Lisa Höfflin und Regina Borgmann (von links)

Kurzporträt: Bestattungshaus InMemoriam

Heilsame Abschiedskultur

Die liebevolle und einfühlsame Begleitung von Verstorbenen und ihren Angehörigen durch den Abschiedsprozess ist das tragende Fundament der Arbeit von Regina Borgmann und Lisa Höfflin. Sie sind Bestatterinnen und führen das Bestattungshaus „InMemoriam“ in Aachen.

„Begleiten heißt für uns unaufdringlich nah sein, beistehen und gemeinsame Schritte gehen“, sagt Regina Borgmann. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes ist es den Pädagoginnen wichtig, dass Verstorbene eine aufmerksame Totenfürsorge erhalten und bis zum Begräbnis in ihrer Obhut verbleiben.

In der unwiederbringlichen und kostbaren Zeit vom Eintritt des Todes bis zur Bestattung bieten sie in ihren hellen und freundlich eingerichteten Abschiedsräumen einen Ort der Wärme und der Geborgenheit. „Es ist uns ganz wichtig, Offenheit zu schaffen“, sagt Lisa Höfflin. Deswegen ist das Interieur des Bestattungshauses bewusst wie das einer großen Wohnung gehalten. Hier kann im Familien- und Freundeskreis am offenen Sarg Abschied genommen oder auch über Nacht Totenwache gehalten werden.

Eine bewusste Verabschiedung kann als begreifend, Halt gebend, tröstend und heilsam erlebt werden. Angehörige werden ermutigt, ihre persönlichen Formen zu finden und das zu tun, was ihnen gut tut, sich aktiv mit einzubringen in den Trauerprozess, wenn sie das möchten. Auch deren Kinder werden – wenn es Wunsch ist – mit einbezogen. Denn sie werden mit ihrem natürlichen Zugang zum Thema Tod oft nicht wahrgenommen. Hier kann eine gute Begleitung hilfreich sein.

Regina Borgmann und Lisa Höfflin verstehen ihr Haus auch als Begegnungsstätte, in der sie Tod und Leben in Einklang bringen. Eine gute Gelegenheit, sich den Themen Tod und Trauer behutsam zu nähern, können die regelmäßigen Veranstaltungen – zum Beispiel Vorsorge-Café, Schulprojekte, Gesprächsrunden, Lesungen – sein.

„Wir möchten durch unser offenes Haus und mit unserem besonderen Angebot Berührungsängste nehmen und lebendige Begegnungen möglich machen“, sagt Borgmann.

Zehn Jahre InMemoriam

Das Bestattungshaus feiert sein zehnjähriges Bestehen, ebenso wie die Startercenter in der Gründerregion Aachen. Damals haben Regina Borgmann und Christa Dohmen-Lünemann (sie ist mittlerweile im Ruhestand) beim Gründungswettbewerb AC² mitgemacht und gelangten unter die Top 10 des Wettbewerbs. „Zwei Frauen in dem Alter als Gründerinnen, das ist bis heute noch untypisch“, erinnert sich die heute 60-jährige Borgmann lachend. Aber der Businessplan war so wasserdicht, dass er auf ganzer Linie überzeugen konnte und der Gründung nichts mehr im Weg stand.

Von der Idee bis zur Realisierung des Bestattungshauses hat es sieben Jahre gebraucht. „Ich bin immer drangeblieben, weil ich überzeugt von dieser Idee war. Das möchte ich auch Neugründern mit auf den Weg geben. Man sollte mit Leidenschaft hinter seiner Idee stehen und davon erfüllt sein. Für mich hat sich jedenfalls ein Lebenstraum erfüllt.“