„Ich freue mich sehr darauf, etwas Neues zu wagen“: Astrid Lammerskötter-Danke seit ihrer Teilnahme an der AC²-Wachstumsinitiative.
Foto: Heike Lachmann

Es ist angerichtet

Wie Betriebe vom Wettbewerb „AC² - die Wachstumsinitiative“ profitiert haben – Aufruf zur Teilnahme

Wettbewerbe

Von Helga Hermanns

Aachen. Die Idee für ein neues Geschäftsfeld hatte Christoph Werner schon lange. Aber im stressigen Alltag fand er einfach nicht die Zeit, sich intensiv und systematisch mit Wachstumsplänen für sein Unternehmen „ID Ingenieure & Dienstleistungen“ zu beschäftigen. Das änderte sich erst, als sich der Euskirchener Unternehmer dazu entschied, am Wettbewerb „AC2 – die Wachstumsinitiative“ der „GründerRegion Aachen“ teilzunehmen. Was Unternehmer verschiedener Branchen aus dem Wettbewerb zu unterschiedlichen Zeiten mitgenommen haben – und warum sie andere zur Teilnahme an der neuen Runde bewegen möchten.

So wie Christoph Werner geht es der Mehrheit: Wer an dem Wettbewerb teilnahm, fand erst dadurch die Motivation, sich detailliert mit der eigenen Zukunft auseinanderzusetzen. Im Rahmen des Wettbewerbs „AC2 – die Wachstumsinitiative“ profitierte Werner nicht nur von einem externen Berater, der ihm viele Ratschläge gab und ihn bei der Erstellung der Wachstumspläne unterstützte: Für den Unternehmer sei das auch ein spannender Prozess gewesen, bei dem er viel über sich selbst gelernt habe. „Was mich beeindruckt hat, war die offene Kommunikation mit dem Berater und der Jury, deren Kritik in den Gutachten sehr konstruktiv gewesen ist“, sagt Werner.

Im Wettbewerbsjahr 2013/14 gehörte das Euskirchener Unternehmen zu den zehn besten. „Danach haben wir unseren Businessplan umgesetzt und sind auf dem eingeschlagenen Weg konsequent weitergegangen.“

Alles für die Zukunft
„Ich bin in den vergangenen Jahren vielen interessanten Menschen begegnet“, sagt Michael Nobis. Er hat keinen Preis gewonnen. Den hätte er sich dann auch selber verleihen müssen, denn Nobis ist kein ehemaliger Teilnehmer, sondern Mitglied der Jury. Die Ideen für neue Geschäftsfelder seien in jedem Jahr aufs Neue spannend und überraschend, sagt er. „Für manche ist die Teilnahme wirklich existenziell“, sagt er: Einige Branchen seien einem radikalen Wandel unterworfen, da seien neue Geschäftsfelder notwendig, um das Unternehmen langfristig zu sichern. „Oft ist das mit einem Generationenwechsel verbunden: Wenn die Nachfolger ins Geschäft einsteigen, bringen sie häufig neue Ideen mit.“

Alles für die Bohne
„Wo stehe ich?“ Wo will ich mit meinem Betrieb hin?“ Diese Fragen stellte sich auch das Unternehmer-Ehepaar Christina und Roland Hofmann. Sie betreiben „Beans & Friends“, eine Kaffeerösterei mit angeschlossenem Café in Jülich. Nach gut acht Jahren wollen sie nun weiterwachsen, sich verstärkt dem Kaffeevertrieb widmen und künftig Gastronomie und Unternehmen beliefern. Etwa 20 Seiten umfasst der Businessplan, den die Hofmanns in monatelanger Arbeit mit Hilfe ihres Beraters verfasst haben. Die Teilnahme habe sich gelohnt: Derzeit werden bei der „Kaffeerösterei BEANS & FRIENDS“ bis zu 7.000 Kilogramm Kaffee geröstet, geplant ist eine Steigerung auf gut 12.000 Kilo.

