Gemeinsame Herausforderungen annehmen und Zukunft in Frieden sichern: In Wittenberg kamen die Mitglieder des Besprechungskreises Kirche-Handwerk zusammen.
Foto: Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen

Handwerk ist auch Berufung

Kirchen und Handwerk treffen sich im Zeichen des Reformationsjubiläums mit Botschafterin Margot Käßmann

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Berlin. Vor dem Hintergrund des Jubiläums zu 500 Jahre Reformation traf sich der Besprechungskreis Kirche-Handwerk in der Lutherstadt Wittenberg. Dort tauschten sich Repräsentanten der Handwerksorganisation mit Vertretern der beiden großen christlichen Kirchen aus.

Prominente Gesprächspartnerin war Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum. Sie erläuterte, dass das Jubiläum nicht nur die Bedeutung der Reformation deutlich mache, sondern auch bei den Nicht-Kirchenangehörigen Interesse an Kirche und Glauben wecken wolle. Das Reformationsjubiläum finde nicht in Abgrenzung zur katholischen Kirche, sondern in ökumenischer Perspektive statt, denn, so Käßmann: „Uns verbindet mehr als uns trennt." Bezogen auf die Arbeitswelt und das Handwerk sei laut Martin Luther der Beruf auch Berufung und solle Gott und anderen Menschen dienen.

Flüchtlinge integrieren
Eine gemeinsame Herausforderung für Handwerk und Kirchen ist nach Meinung des Besprechungskreises die Integration von Flüchtlingen. Dieter Vierlbeck, Vorsitzender der Evangelischen Bundesarbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche, stellte fest, dass derzeit mehr als 2.500 Flüchtlinge eine Ausbildung im Handwerk begonnen hätten. Rechtliche Unsicherheiten und Sprachschwierigkeiten erschwerten es aber den Betrieben, Flüchtlinge einzustellen.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Sitzung war der Dialog mit dem Islam. Wie Kazim Erdogan, Integrationsexperte und Vorsitzender des Vereins „Aufbruch Neukölln“, feststellte, müsse die Kommunikation zwischen Christen und Muslimen intensiviert werden, um ein besseres Verständnis füreinander und ein „Wir-Gefühl“ zu entwickeln. Auch das Erlernen der deutschen Sprache sei nur durch den Kontakt mit deutschen Mitbürgern möglich. Zu einem modernen Deutschland gehöre, die Kulturen zusammenzubringen. Dann könnten sich Migranten besser mit Deutschland identifizieren.

Es sei, so der Besprechungskreis, nicht hinzunehmen, dass Gewalt durch radikale Fundamentalisten und Extremisten „im Namen Gottes“ legitimiert werde. Das friedenstiftende Potenzial der Religionen müsse in der Gesellschaft wieder stärker wahrgenommen werden. Der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Bernhard Haßlberger aus der Diözese München und Freising, forderte: „Es darf keinen Kampf der Kulturen und Krieg der Religionen geben.“

Demokratische Werte
Angesichts des bevorstehenden Bundestagswahlkampfes blickten die Teilnehmer mit Sorge auf die politischen Klimaveränderungen in Deutschland und appellierten an die politischen Parteien, nicht zu stark zu polarisieren. Demokratische Regeln und Werte dürften angesichts von populistischen Strömungen nicht in Frage gestellt werden. Die Bürger erwarteten eine Politik, die Sicherheit gebe und sich einer zunehmenden Zerrissenheit entgegenstelle, indem sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Mit herzlichem Dank für seine langjährige Mitwirkung verabschiedete der Besprechungskreis den ehemaligen Vertreter der EKD im Besprechungskreis, Alt-Bischof Axel Noack, der als gelernter Betriebsschlosser und Theologe in einzigartiger Weise eine Brücke zwischen Handwerk und Kirche gebaut hat.