Die Familie hält zusammen: Eckhard Faensen, Christiane Kinkartz und Eric Faensen (v.l.).
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Eckhard Faensen schaltet einen Gang zurück

Von der Tankstelle zum modernen KFZ-Dienstleistungsunternehmen – inklusive gelungener Nachfolge durch Generationenwechsel

News

Von Sinah Schürmann

Aachen. Durch seine kontinuierliche und konsequente Unternehmensentwicklung kann Eckhard Faensen heute mit Stolz auf Erreichtes zurückblicken, auch dank seiner Frau Inge, die ihm stets den Rücken freigehalten hat. Als KFZ-Meister und Gründer der Faensen GmbH hat er ein modernes KFZ-Dienstleistungsunternehmen aufgebaut.

Angefangen hat Faensens Karriere als Tankwart, ehe er 1965 seine erste und 1980 seine zweite eigene Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt an der Eupener Straße eröffnete. 1983 kam eine Autohobbymietwerkstatt an der Lütticher Straße hinzu, aus der 1999 die Faensen GmbH entstand. Dieser KFZ-Betrieb war von Anfang an weit mehr als ein klassischer Werkstattbetrieb. Neben dem Bergungs- beziehungsweise Abschleppservice, den Eckhard Faensen bereits seit 1965 angeboten hatte, gehören bis heute Karosseriearbeiten, Unfallfallinstandhaltung und Lackierung zum Leistungsspektrum.

2003 begann Sohn Eric Faensen seine Ausbildung im elterlichen Betrieb. Seit 2007 führt er gemeinsam mit seinem Vater als Geschäftsführer das Unternehmen. Zu dieser Zeit stieg auch Tochter Christiane Kinkartz in den kaufmännischen Bereich des Unternehmens mit ein, zunächst übte sie parallel dazu noch ihren Beruf in einer Messe- und Veranstaltungsagentur aus. Mittlerweile ist sie ausschließlich im Familienbetrieb tätig und mit verantwortlich für die Bereiche Finanzen, Controlling, Personal und Projekte. Ihre Leidenschaft für die Veranstaltungsorganisation kommt jetzt den eigenen Mitarbeitern zugute: Firmenfeiern und Teamaktivitäten, wie zum Beispiel gemeinsames Go-Kart-Fahren, finden regelmäßig statt und haben einen hohen Stellenwert für die Inhaber und Mitarbeiter. Kinkartz: „Es macht mir viel Freude, im Unternehmen unserer Familie meine Kompetenz in Unternehmens- und Mitarbeiterführung sowie -entwicklung zu nutzen.“

Die Entwicklung
Im Jahr 2012 kaufte die Faensen GmbH das Aachener Abschleppunternehmen Strang, wodurch das Auftragsvolumen rasant anstieg. Zu dieser Zeit mussten Faensen Junior und Senior immer zwischen den beiden Standorten hin und her pendeln, was sich als sehr kräftezehrend erwies. „Die ehemaligen Strang-Mitarbeiter wurden übernommen, das war für uns selbstverständlich“, so die beiden Geschäftsführer. Für sie ist das gute Verhältnis zu den Mitarbeitern und deren Zufriedenheit ein wichtiger Teil der Unternehmensführung. Viele der Beschäftigten sind schon über Jahrzehnte für Eckhard Faensen tätig. „Der dienstälteste Mitarbeiter, den ich beschäftige, ist seit 40 Jahren für mich im Einsatz. Die meisten sind seit mindestens zehn Jahren bei mir tätig“, sagt Faensen Senior.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Sozialwerk Aachener Christen auf Initiative seiner Tochter weist auf einen sozialen und familienfreundlichen Arbeitgeber hin. So bietet das Unternehmen Faensen bereits seit Jahren eine Berufsausbildung in Teilzeit an, zurzeit für drei Auszubildende. Besonders für junge oder alleinerziehende Eltern ist die Teilzeitausbildung eine große Chance. Zurzeit werden sechs junge Menschen in den Berufen KFZ-Mechatronik, -Lackierung, - Karosseriebau und Kaufmann für Büromanagement ausgebildet. Faensen beschäftigt 29 ausgebildete Fachkräfte, vier Meister, fünf Bürokaufleute und fünf Aushilfskräfte. Fachkräftemangel hat er in seinem Betrieb nie erlebt. Durch Aushänge, Anzeigen im Internet, Annoncen in Zeitungen oder über die Agentur für Arbeit hat er immer eine ausreichende Anzahl Bewerber finden können. „Viele kommen aber auch zu uns, weil sie von Bekannten gehört haben, dass wir jemanden suchen“, sagt Eric Faensen.

