Wer wird demnächst im NRW-Landtag auf diesen Stühlen sitzen? Das entscheiden die Wähler am 14. Mai. Das Handwerk stellt hohe Erwartungen an die Politik.
© Foto: fotolia

Fahrplan für den neuen Landtag

Handwerk.NRW formuliert seine Erwartungen an die bald gewählten Abgeordneten

News

Düsseldorf. Am 14. Mai wählen die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag. Handwerk.NRW hat seine Erwartungen an die dann gewählten Abgeordneten bereits formuliert. Hier ein Auszug.

Wirtschaftliches Wachstum
Das Handwerk in NRW fordert eine Stärkung des Wirtschaftsministeriums. Es soll die Federführung für alle wachstumsrelevanten Politikbereiche erhalten. Darüber hinaus soll ein „Energie-Effizienz-Konsens“ NRW mit eigener Geschäftsstelle nach dem Vorbild des bewährten Ausbildungskonsenses geschaffen werden. Das Handwerk fordert zudem die Abschaffung der „Hygiene-Ampel“, die nichts zum Verbraucherschutz beitrage und einseitig Standards verschärfe, die durch EU- oder Bundesrecht geregelt sind. Außerdem müsse es wirtschaftlich sinnvolle und ökologisch akzeptable Lösungen für Entsorgung HBCD-haltiger Dämmstoffe geben. Zudem setzt das Handwerk sich für eine mittelstandsfreundliche Vergabepraxis ein, die den Mittelstand wegen zu hoher Anforderungen an Sicherheit und Haftung nicht ausschließen dürfe. Kommunen und Land sollen außerdem die gewerberechtliche Schwarzarbeit stärker bekämpfen.

Innovation und Digitalisierung
Vorrangig erwartet wird die Schaffung einer flächendeckenden, leistungsfähigen, digitalen Infrastruktur mit Glasfasertechnik. Das Handwerk plädiert für den Ausbau und die Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildungszentren des Handwerks, um Qualifizierung, Innovationen und Technologietransfer zu Fragen der Digitalisierung zu unterstützen. Zudem müsse es Beratungsstrukturen geben, die vor allem im Bereich der Datensicherheit Betrieben und Endkunden Hilfestellung leiste. Auch die Verwaltungsverfahren sollten mit Hilfe der elektronischen Möglichkeiten vereinfacht werden. Kooperationen von Handwerk und Hochschulen sollen in ihrer Attraktivität gestärkt werden.

Bessere Infrastruktur
Zu den Erwartungen des Handwerks gehört die Aufstockung und Verstetigung der Finanzmittel für Verkehrsinfrastruktur-Investitionen. Planung und Realisierung auf diesem Gebiet sollen beschleunigt werden. Darüber hinaus gelte es, das Baustellenmanagement und die -koordination zu verbessern. Das Handwerk in NRW setzt zudem auf E-Mobilität und einen Ausbau seiner Infrastruktur.

Handwerksfreundliche Politik
In erster Linie erwarten die Handwerksunternehmen eine ausreichende Finanzausstattung der Kommunen. Bei der angestrebten Verbesserung der Luftqualität in den Städten müssten die Interessen des Handwerks berücksichtigt werden. Für Dieselfahrzeuge der Betriebe dürfe es kein Fahrverbot geben. Darüber hinaus fordert das Handwerk landesweit einfache Regelungen für Handwerkerparkausweise. Zudem möchte das Handwerk als wichtiger Partner in der kommunalen Energiepolitik gestärkt werden. Seine Beratungsfunktion sollte verlässlich gefördert werden. Passend dazu müssten Sanierungs- und Baumaßnahmen als auch Beratungsleistungen des Handwerks steuerlich absetzbar sein.

Fit für Ausbildung
Das nordrhein-westfälische Handwerk fordert, dass ein starkes Ankerfach Wirtschaft für ökonomische Bildung, Arbeitslehre und Berufsorientierung an allen Schulformen mit einschlägiger Lehramtsausbildung eingesetzt wird. Außerdem sollte die Fachlichkeit des Unterrichts durch passgenaue Qualifikation wieder mehr in den Vordergrund rücken, der Unterricht in leistungsdifferenzierten Lerngruppen organisiert werden. Zudem sollte die Schulpflicht für Flüchtlinge erweitert werden, diese eine Grundbildung erhalten, die ihnen den Anschluss an das Bildungssystem ermöglicht. Dazu gehörten auch flächendeckende Angebote zur Vorbereitung der Flüchtlinge auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Pro berufliche Bildung
Für das Handwerk wichtig ist neben der gesellschaftlichen Aufwertung der beruflichen Bildung die Entwicklung attraktiver Angebote der Höheren Berufsbildung. Berufliche Weiterbildung müsse auf Augenhöhe mit akademischer Bildung behandelt werden. Außerdem müsse es für Meisterschüler eine individuelle Förderung wie für Studierende geben. Für die duale Ausbildung an den Berufskollegs sei die Sicherstellung des Fachlehrernachwuchses unverzichtbar. Meister müssten praktikable Wege der pädagogischen Weiterbildung für das Lehramt an Berufskollegs erhalten. Diese Lerneinrichtungen dürften keine Konkurrenzangebote zur dualen Ausbildung offerieren. Ganz deutlich sprechen sich die Absender der Erwartungen gegen Berufsschulklassen aus, die gegen den Willen der betroffenen Handwerksorganisationen eingerichtet werden. Eine ausreichende Bildungsinfrastruktur müsse nicht nur in den Oberzentren, sondern auch im ländlichen Raum vorhanden sein. Analog zum Semesterticket für Studierende sollte es ein Azubi-Ticket geben.

Gewicht in Brüssel
Zur Stärkung des Meisterbriefes auf allen politischen Ebenen fordert das Handwerk seine konsequente Verteidigung durch das Land. Darüber hinaus soll NRW auch Kompetenzüberschreitungen der EU verhindern und frühzeitig dagegen einschreiten. Außerdem müssten besondere Bürokratiebelastungen, die die Wettbewerbsposition von Handwerk und Mittelstand beeinträchtigten, vermieden werden.

Info: Das nordrhein-westfälische Handwerk besteht aus 188.800 Betrieben. Sie beschäftigen über 1,1 Million Menschen, so viele wie kein anderer Wirtschaftszweig im Land. Das Handwerk in NRW erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 116,4 Milliarden Euro. Traditionell engagieren sich zahlreiche Unternehmer und Beschäftigte im Handwerk ehrenamtlich in allen Bereichen des bürgerschaftlichen Engagements und unterstützen Vereinsarbeit und Institutionen.