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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles lobte das Engagement des Handwerks bei der Einbindung von Flüchtlingen. Auch im Kammerbezirk läuft die Integration gut: Youssef Abojobbah aus Palästina beispielsweise ist jetzt im dritten Lehrjahr bei Thorsten Schmitz (Elektrotechnik Ell). Foto: Barbara Lüke-Kreutzer

Immer mehr Flüchtlinge kommen auf den Arbeitsmarkt

Integration bleibt eine Herausforderung – das hat auch das ZDH-Unternehmerforum deutlich gemacht

Flüchtlingskoordination

Von Karin Birk

Berlin. In den kommenden Wochen und Monaten stehen immer mehr Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Sie tatsächlich in Lohn und Brot zu bringen, wird eine Herausforderung. „Das können wir schaffen, aber es wird Zeit brauchen“, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) beim ZDH-Unternehmerforum „Arbeitsmarkt 2016 – Chancen und Herausforderungen“. Nach den Prognosen der Bundesagentur für Arbeit (BA) werden bis zum Jahresende rund 350.000 anerkannte Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. „Der Arbeitsmarkt kann das verkraften“, sagte BA-Vorstandsmitglied Detlef Scheele mit Blick auf die gute Beschäftigungslage. Eine wachsende Konkurrenz zu Langzeitarbeitslosen sieht er nicht.

Nahles lobt Handwerk

Sowohl Nahles wie Scheele würdigten das Engagement des Handwerks bei der Einbindung von Flüchtlingen. „Das deutsche Handwerk integriert überdurchschnittlich und ist damit auch Schrittmacher für andere“, sagte Nahles. Das Handwerk sei der einzige Wirtschaftszweig gewesen, der ihr handfeste Zahlen genannt habe, sagte sie mit Blick auf das Programm „Wege in die Ausbildung“.

Danach will das Handwerk gemeinsam mit der BA und dem Bundesbildungsministerium in den kommenden zwei Jahren bis zu 10.000 Flüchtlinge qualifizieren und an eine Ausbildung heranführen. Wie ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer sagte, „ist das Programm mit großem Engagement angelaufen“. Er machte aber auch unmissverständlich klar, dass für ihn Integration über Qualifikation, über Kompetenzerfassung und Berufsorientierung erfolge und nicht über ein „Absenken bewährter Berufsbildungsstandards oder einer Ausbildung „light“.

Als Erfolg werteten die Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Arbeitsagentur, dass das Integrationsgesetz auf den Weg gebracht wurde und so Betriebe und Asylbewerber mehr Sicherheit während der Ausbildung und für zwei Jahre danach bekämen. „Unser Ziel ist, möglichst viele in eine Ausbildung zu bringen“, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Karl Schiewerling. Mit der „3-plus-2-Regelung“ würden sie vor Abschiebungen während der Ausbildung geschützt.

Wechsel ist möglich

Im weiteren Gesetzgebungsverfahren haben sich die Fachpolitiker mittlerweile darauf geeinigt, dass Asylbewerber und Geduldete auch bei einem ersten Ausbildungsabbruch nicht sofort eine Ausweisung befürchten müssen. Finden sie binnen eines halben Jahres eine neue Ausbildungsstelle, besteht der Abschiebeschutz fort. Dieser wird allerdings aufgehoben, sollte es zu einem weiteren Ausbildungsabbruch kommen. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD, Katja Mast, freute sich, jetzt eine „praxistauglichere Regelung“ gefunden zu haben. Damit werde berücksichtigt, dass generell jeder vierte Ausbildungsvertrag aufgelöst werde. Eine Forderung blieb allerdings unberücksichtigt: Weiterhin müssen Betriebe Ausbildungsabbrüche innerhalb von einer Woche der Ausländerbehörde melden, wollen sie keine Geldstrafen riskieren.

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