Vater und Tochter: zwei Generationen im Handwerk – ein Team. Zwischen den beiden Fotoaufnahmen liegen 17 Jahre.
Tischlermeister Frank Rombey posierte damals mit seiner kleinen Tochter Jule für eine Sympathie-Plakat-Aktion der Handwerkskammer Aachen. Die kleine Jule fand das sichtlich toll zwischen Papa, Arbeitshose und Zollstock. „Ich geh' zu Papa!”, hat sie irgendwann gesagt, als sie noch in der Schule war. Und Recht behalten. Aus dem kleinen Mädchen, das in der Werkstatt mit seinen Spielsachen spielte und schon früh „mitarbeitete”, ist eine sehr talentierte und zupackende Tischler-Auszubildende geworden – die noch viel vorhat. Nicht nur für sich und Papas Betrieb, sondern auch für das gesamte Handwerk. Foto 2000: vwb-agentur, Foto 2017: Elmar Brandt

Familienzeit an der Werkbank

Jule Rombey – eine starke Tischler-Auszubildende, Ausbildungsbotschafterin und „Abgeordnete“ in Berlin

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Von Elmar Brandt

Selfkant-Süsterseel. Die Rombeys treffen sich zur Familienzeit an der Werkbank. Ein Teil von ihnen während der Arbeit, die Mutter beziehungsweise Ehefrau Elke kommt häufig mittags in der Pause dazu. Tischlermeister Frank bildet seine beiden Kinder Jule und Jakob zu Tischlern aus. Das funktioniert sehr gut. Die drei und der dritte Lehrling Calvin Mehr sind ein gutes Team.

Ein inniges Verhältnis zum Handwerk und zum Meisterbetrieb ihres Vaters hat Jule schon seit Beginn ihres Lebens. Im Jahr 2000 schaffte sie es sogar, rund zwei Stunden fröhlich-freundlich für das Handwerk zu schauen – in die Kamera, die ihren Vater und sie für eine Plakataktion der Aachener Kammer ablichtete (siehe Titelseite). Danach verlegte Jule ihre Spieleinheiten häufig in die Werkstatt –irgendwann fing sie dann selber an, Tischlerin zu spielen und zu „arbeiten“. „Sie hat dann auch mal die Wände mit Lehm verziert“, erinnert sich ihr Papa, und später habe sie angefangen, sich für Büroarbeiten zu interessieren.

Auf das Foto mit seiner ganz kleinen Tochter ist Meisterdesigner Frank Rombey, der an der Akademie Gut Rosenberg studierte, sehr oft angesprochen worden. Der Spruch „Wir MEISTERn die Zukunft“ auf dem Plakat war nicht nur tolle Werbung für die angesehene Qualifikation mit Aussicht auf Selbstständigkeit, sondern auch ein Leitspruch für Vater Frank und Tochter Jule. Wie damals verstehen sie sich immer noch gut und arbeiten gerne eng zusammen. Zwischen Vater und Tochter passt es einfach.

Vereinte Kräfte:

Jule Rombey und ihr Vater Frank arbeiten Tag für Tag in ihrer Tischlerei zusammen. Die Ausbildung im väterlichen Betrieb funktioniert sehr gut – die beiden verstehen sich einfach.

Gemeinsam auf der Suche nach neuen Lehrlingen:

Jule Rombey wirbt als Ausbildungsbotschafterin in Schulen für eine Lehre im Handwerk. Dabei begleitet sie Ralf Eylmanns von der Handwerkskammer Aachen.

