Azubi gesucht, Azubi gefunden: René Oblaßer (rechts) hat eine Lehre zum Isolierer bei Udo Dohlen (Mitte) angefangen.
Lehrstellenvermittler Dieter Soiron hat die beiden zusammengebracht. © Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Lehrstelle gesucht, Azubi gesucht? Das passt!

Lehrstellenvermittler Dieter Soiron von der Handwerkskammer Aachen hat René Oblaßer und Udo Dohlen zusammengebracht

Passgenaue Besetzung News

Stolberg-Büsbach. Still im Büro sitzen und tippen, von 9 bis 17 Uhr, tagein, tagaus... „Das ist definitiv nicht meine Welt“, sagt René Oblaßer. Kopfschüttelnd und gleichzeitig lachend schaut der 18-Jährige zu seinem Chef. Und der nickt wiederum mit dem Kopf. „Mir war von Anfang an klar, dass Du hier richtig bist“, betont Udo Dohlen.

Dohlen setzt seine Energie dafür ein, dass möglichst wenig Energie verloren geht. Ohne ihn wäre es zu kalt, zu warm und meistens zu laut. Er ist Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer. Und René Oblaßer ist jetzt in der Lehre beim Isoliermeister. Er fühlt sich richtig wohl. Auch Dieter Soiron sorgt dafür, dass möglichst wenig Energie verloren geht. Allerdings auf anderer Ebene, er ist nämlich Lehrstellenvermittler bei der Handwerkskammer Aachen und Ansprechpartner beim Projekt „Passgenaue Besetzung“.

Sicht erweitert

Gemeinsam mit dem jungen Mann aus Aachen-Schleckheim hat Soiron ein Profil erarbeitet. „Mir war schon klar, dass ich einen handwerklichen Beruf ausüben möchte“, so Oblaßer. Zuerst liebäugelte er mit den Berufen Kfz-Mechatroniker, Elektroniker sowie Maler und Lackierer. Zusammen mit Berater Soiron hat er also Ausschau gehalten und so auch seine Sicht erweitert.  Vom WKS-Isolierer hatte Oblaßer noch nie gehört. „Herr Soiron hat mir dann was über den Beruf erzählt, und das hat sehr interessant geklungen.“

„Es muss vom Typ her passen“, fasst der Lehrstellenvermittler zusammen. Und damit meint er den Lehrling, den Ausbildungsbetrieb und die Chemie zwischen beiden. Er bringt beide Seiten zusammen, passgenaue Besetzung eben.

„Es muss passen!“

„Das Berufsbild bedarf viel Erklärung, wir sind Exoten“, sagt Udo Dohlen. WKS-Isoliermeister könne man im Kammerbezirk an einer Hand zählen. Auch deshalb hat sich der Handwerker an den Lehrstellenvermittler der Handwerkskammer gewendet – man müsse eben aktiv sein, um Auszubildende zu finden, und zwar auf möglichst vielen Kanälen: bei der Kammer, in Schulen, auf Messen, im Netzwerk mit anderen Kollegen aus dem Handwerk. „Zeugnisse sind für mich sekundär. Dass der potenzielle Auszubildende ein Praktikum bei mir absolviert, ist mir dagegen sehr wichtig“, so der 47-Jährige. „Und es muss einfach passen“, ergänzt er. Mit der „Passgenauen Besetzung“ passte es dann auch. René Oblaßer fühlt sich sehr wohl bei Dohlen Isoliertechnik.

„Anpacken und mitdenken“

Seit 1968, also jetzt schon ein halbes Jahrhundert, hat der Betrieb sich auf die technische Isolierung sowie den vorbeugenden, baulichen Brandschutz in unterschiedlichster Ausprägung und Fachrichtung spezialisiert. Udo Dohlen ist seit 20 Jahren selbstständig tätig, bildet seit zwölf Jahren aus. Neben 15 Monteuren beschäftigt der WKS-Isoliermeister auch immer einen Lehrling. Neben der Tatsache, dass es passen muss zwischen Betrieb und  Azubi, muss ein Isolierer-Geselle „anpacken und mitdenken können. Mit dem entsprechenden Willen kann man das aber gut schaffen und dann auch gut Geld verdienen in unserem Gewerk“, weiß Dohlen. Neben der branchenüblich guten Bezahlung – der Beruf ist dem Bauhauptgewerbe zugeordnet – setzt Chef Dohlen noch eins drauf und übernimmt die Kosten für Bus und Bahn, wenn seine Auszubildenden zur Berufsschule nach Oberhausen und zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung nach Krefeld fahren.

Der WKS-Isolierer

Umweltschutz, Energieeinsparung und damit die Schonung unserer Ressourcen sowie der Schutz gegen Lärm sind die Aufgaben des Isolierhandwerks. Da energiesparende Maßnahmen sowohl am Hochbau als auch an Heizungs-, Sanitär- und Kälteanlagen sowie beim Industrieanlagenbau erforderlich sind, gewinnen fachmännische Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierungen, aber auch der Trocken- und Akustikbau immer mehr an Bedeutung.

Zur Dämmung gegen Wärme- und Kälteverlust verarbeitet der Isolierer Dämmstoffe an Fassaden und Außenwänden, auf Rohrleitungen, Kanälen, Apparaten, Behältern und auf Armaturen. Er fertigt und montiert Isolierverkleidungen aus Blechen und Kunststoffen, sperrt gegen Feuchtigkeit und schirmt Schall und Lärm ab. Auch im Bereich des vorbeugenden baulichen Brandschutzes dient die Arbeit des Isolierers dem Schutz des Menschen und seiner Umwelt.

Info: Kleine und mittlere Unternehmen stehen angesichts des demografischen Wandels vor einem zunehmenden Fachkräfteproblem. Da insbesondere diese Betriebe zumeist nicht über ausreichend personelle und finanzielle Mittel für die zeitintensive Nachwuchssuche verfügen, unterstützt das Programm „Passgenaue Besetzung“ ausschließlich diese Betriebe.

Die Berater der Passgenauen Besetzung in Kammern und sonstigen Organisationen der Wirtschaft beraten seit 2007 bundesweit kleine und mittlere Unternehmen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen. Seitdem wurden insgesamt rund 70.000 Ausbildungsplätze und 8.000 Stellen für die Einstiegsqualifizierung passgenau besetzt. Das Programm wird durch das Bundeswirtschaftsministerium und den Europäischen Sozialfonds gefördert.