Kein Durchkommen: Handwerkerfahrzeuge stehen wöchentlich bis zu acht Stunden im Stau. Für die Betriebe entstehen dadurch hohe Ausfälle.
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Manche Fahrt ist einfach zu teuer

Forum von Handwerk.NRW: Wer bringt wie den Verkehr zum Fließen?

Raesfeld. Für die Kommunen und für alle Verkehrsteilnehmer bleibt die Situation schwierig. Denn einerseits, nicht erst seit der Diesel-Affäre, müssen die Grenzwerte der Luftreinhaltung eingehalten werden, und andererseits eine vernünftige Infrastruktur für gewerblichen, individuellen und Öffentlichen Nahverkehr geschaffen werden. Wie kann das in Zukunft gelingen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Diskussionsteilnehmer beim Kommunalpolitischen Forum von Handwerk.NRW. Moderiert wurde die Runde vom Präsidenten der Handwerkskammer Münster, Hans Hund.

„Wir müssen an die Industrie ran“, forderte der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld und Vorsitzende des Städtetages NRW, Pit Clausen, in Bezug auf Emissionen. Denn wenn schon Fahrverbote für Diesel in Erwägung gezogen würden, dann müssten auch die durch Industrie verursachten Ausstöße schärfer reguliert werden. Darüber hinaus müsse die Absicht jedes Nutzers und Konsumenten stehen, sein eigenes Verhalten zu überdenken und zu ändern. Denn: Wir produzieren viel, wir fahren viel über Straßen und Schienen und fliegen durch die Luft – müssen wir nicht auch einen Gang zurückschalten, um unseren Lebensraum zu erhalten? Und wie kann das gelingen unter Beibehaltung einer guten Konjuktur?

In Bezug auf Fahrzeuge sieht der Diplom-Sozialwissenschaftler Oliver Wagner von der Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH die Hersteller in der Pflicht. „Da ist noch Musik drin“, sagt er und meint, dass es doch jetzt nicht darum gehe, wer den billigsten Motor baue, sondern den effizientesten. Darüber hinaus forderte er den Bund auf, umweltschädliche Subventionen abzuschaffen. So fördere die Pendlerpauschale zum Beispiel die Nutzung des eigenen Pkw in einer Gesamthöhe von 57 Milliarden Euro. Wagner wagte den Vergleich mit dem Rauchverbot: Er sieht auch bei der Mobilität das Potenzial, die Verkehrsteilnehmer zur Unterlassung und somit zur Reduzierung der Belastung zu erziehen. Das eingesparte Geld will Wagner in die Schiene, in den Straßenrückbau und in den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) investiert sehen. Zur „Verkehrswende“ gehöre außerdem die Ankurbelung des Fahrradverkehrs.

Zweifellos ist die Luft, gerade in NRW, an einigen Stellen so schlecht, weil die Autos zu lange im Stau stehen. Es gebe Handwerksbetriebe, die Aufträge gar nicht annähmen, weil die Fahrt zum Auftraggeber beziehungsweise das Stehen auf der Fahrbahn auf dem Weg dorthin zu hohe Kosten verursache, sagte Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln. Für ihn ist die Zeit des Welpenschutzes für die neue NRW-Landesregierung vorbei. Er will jetzt sehen, dass sie den Verkehr zum Fließen bringt. Das beinhalte auch die Einbeziehung der technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel moderner Verkehrsrechner.

Weltrich sieht die Wirtschaftskammern als Interessenvertreter ihrer Mitgliedsunternehmen und die Kommunen in einem Boot. Diese benötigen jedoch auch die finanzielle Ausstattung, um sauberere Antriebe in ihre Flotten übernehmen zu können. Nur mit den nötigen Mitteln können sie Vorbild für die Wirtschaft sein. Im Hinblick auf Grenzwertüberschreitungen, E-Mobilität und Verkehrsplanung werden zudem richtungsweisende Signale von bundespolitischer Seite erwartet.