Druckt der Handwerker sich demnächst sein Material selber? Die 3D-Technik schreitet voran und verspricht einige Geschäftsmöglichkeiten.
Foto: Elmar Brandt

Fortschritt durch 3D-Druck

Handwerkskammer und Aachener Zentrum erarbeiten Lehrgangskonzept

Aachen. Im Hinblick auf Digitalisierung und speziell 3D-Druck kooperiert die Handwerkskammer Aachen eng mit der FH Aachen. In einzelnen Gesprächen wurde zuletzt verschiedene Ansätze und Projektideen diskutiert. Konkrete Aktionen sind auch schon in Planung.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT hat die FH Aachen in einem Verbundprojekt das Aachener Zentrum für 3D-Druck errichtet. Dieses verfolgt das Ziel, kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zur gesamten Prozesskette im Bereich „Additive Manufacturing“ (AM) zu eröffnen, damit sie ökonomische und technologische Chancen nutzen können. Hier bietet sich auch Handwerksbetrieben eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Hilfe für Betriebe

Während große Unternehmen unmittelbar in die innovative Technologie investieren, um neue Absatzmärkte zu erschließen oder bestehende Produkte und Prozesse zu verbessern, scheuen kleinere Firmen häufig die Risiken einer Investition in die neue Anlagentechnik. Nur in seltenen Fällen verfügen sie über 3D-Druck-Spezialisten oder ausgebildete Fachkräfte. Insbesondere bei der 3D-Generierung metallischer Bauteile besteht deshalb die Gefahr, den Anschluss an die innovative Technologie zu verlieren.

Neben Schulungen und Beratungen unterstützt das Aachener Zentrum Unternehmen bei der Auswahl des richtigen 3D-Druck-Verfahrens und hinsichtlich der damit verbundenen Prozesse. Darüber hinaus liefert es die wichtigen Informationen zur Datenaufbereitung, zum Druckprozess und zur Nachbehandlung.

Gemeinsam mit der Handwerkskammer Aachen wird ein Konzept erarbeitet, um das Wissen rund um den 3D-Druck praktisch in die Ausbildung zu integrieren. Ausbilder der Kammer wurden bereits in einer Vortragsreihe unterrichtet, in einzelnen Bildungszentren der Kammer stehen bereits 3D-Drucker zur Verfügung, die in die Aus- und Weiterbildung einbezogen werden.

Schritt halten

Ziel ist es nun, Handwerkern Lehrgänge anzubieten, damit sie fit werden in der Bearbeitung von Kunststoff und Metall durch 3D-Drucktechnik. Ein Lehrplan ist bereits erarbeitet, die Teilnehmer sollen in Fünf-Tage-Kursen von 16 bis 18 Uhr unterrichtet werden. Dabei werden auch die aktuelle Situation des Marktes beleuchtet und die Labore der FH Aachen besichtigt. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer Einblick in die Software und werden in die Bedienung eingeführt.  Auch die verschiedenen Werkstoffe und ihre Eigenschaften nehmen im Lehrgang eine große Rolle ein.

Über die praktische Zusammenarbeit hinaus erstellt das Aachener Zentrum für 3D-Druck Machbarkeitsstudien und hilft bei der Fertigung von Musterteilen. Dabei werden auch Funktionen, Kosten und Zeitaufwand analysiert.

Die additive Fertigung, der sogenannte 3D-Druck, wurde schon 1983 erfunden. Der Hype um die Technik entstand aber erst vor Kurzem.  Mittlerweile ist ein richtiger Markt rund um Geräte, Software und Druckmaterial gewachsen, wodurch die Preise mittlerweile schon deutlich sinken. Einsteigergeräte werden inzwischen schon für unter 1.000 Euro angeboten. Im Metall-, Feinwerkmechaniker- und Gesundheitshandwerk wird die 3D-Drucktechnik bereits intensiv genutzt. Dagegen ist sie für Lebensmittelhandwerke noch relativ uninteressant. Für den künftigen Einsatz wird entscheidend sein, ob die Betriebe durch die Nutzung der neuen Technologie einen Zeit- beziehungsweise Qualitätsvorteil erhalten.

Bei der Entwicklung der 3D-Druckverfahren gibt es noch viel Potenzial. So wird sich die Geschwindigkeit der Drucker wohl noch verbessern. Ebenso ist die Kombination verschiedener Werkstoffe noch ausbaufähig. Immer mehr Verbreitung finden wird die Herstellung von Ersatzteilen für von Handwerksbetrieben genutzte Geräte. Ein auf Sanitärinstallationen spezialisierter Betrieb kann demnächst in der Lage sein, sein benötigtes Material selber herzustellen, möglicherweise sogar direkt beim Kunden vor Ort auf der Baustelle. Damit entfallen Warte- und Fahrzeiten. Darüber hinaus wird es möglich sein, noch individueller zu produzieren.

www.fh-aachen.de