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Eckpfeiler des Wohlstands

FDP-Chef Christian Lindner über das Handwerk

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Berlin. Die FDP ist zurück im Bundestag. Und möglicherweise auch in der Regierung, wenn das Ziel Jamaika denn erreicht wird. Ihr Bundesvorsitzender Christian Lindner (Foto: FDP) hat schon feste Vorstellungen.

Das Handwerk versteht sich nicht als reine Wirtschafts-, sondern auch als tragende Gesellschaftsgruppe. Welchen Stellenwert hat das Handwerk für Sie und Ihre Partei?

Lindner: Das Handwerk bedeutet für mich persönlich eine familiäre Tradition, für uns als Freie Demokraten ist es ein Eckpfeiler unseres Wohlstands und unseres Zusammenlebens. Ob als Arbeitgeber, als Ausbilder oder als Dienstleister, ob im Berufsleben oder durch das herausragende ehrenamtliche Engagement: Unternehmerinnen und Unternehmer und die Beschäftigten in den Handwerksbetrieben bringen unser Land voran. Verantwortung für sich und andere, Leistungsbereitschaft, Engagement in der Zivilgesellschaft, Mut und das Eintreten für die besten Rahmenbedingungen für Qualität und Qualifikation: Diese Eigenschaften verbinden Handwerk und Freie Demokraten. Deshalb versteht sich die FDP auch als Partei des Handwerks.

Anfang der 2000er Jahre ist im Zuge der Reformen des Arbeitsmarktes auch der Handwerksmarkt liberalisiert worden. Hat sich die Reform der Handwerksordnung aus Ihrer Sicht bewährt?

Lindner: Die Reform der Handwerksordnung hat jedenfalls nicht die damals gewünschten Ergebnisse gebracht. Ich sehe es daher als vordringliche Aufgaben und Ziele der Freien Demokraten an, den Meisterbrief und das damit verbundene hohe Qualifikations- und Qualitätsniveau gegen weitere Abschleifungen zu verteidigen. Zudem wollen wir das erfolgreiche duale Ausbildungssystem vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung weiterentwickeln und als Wohlstandspfeiler stärken. Maßstab muss dabei die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sein.

Ist der Meisterbrief ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung oder ein Zwang, der freien Wettbewerb behindert?

Lindner: Der Meisterbrief steht für Exzellenz, Qualität, Spitzenleistungen. Er ist ein unverzichtbarer Bestandteil des erfolgreichen deutschen Ausbildungssystems und stellt für viele Handwerkerinnen und Handwerker – und natürlich auch andere Berufe – eine hervorragende Perspektive für ökonomischen und gesellschaftlichen Aufstieg dar. Er behindert nicht den freien Wettbewerb, da grundsätzlich jeder eine Meisterqualifikation erwerben kann. Für die Freien Demokraten liegt der Dreiklang auf der Hand: Starke Meister – starkes Handwerk – starke Wirtschaft.

Was sind im Handwerk die zentralen Baustellen, auf denen Sie und Ihre Partei in den nächsten Jahren tätig werden und die Sie politisch tatkräftig unterstützen wollen?
 
Lindner: Wir Freien Demokraten wollen bürokratische und finanzielle Lasten für Betriebe und Beschäftigte abbauen. Dazu gehören eine modernere und digitalere Verwaltung genauso wie Entlastungen bei der Einkommensteuer und vom Soli. Wir setzen uns dafür ein, dass die Altersvorsorge von Selbständigen verbessert und gestärkt wird. Ein Bestandteil davon ist, dass alle Selbständigen künftig für eine Basisabsicherung im Alter vorsorgen sollen. Das wäre auch ein Beitrag zu fairem Wettbewerb. Die Selbständigen, die nicht Mitglied in einem berufsspezifischen Alterssicherungssystem sind, sollen dabei Wahlfreiheit bei der Vorsorgeform haben. Für Gründerinnen und Gründer gelten außerdem Karenzzeiten. Die Pflichtversicherung einzelner Selbständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung wollen wir dagegen abschaffen. Die Digitalisierung mittelständischer Handwerksbetriebe muss unterstützt und vor allem ein schnelles, gigabitfähiges Breitbandnetz ausgebaut werden. Und wir wollen die Ausbildungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern verbessern sowie die duale Bildung in Deutschland ausweiten und aufwerten. Ein Bestandteil davon ist eine Exzellenzinitiative für die Berufliche Bildung.