Handwerk und Technik in einem Produkt: Als Diplom-Mathematiker und Rolladen- und Jalousiebauermeister hat Georg Nüssgens diesen Typ Scherenarmmarkise konstruiert.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Im „Land des Handwerks“ schien die Sonne

Cisoventex und die Scherenarmmarkisen

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Aachen. Georg Nüssgens und seine Frau Ursula Nüssgens-Werner haben dieses Jahr eine besonders interessante Reise gemacht. Im Frühjahr waren sie im „Land des Handwerks“. Der Aufenthalt dort hat ihnen nicht nur gut gefallen. Er hat sich auch geschäftlich gelohnt. In ihrer Firma Cisoventex stellen sie Scherenarmmarkisen mit anspruchsvollen technischen Konstruktionen her. Außer ihnen machen das in Deutschland nur zwei weitere Betriebe. Gefragt sind die überdimensionalen Schattenspender vor allem in der Gastronomie und bei Hotels. Auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München durften sie ihre Produkte präsentieren.

Handwerk und Digitalisierung – das ist derzeit ein Thema, das vielfältig diskutiert und praktisch angegangen wird. Bei der Cisoventex GmbH, die Georg Nüssgens neben der Rolladen Kutsch GmbH in Aachen leitet, kommt die Technik voll zum Tragen. Die Scherenarmmarkisen, die im Einzelfall bis zu mehr als acht Meter rausgefahren werden können, müssen in ihren Teilen genau berechnet sein. Dabei spielen Statik, Tragfähigkeit, Winkel, Drehpunkte, gleich hohe Stützarme und vieles mehr bedeutende Rollen. Da ist der berufliche Werdegang, den Georg Nüssgens absolviert hat, zwar ungewöhnlich, aber sehr von Vorteil.

Selber programmiert

Nüssgens ist Diplom-Mathematiker, kennt sich mit physikalischen Gesetzen aus und programmiert seit er 14 Jahre alt ist eigene Computerprogramme. Die handwerkliche Karriere begann für ihn, als Vater Josef Nüssgens 1990 frühzeitig verstarb und Mutter Elfriede das Unternehmen übernahm. Georg Nüssgens entschied sich fürs Handwerk, absolvierte eine Lehre zum Rolladen- und Jalousiebauer und legte 1998 seine Meisterprüfung ab. Zwei Jahre später übernahm er das elterliche Unternehmen Rolladen Kutsch als alleiniger Geschäftsführer.

Weitere 17 Jahre später führte ihn und seine Frau der Weg nach München, ins „Land des Handwerks“ auf der IHM in München. Für die Teilnahme an diesem intensiv beworbenen und auffällig gestalteten Gemeinschaftsstand hatte sich die Cisoventex GmbH empfohlen und war dann auch genommen worden. Denn die von ihr hergestellten Scherenarmmarkisen stehen für den Einzug der Digitalisierung ins Handwerk und für Innovation.

Stichwort Computerprogramm: Das zur Steuerung und Berechnung der Markisen hat Georg Nüssgens, der mehrere Programmiersprachen beherrscht, selber geschrieben. Seine Idee stößt auf großes Interesse. In München hat er viele Rolladen- und Sonnenschutzbauer getroffen, die sich vorstellen könnten, seine Produkte zu montieren. Darüber hinaus traf er Kollegen aus dem Netzwerk, das er durch 12-jährige ehrenamtliche Präsidiumsarbeit im Bundesverband geknüpft hat. Diese Beziehungen helfen, geeignete Fachpartner in den unterschiedlichen Regionen zur Montage der Scherenarmmarkisen zu finden. „Es ist ein Nischenprodukt“, sagt Nüssgens – eines, das immer mehr Anklang findet. Demnächst möglicherweise auch in den Niederlanden.

Die Zukunft ist bekanntlich digital. Deshalb sieht Nüssgens eine enge Verbindung zwischen seinem Gewerk und dem der Elektroniker. Smart Home gewinnt immer mehr an Bedeutung, da sollen auch Markise und Sonnenschutz künftig über W-LAN steuerbar sein. „Möglich ist das“, sagt Nüssgens. Immer mehr gehe es darum, die Funktionalität zu automatisieren. Bei einer Markise kann das zum Beispiel heißen, dass sie automatisch so weit rausfährt wie sie muss, um eine bestimmte Fläche zu beschatten, oder nach heftigem Regen meldet, wenn das Tuch zu schwer wird.

Offen für neue Entwicklungen ist Georg Nüssgens jedenfalls, seine eigenen Ideen möchte er gerne umsetzen. Bei den Markisen gibt es dazu noch Gelegenheit, auch im Hinblick auf die Beleuchtung.

Wenn er seine unternehmerischen Ziele erreichen möchte, braucht Georg Nüssgens zukünftig weiterhin gute Fachkräfte. Deshalb hält er es für ausgesprochen wichtig, auszubilden. Er bedauert zwar, dass die Meisterpflicht im Rolladen- und Sonnenschutzbauer-Handwerk nicht mehr gilt, weist aber ausdrücklich auf die Karrierechancen in seiner Branche hin. Der Ausbildungsberuf heiße ja mittlerweile Rolladen- und Sonnenschutzmechatroniker, ein fester Bestandteil im Schulunterricht sei jetzt die Elektrotechnik. Diese Inhalte könnten durchaus Abiturienten zu seinem Handwerk locken. Bei Rolladen Kutsch und Cisoventex dürfen sie sich immer weiterentwickeln, denn Qualifizierung des eigenen Personals hat hier einen hohen Stellenwert und wird aktiv umgesetzt. Da sind Zeit und finanzielle Mittel sicher gut investiert.