Für „bescheuert“ erklärt

Keine Frage: Jule Rombey geht ihren Weg. Am Ende der Realschule „hat mich jeder für bescheuert erklärt“, erzählt sie. Weil ihr Plan eben zum Handwerk führte und nicht zum Gymnasium, Abitur oder Bürojob. Sie erinnert sich gut an ihren Schulabschluss: „Damals gingen 21 von 91 Schülern in eine Ausbildung.“ Sie gehörte also da schon zur Minderheit, so wie jetzt unter den Tischler-Lehrlingen in der Berufsschulklasse. Jule hat jedoch den nötigen Willen, Talent und Energie. Tischlern ist ihre Leidenschaft, darin geht sie auf. Zudem macht ihr die handwerkliche Arbeit mit dem Vater und den Jungs Spaß. Mehr und mehr übernimmt sie im Betrieb, der auf Treppenbau spezialisiert ist und sich jetzt auch Richtung Möbelbau orientiert, verantwortungsvolle Aufgaben. So wie auf dem Reiterhof, auf dem sie sich um Pferde kümmert, sie reitet, pflegt und für den Betrieb eine wichtige Rolle spielt.
Einsatz zeigt die junge angehende Tischlerin nun auch auf anderer Ebene. Für die Handwerkskammer ist die Auszubildende im dritten Lehrjahr seit Kurzem als Ausbildungsbotschafterin in Schulen unterwegs. Dort erzählt sie Mädchen und Jungen vom Handwerk, über ihren Werdegang und ihre Perspektiven. So weckt sie (hoffentlich) Interesse für eine Lehre im Handwerk.

Bei den Schülerinnen und Schülern kommt es gut an, wenn Ausbildungsbotschafter, die ein Handwerk lernen, ihnen von ihren Erfahrungen erzählen und aus erster Hand berichten. Die Bemühungen der Lehrlinge, die als Botschafter unterwegs sind, sind sehr hilfreich, denn im Kammerbezirk Aachen bleiben auch dieses Jahr zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Es mangelt an Nachwuchskräften. Deshalb lohnt es sich, jede Schülerin und jeden Schüler anzusprechen und aufs Handwerk aufmerksam zu machen.

Klappern fürs Handwerk, das wird Jule Rombey Anfang Oktober auch in Berlin. Sie reist dann als „Abgeordnete“ aus dem Bezirk der Handwerkskammer Aachen in die Hauptstadt und nimmt an der Sitzung des Jugendbeirats teil. Dort kommen Auszubildende aus ganz Deutschland zusammen und diskutieren über handwerksrelevante Themen, die bundesweite Imagekampagne, ihre Wirkung auf junge Leute, neue Ideen sowie deren Aussichten auf Erfolg. Jule Rombey kennt zu viele Frauen und Männer in ihrem Alter, die nicht sagen können, wohin ihre berufliche Reise gehen soll. „Die wissen oft gar nicht, was sie wollen“, erzählt sie und hofft, mit ihrer Mitarbeit etwas für das Handwerk zu bewegen.

In Berlin wird es sicher spannend. Nach ihrer Rückkehr will sich Jule dann auf ihre Gesellenprüfung vorbereiten. Die möchte sie 2018 so erfolgreich wie möglich bestehen und möglichst bald danach zur Meisterschule gehen. Es kann schon sein, dass sie später mehr auf den Möbelbau fokussiert sein wird – mit den Treppen und ihrer Herstellung kennt sie sich aber auch schon gut aus.

Für eine gute Zukunft

Für Frank Rombey, seit 20 Jahren selbstständig, ist es natürlich schön, zu sehen, wie gut seine Tochter in den Tischlerberuf findet und ihren Weg geht. Sohn Jakob hat gerade erst die Lehre begonnen, auch er ist ein großer Hoffnungsträger im Hinblick auf Wachstum und Zukunft des Familienbetriebs.

Die Tischlerei lässt sich auch jetzt schon immer wieder etwas Neues einfallen, lädt Kinder und Jugendliche zum Schnitzkurs und zum Ausprobieren in die Werkstatt ein. Denn bei aller Digitalisierung und ihren Möglichkeiten hält Meister Frank Rombey es für ganz wichtig, dass das handwerkliche Verständnis und Können von der Pike auf erlernt werden. Ohne sie ginge es im Handwerk nämlich nicht.

Und ohne Familie ginge es für die Rombeys auch nicht. Für Vater Frank ist es schon manchmal etwas komisch. Häufig erzählt seine Frau Elke ihm etwas von den Kindern. Er antwortet dann: „Das weiß ich schon.“ Und die Mutter wundert sich. Aber als Arbeitskollege ist der Vater oft schneller und ausführlicher informiert. Seine Frau, also die Mama, trägt das mit Fassung, auch wenn es gegen den Trend läuft, dass Mütter häufig zuerst informiert sein wollen und es meistens auch sind. Sie weiß ja: Wenn sie ihre Lieben sehen oder sie mit etwas Leckerem überraschen will, muss sie einfach nur zur nahegelegenen Werkstatt fahren. Dort kann sie dann eine schöne Familienzeit erleben…