Mit Laptop und rollbarem Werkzeugkoffer in ganz Deutschland unterwegs: Meister Günter Foerster und Geselle Levin Stenner hatten sofort einen guten Draht zueinander.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Levin Stenner ist „Deutscher Meister“

Der 25-Jährige ist bester Elektrotechniker unter den Junghandwerkern

Auszubildende

Geilenkirchen. Levin Stenner ist der beste Elektrotechniker Deutschlands. Das muss ein buchstäblich elektrisierendes Gefühl sein. „Ehrlich gesagt konnte ich das zuerst nicht realisieren. Ich bin ein Mensch, der nicht so gerne im Mittelpunkt steht, deswegen war ich schon erschlagen“, sagt der Junghandwerker. Er darf sich „Deutscher Meister“ nennen. Der Zentralverband des Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerks (ZVEH) hat ihn zum Besten gekürt.

Und dabei war das selbst ernannte Ziel des 25-Jährigen „nur“ der Innungssieg. Nur? „Der kam mit der Note 1,0 hier durch die Tür, sorry, da muss das schon mindestens der Anspruch sein“, betont Günter Foerster mit einem Schmunzeln. Er ist Chef der g.f.e. elektroservice GmbH in Geilenkirchen. Im Gespräch wird schnell klar, dass Meister und Geselle einen richtig guten Draht zueinander haben, Foerster schwärmt in höchsten Tönen von Stenner. „Ich hab‘ ihn machen lassen, weil ich der Meinung bin, dass man junge Leute machen lassen muss. Sonst werden sie anstrengend“, sagt der 60-Jährige und lacht wieder.

Zum Machen lassen gehört natürlich Vertrauen. Und das hat Levin Stenner. Mit seinen Leistungen, seinen Ideen, Zuverlässigkeit und Genauigkeit hat er nicht nur seinen Chef überzeugt. Nach dem Sieg auf Kammerbezirk-Ebene – den packte der Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik ohne elektrischen Widerstand – ging es unter Spannung weiter. Mit mindestens 230 Volt ging es über die Landes- bis zur Bundesebene und dort zum Finale nach Oldenburg. Bei dem zweitägigen Leistungswettbewerb im Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik wurden sieben Fachbereiche geprüft.

Den verdienten Lohn erhielten die 53 Teilnehmer beim anschließenden Galaabend in der Weser-Ems-Halle: Dort wurden alle Mitstreiter gebührend gefeiert und die sieben Sieger gekürt. Das beste Gesamtergebnis erzielte Levin Stenner. Der Schirmherr der Veranstaltung, Holger Spelsberg (Mitglied der Geschäftsführung der Günther Spelsberg GmbH + Co. KG), überreichte ihm als Preis ein iPad. Wie alle Sieger in den sieben Ausbildungsberufen durfte er sich zudem über einen ebenfalls von Spelsberg gesponserten Bluetooth-Lautsprecher sowie über die vom ZVEH ausgelobte Prämie von 1.000 Euro freuen.

Mit seiner Punktzahl qualifizierte sich der Geilenkirchener auch für die EuroSkills im September in Budapest. Bei der Berufe-Europameisterschaft wird er somit die deutschen elektro- und informationstechnischen Handwerke vertreten.

ZVEH-Präsident Lothar Hellmann hob den Anteil der Ausbildungsbetriebe an den Leistungen bei den Deutschen Meisterschaften der E-Handwerke hervor: „Nur Ihrem fachlichen und menschlichen Können bei der Ausbildung unseres Branchennachwuchses ist es zu verdanken, dass hier in Oldenburg alljährlich die besten Gesellen eines jeden Bundeslandes zum Wettstreit antreten können, um die Sieger in den verschiedenen Kategorien zu ermitteln.“

Noch eine ganz offizielle Ehrung gab es für Levin Stenner schließlich in Berlin. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks zeichnete am Jahresende seine Azubi-Elite in feierlichem Rahmen aus.
Ausruhen gibt’s bei Levin Stenner nicht. Dafür steht er einfach zu sehr unter Strom. Kaum hatte er im vergangenen Sommer an einem Freitag die Gesellenprüfung abgelegt, ging es am Montag schon zur Meisterschule. Und zwar in Vollzeit, in der BGE Aachen, einem Bildungszentrum der Handwerkskammer Aachen. „Im Sommer habe ich den Meister in der Tasche, wenn alles klappt“, sagt Stenner. Davon ist auszugehen. Alleine schon Stenners „Gesellenstück“ lässt das erahnen. Beim Neubau der g.f.e. elektroservice GmbH hat der Elektrotechniker die komplette Halle geplant und alles umgesetzt, sprich die moderne Elektronik im Haus installiert.

Viel gelernt hat der Geselle nicht nur von seinem Meister, sondern auch von Ausbildungsmeister Udo Straten, der für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung in der Ausbildungsstätte Erkelenz-Terheeg verantwortlich zeichnet. Es zeigte sich schnell, dass Levin Stenner seine Ausbildung auf drei Jahre verkürzen konnte. Nebenher bietet er einen Veranstaltungsservice an und hat dafür die Halle neben Foersters Betrieb gemietet. „Es hat sich eben gut entwickelt“, sagt der 25-Jährige und lächelt verschmitzt.

Und nach dem Meisterbrief? Dann hat er vor, noch ein weiteres Jahr die Schulbank drücken, um den Abschluss Fachplaner für Energie- und Gebäudetechnik zu absolvieren. Das ist der Karriereweg Nummer eins für alle Meister der Energie- und Gebäudetechnik, die noch weiter nach oben wollen. Denn der Fachplaner steigt direkt auf der Ebene des Planungsingenieurs im Markt ein und läuft ihm dort häufig sogar den Rang ab: Fachplaner konzipieren Einkaufszentren, Krankenhäuser und andere größere Objekte. Da hat Levin Stenner mit dem Neubau von Foersters Betrieb ja schon beste Vorarbeit geleistet…