KMU und „De-minimis“: Alles klar?

Exklusiv für den Mittelstand: Handwerk profitiert von EU-Förderprogrammen

Betriebsführung

Von Georg Stoffels

Aachen/Brüssel. Sprechen die eine Geheimsprache in Brüssel? Die Welt der EU-Verordnungen, Richtlinien und Förderprogramme ist oft mit unverständlichen Abkürzungen und Begriffen durchsetzt. Was wichtig ist, muss auch wichtig klingen. Und wenn das Ganze noch in Formulare gepackt wird, reißt einem schnell der Geduldsfaden. Dabei verbergen sich hinter diesen Formularen oft geldwerte Dienstleistungen und Vorteile, die ausschließlich mittelständischen Unternehmen zugutekommen.

Passgenaue Fachkräfte

Gute Auszubildende sind Mangelware, zumindest nicht leicht zu finden. Ausbildungsbetriebe können ein Lied davon singen. Die Lehrstellenvermittler der Handwerkskammer Aachen sind durch das Projekt „Passgenaue Besetzung“ in der Lage, eine Vorauswahl zu treffen und genau den richtigen Lehrling für den Betrieb herauszufischen. Vorausgesetzt, der Betrieb hat eine „KMU-Erklärung“ unterzeichnet. Damit erklärt er, dass er zum förderfähigen Kreis der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), also zum Mittelstand gehört. Denn das Projekt ist durch Bundes- und EU-Mittel gefördert und darf nur von mittelständischen Betrieben genutzt werden, die in der Regel nicht die finanziellen und personellen Möglichkeiten wie Großunternehmen haben. Welcher Handwerksbetrieb unterhält schon eine eigene Personalabteilung?

Kurzes Formular, große Wirkung

Zum Kreis der KMU gehören nach Definition der EU alle Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern. Außerdem dürfen sie nicht mehr als 50 Millionen Jahresumsatz erzielen beziehungsweise keine Jahresbilanzsumme von mehr als 43 Millionen Euro ausweisen. Diese Kriterien dürften wohl die allermeisten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk erfüllen. Gleichwohl muss der begünstigte Betrieb das noch einmal auf dem Formular erklären, also konkrete Angaben über Mitarbeiterzahl und Umsatz beziehungsweise Bilanzsumme machen (mit Aufrundungsoptionen). So will es der Fördergeldgeber. Die Daten werden streng vertraulich bei der Handwerkskammer aufbewahrt und dienen als Türöffner für weitere Beratungen und Betreuung des Betriebes rund um das Thema Fachkräftenachwuchs. Ein kleines Formular mit großer Wirkung also.

Betriebe können außerdem durch die sogenannte „de-minimis“-Beihilfe (übersetzt: „Kleinigkeiten“) innerhalb von drei Steuerjahren EU-Mittel in Höhe von bis zu 200.000 Euro erhalten. Neu ist, dass auch die Beratungsleistungen der Betriebsberater der Handwerkskammer als eine solche geldwerte staatliche Beihilfe angesehen werden. Denn die betriebswirtschaftlichen Beratungen der Kammer werden auch durch öffentliche Mittel gefördert. Da verschiedene Fördermaßnahmen auch miteinander kombiniert werden dürfen, muss der Fördergeldgeber sicherstellen, dass die Subventionen den Schwellenwert nicht überschreiten. Wenn der Handwerksbetrieb also bereits einen zinsgünstigen KfW-Kredit in Anspruch genommen hat und sich anschließend betriebswirtschaftlich (und unentgeltlich) durch die Kammer beraten lässt, muss er auf einem Formular durch Unterschrift erklären, dass er in den letzten drei Steuerjahren nicht mehr als 200.000 Euro an Beihilfen erhalten hat. Auch das dürfte bei den meisten Betrieben kein Problem sein. 

Fazit: Mögen die Formulare auf den ersten Blick auch lästig sein; sie öffnen auf jeden Fall die Türen für die richtige Beratung durch die Kammer. Und die kann – Schwellenwert hin oder her – oft von unschätzbarem Wert sein.

Ihr Ansprechpartner:

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