"Die hervorragende Handwerkskonjunktur kennt keinen Boxenstopp. Die Stimmung bleibt auf Höchstniveau“, freut sich Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen
© Handwerkskammer Aachen

Die Stimmung ist bestens

Umfrage der Handwerkskammer – Wirtschaftszweig boomt, Fachkräfte fehlen

Pressemitteilung

Aachen. „Die hervorragende Handwerkskonjunktur kennt keinen Boxenstopp. Die Stimmung bleibt auf Höchstniveau“, freut sich Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, über die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage der Kammer bei ihren Mitgliedsbetrieben. 52 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage mit „gut“, das sind elf Punkte mehr als zum Vorjahreszeitpunkt; weitere 40 Prozent mit „befriedigend“.

Mit insgesamt 92 Prozent wird erneut der Top-Wert vom Herbst 2017 erreicht. Der gute Drive wird nach Einschätzung der Chefs weitergehen. 26 Prozent spekulieren auf noch bessere Geschäfte und 66 Prozent darauf, das erreichte hohe Niveau zu halten. „Bis auf das Kfz-Handwerk, das wegen der Diesel-Misere wenig optimistisch ist, scheint der Boom im Handwerk ungetrübt von weltweiten wirtschaftlichen Unwägbarkeiten zu sein. Treibstoffe sind die niedrigen Zinsen, der hohe Beschäftigungsgrad und die exzellente Verbraucherstimmung“, so Deckers.

Der Auftragsbestand stieg seit Herbst 2017 um drei Punkte auf 82 Prozent. Davon melden 28 Prozent gestiegene und 54 Prozent stabile Auftragsvolumina. Nach dem guten Verlauf des Winterhalbjahres sind 92 Prozent optimistisch gestimmt. 34 Prozent rechnen mit einer steigenden Nachfrage; 58 Prozent mit gleich hohen Auftragseingängen. Die Auftragsreichweiten decken derzeit im Durchschnitt 7,7 Wochen ab (+2,1 Wochen zum Frühjahr 2017). Im Bauhaupt- und im Ausbaugewerbe liegen sie mit 12,7 beziehungsweise 9 Wochen und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf mit 8,9 Wochen deutlich darüber.

Der Gesamtumsatz hat von der guten Auftragsentwicklung profitiert. 76 Prozent der Fachbetriebe fuhren entweder bessere (28 Prozent) oder gleich hohe Umsätze (48 Prozent) ein. Aufgrund ihrer Einschätzung der zukünftigen Binnennachfrage sind die Handwerksunternehmen sehr optimistisch: 87 Prozent erwarten entweder steigende (36 Prozent) oder stabile Umsätze (51 Prozent) für das Sommerhalbjahr.

Die Verkaufspreise sind unter Druck geraten. Zwar meldet die Mehrheit von 62 Prozent Preisstabilität, aber mittlerweile haben 35 Prozent höhere Preise entweder aufgrund der hohen Nachfrage durchsetzen können oder weil sie die höheren Beschaffungspreise an die Kunden weiterleiten konnten.

Die Investitionsbereitschaft ist mit 81 Prozent weiterhin hoch. Da die meisten Chefs von einer Fortsetzung des Booms ausgehen, planen im kommenden Halbjahr wieder 81 Prozent zusätzliche oder gleich hohe Investitionssummen ein.

Das Beschäftigungsklima im Handwerk ist bestens. Aber auch in dieser Umfrage steigt trotz des hohen Auftragsdrucks der Anteil von Betrieben nicht merklich an, die Personal eingestellt oder die Teamstärken beibehalten haben. Der Indikator liegt mit 88 Prozent ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Dass 93 Prozent hoffen, im Sommer entweder mehr Fachkräfte einstellen zu können oder die Zahl der Mitarbeiter stabil zu halten, ist eher Wunschdenken als realistische Planung, denn diese Entwicklung ist auch in den vergangenen Jahren nicht eingetreten. Die Fachkräfteknappheit wird offensichtlich.

Gefragte Dienstleistungen

94 Prozent der Chefs im Bauhauptgewerbe beurteilen ihre Geschäftslage deutlich besser im Vergleich zum Frühjahr 2017 (+8 Punkte). Sie starten auch sehr optimistisch in die wärmere Jahreszeit. Auch für das Ausbaugewerbe ist es besser gelaufen als zum Vorjahreszeitpunkt (+12 Punkte): Von 97 Prozent bewerten 53 Prozent ihren Geschäftsverlauf mit „gut“ und 44 Prozent mit „befriedigend“. Trotz der Diskussion um höhere Handelszölle der USA gehen die zum Teil industrie- und exportabhängigen Handwerke für den gewerblichen Bedarf mit bester Stimmung ins Sommerhalbjahr: 97 Prozent prognostizieren eine stabile oder bessere Geschäftsentwicklung. Für das normalerweise stärkere Sommerhalbjahr sieht das Kfz-Gewerbe wegen der Diesel-Debatte unsichere Zeiten auf sich zukommen: Nur 53 Prozent erwarten eine Verbesserung oder Stabilisierung ihrer Geschäfte. Im Nahrungsmittelgewerbe wurde das Top-Niveau des Vorjahreszeitpunktes von 100 Prozent positiver Rückmeldungen (Geschäftslage gut oder befriedigend) wieder erreicht. Das Zufriedenheitsniveau bei den Meisterbetrieben im Gesundheitsgewerbe sank im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt nur um einen Punkt auf 86 Prozent. Mit einem Anteil von 90 Prozent blickt das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe zuversichtlich in die Zukunft.

Heinsberg und Städteregion

Fast gleichauf an der Spitze liegen mit 95 beziehungsweise 94 Prozent positiver Lagebeurteilungen (gut oder befriedigend) das Handwerk im Kreis Heinsberg und in der Städteregion Aachen. Die stärkste Stimmungsaufhellung im Vergleich zum Frühjahr 2017 hat es beim Dürener Handwerk mit +8 Punkten auf 89 Prozent gegeben.

Bis 31. Dezember 2017 wurden  2.246 neue Lehrverträge unterzeichnet. Das sind 0,9 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt und erstmals seit Jahren des Rückgangs ein kleines Plus. Das wäre sogar größer ausgefallen (4 Prozent), hätte es nicht den deutlichen Rückgang bei kaufmännischen Ausbildungsberufen im Handwerk gegeben. Bau- und Ausbauhandwerke und die Nahrungsmittelhandwerke stehen aktuell höher im Kurs; bei den Holz-, den Elektro- und Metallhandwerken gibt es noch Luft nach oben.

In der Stellenbörse der Handwerkskammer Aachen und ihrer Tochtergesellschaft QualiTec GmbH sind viele freie Stellen für Fachkräfte ausgeschrieben: Die größte Nachfrage besteht nach wie vor bei Elektroinstallateuren, Installateuren und Heizungsbauern, Kfz-Mechanikern, Tischlern und Friseuren.

Die Betriebszahl steigt wieder leicht an. Ende 2017 waren 16.646 Handwerksbetriebe bei der Kammer eingetragen. Das waren 123 beziehungsweise 0,74 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt.

Die Konjunkturumfrage mit regionalen Daten und Grafiken:
www.hwk-aachen.de/umfragen

Konjunkturumfragen

Sonderumfragen