Die Nachfolgeregelung
Im Jahr 2014 absolvierte Eric Faensen erfolgreich die Kraftfahrzeugmeisterprüfung bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Damit war er für die spätere Übernahme des Familienbetriebs bestens vorbereitet. Parallel begann schließlich der dreijährige Prozess der Nachfolgeregelung. Für dieses Rechtsverfahren nahm die Familie Faensen die kostenlose Beratung der Handwerkskammer Aachen in Anspruch. Deren Unternehmensberater Rainer Hupke war eine große Hilfe bei der Information über Beantragung öffentlicher Fördermittel, Finanzierungsmöglichkeiten und Besonderheiten beim Standortwechsel. Die Faensen GmbH konnte unter anderem die Meistergründungsprämie in Anspruch nehmen (siehe Info).

Nach diesem Termin haben die Unternehmer mit ihren Beratern eine individuelle Lösung erarbeitet. Familie Faensen ist sich einig: Erwartungen, Wünsche und Bedenken aller Beteiligten müssen offen und vertrauensvoll gemeinsam geklärt werden. Außerdem nahm sie mit der Formgebungsberaterin Beate Amrehn Kontakt auf, die ihr einige Tipps hinsichtlich Werbemittel und Kundenbindung erläuterte.

Die Expansion
Im Jahr 2016 begann mit Eric Faensen und Christiane Kinkartz die neue Generation mit dem Bau eines großzügigen und modernen Betriebsgebäudes am Strangenhäuschen 14. Dazu hatte die Familie sich entschieden, da die Werkstatt in der Lütticher Straße in die Jahre gekommen war und ohnehin größere Arbeiten anstanden. Der alte Standort bleibt für die dort ansässige, treue Kundschaft erhalten, die Hauptaufgaben werden jedoch am neuen Standort abgewickelt. Beim Neubau der Betriebsstätte liegt der Fokus der Gesellschafter besonders auf die Einhaltung von Umweltaspekten. Demnach wollen sie fast ausschließlich mit nachhaltigen Ressourcen arbeiten, so wenig Abfall wie möglich produzieren und umweltschonende Lacke anwenden. Demnächst soll zudem eine Elektroladestation angebracht werden. Das neue Betriebsgelände konnte Ende August bezogen werden und erstreckt sich über 8.000 Quadratmeter; die Hallenfläche liegt bei 2200 Quadratmetern. Der Verwaltungs- und Sozialbereich umfasst 400 Quadratmeter über zwei Etagen.

Am 23. September findet der „Tag der offenen Türe“ statt, bei dem jeder Interessierte von 12 bis 18 Uhr die Möglichkeit hat, sich die neuen Räumlichkeiten und modernen Werkstätten anzusehen. Für die Familie Faensen ist dieser Tag ein ganz besonderer. Eckhard Faensen wird 79 Jahre alt. Nach 53 Jahren „Vollgas“ schaltet er dann einen Gang zurück.

Info: Bei der Meistergründungsprämie handelt es sich um eine Förderung, speziell für Meister, die sich direkt nach der Meisterprüfung selbstständig machen beziehungsweise einen Betrieb übernehmen oder sich an einer Firma beteiligen möchten. Die Förderhöhe liegt bei 7.500 Euro. Weitere Informationen erhalten Sie bei der Unternehmensberatung der Handwerkskammer Aachen unter Tel.: +49 241 471-174 und E-Mail  gudrun.lang(@)hwk-aachen.de.