Ab 2018 will der Betrieb außerdem sein Angebot erweitern – um Schulungen für Barista, Seminare in Verkostung, kleine Röstkurse und Technikkurse zur Wartung von Profi-Kaffeemaschinen. Durch den Wettbewerb habe sie viele offene Fragen klären können, sagt Christina Hofmann. Mit ihrer Wachstumsidee gehörten Christina und Roland Hofmann beim jüngsten Wettbewerb zu den zehn Nominierten.

Alles für die Torte
Auf Platz 3 kamen Astrid Lammerskötter-Danke und ihre Schwester Elke Heinhuis. Vor 17 Jahren hatten sie den elterlichen Café- und Konditoreibetrieb in Aachen nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters übernommen. „Wir waren recht naiv und unerfahren damals“, sagt Astrid Lammerskötter rückblickend. Zwar war sie sozusagen im Betrieb aufgewachsen, hatte aber als studierte Modedesignerin wenig Ahnung von der Torten- und Gebäckherstellung. Vielleicht sei aber gerade diese „Blauäugigkeit“ auch notwendig gewesen, das Risiko einer großen Investition in den Betrieb einzugehen. Damals wurde das Café renoviert, die Backstube mit neuer Technik ausgestattet und ein Konditor eingestellt, der den Chefinnen bis heute treu zur Seite steht.

Inzwischen stößt der Betrieb an seine Grenzen. Wegen der ständig steigenden Nachfrage muss auch die Produktion der Lammerskötter GbR wachsen. Und das geht nicht mehr am alten Standort in der Fußgängerzone von Burtscheid. „Es ist sicherlich ein Risiko. Aber wir wollen es künftig auf mehr Schultern verteilen. Deshalb haben wir uns zu einer anderen Gesellschaftsform mit vier Beteiligten entschlossen“, erklärt Astrid Lammerskötter. Außer ihrer Schwester Elke Heinhuis werden nun auch ihr Mann Tobias Danke und eine junge Konditorin die Verantwortung gemeinsam tragen – jeder mit einem eigenen Arbeitsbereich.

„In unserem familiären Umfeld gab es sehr viel Skepsis und häufig die Frage: Wollt ihr euch das wirklich antun?“ Damit ist vor allem die Investition in eine neue Produktionshalle gemeint, die sich derzeit in Planung befindet. „Aber als wir dann an der AC2-Wachstumsinitiative teilgenommen haben, bekamen wir nur noch ermutigende Zustimmung.“ Mit dem Businessplan, der offiziell begutachtet wird, habe man nun auch ein Papier, mit dem man bei Banken über Kredite verhandeln könne.

Info: Die Initiative „AC2 – Gründung, Wachstum, Innovation“ geht in eine neue Runde. Auch in diesem Jahr gibt es wieder regionale Auftaktveranstaltungen zu den Businessplan-Wettbewerben „AC2 – der Gründungswettbewerb“ und „AC2 – die Wachstumsinitiative“. Die Termine: Dienstag, 7. November, 19 bis 22 Uhr bei der Eulog gGmbH in Euskirchen; Mittwoch, 8. November, 19 bis 22 Uhr im BMW-Autohaus Kohl in Heinsberg; Donnerstag, 9. November, 19 bis 22 Uhr bei der Kuvag Isola Composites GmbH in Düren; Donnerstag, 16. November, 19 bis 22 Uhr im Depot Talstraße in Aachen.
Neben organisatorischen Informationen gibt es die Möglichkeit, das gut 200 Personen umfassende ehrenamtliche Netzwerk der AC2-Berater kennenzulernen und sich mit anderen (angehenden) Unternehmern auszutauschen. Die Teilnahme an den Wettbewerben ist kostenfrei. Die Anmeldung ist bei der „GründerRegion Aachen“ möglich, www.ac-quadrat.de,   info(@)ac-quadrat.de, Tel.:+49 241 4460-350.