugen. Der Aachener Handwerksbetrieb, in dem Mitarbeiter im Alter zwischen 16 und 70 Jahren arbeiten, setzt auf eine Mischung aus jungen und alten Fachkräften. Ein jüngerer Mitarbeiter arbeitet immer mit einem älteren Mitarbeiter zusammen – in diesen Tandems ergänzen sie sich durch Erfahrung und Wissen auf der einen sowie Elan und körperliche Stärke auf der anderen Seite.

„Unser Jubel war sehr groß, gleich zwei Mal den ersten Preis zu bekommen, da hatten wir wirklich nicht mit gerechnet“, freut sich Alice Brammertz. Mit der Auszeichnung möchte der Aachener Betrieb auch anderen Handwerkern Mut zur Bewerbung machen.

Rund 20 Betriebe hatten sich mit ihren Ideen für den Alfred-Jacobi-Preis 2017 beworben. Über die Sieger entschied eine fünfköpfige Jury. Pro Kategorie wurden jeweils 3.000, 2.000 und 1.000 Euro an die drei Erstplatzierten vergeben.