Ihre Studierenden suchen „neue kreative Denkanstöße“: Dr. Petronella Prottung, Leiterin der Akademie für Handwerksdesign.
Foto: Elmar Brandt

Mit Handwerksdesign zu neuen Ufern

Dr. Petronella Prottung, Leiterin der Akademie auf Gut Rosenberg, wirbt für die Kombination von fachlichem Können und Gestaltung

Akademie für Handwerksdesign

Aachen. Über den Tellerrand schauen: Das ist es, was laut Dr. Petronella Prottung die Studierenden von Gut Rosenberg wollen, indem sie an der Akademie für Handwerksdesign lernen und Ideen entwickeln. Die 55-Jährige leitet die Institution mit Sitz in Aachen-Horbach, die sie noch bekannter machen will. „Neue kreative Denkanstöße“ suchten die rund 90 Studierenden, die aus unterschiedlichen Handwerksberufen stammen, sagt sie im Interview der „Handwerkswirtschaft“.

Was ist besonders an der Akademie für Handwerksdesign?

Prottung: Mit unserem Studiengang ‚Two in one‘ besitzen wir ein Alleinstellungsmerkmal. Nur wir bieten diese Form des Studiums in Design und Unternehmensführung an. Wir sind in dem Bereich die Nummer eins in Deutschland. Wir sind keine Kunstakademie. Bei uns geht es um das Entwerfen, die Herstellung und die Vermarktung von Gebrauchsgegenständen.

Sie haben Archäologie studiert. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen diesem Fach und Design?

Prottung: In beiden Disziplinen geht es um Kulturen, um Gebrauchsgegenstände sowie die Verbindung von praktischem und theoretischem Arbeiten. Sehr gute Materialkenntnis ist für beide Fächer grundlegend.

Die Akademie hat einen hervorragenden Ruf, die Absolventen erzielen beachtliche Ergebnisse. Dennoch rühren Sie die Werbetrommel? Warum?

Prottung: Aus unternehmerischer Sicht ist es immer wichtig, Werbung und Marketing zu betreiben. Außerdem wollen wir auf die Durchlässigkeit in der beruflichen Bildung hinweisen und aufzeigen, welche Möglichkeiten sich für Handwerker mit Meisterbrief und Designabschluss ergeben. Neu bieten wir einen Teilzeit-Studiengang zum „Gestalter im Handwerk“ an, um betriebsorientiert weiterzubilden.

Was steht längerfristig auf Ihrer Agenda?

Prottung: Wir möchten verdeutlichen, dass die Kombination von handwerklichem Können und Gestaltung auf höchstem Niveau sehr gute Perspektiven eröffnet. Des Weiteren spielt Digitalisierung eine große Rolle. Unsere kompetenten Dozenten unterrichten im Bereich Gestaltung mit 3D-Druckern und moderner Software und geben ihre Erfahrungen an die Studierenden weiter.

Wie ist die Vernetzung zu anderen Einrichtungen ähnlicher Art auf nationaler und internationaler Ebene?

Protttung: Wir stehen in engem Austausch und kommunizieren in der Arbeitsgemeinschaft der Handwerksakademien sowie mit Hochschulen. Darüber hinaus pflegen wir internationale Kontakte, vor allem mit den Compagnons du Devoir in Frankreich. In Lappland sind wir schon seit Jahren für den Ausbau des Iglootels verantwortlich und wir haben in Kooperation mit den Grünhelmen Projekte für die Unterstützung in Krisenländern angestoßen. Eine weitere intensive Zusammenarbeit besteht mit der Hochschule für Gestaltung in Basel, an der unsere Absolventen nach ihrem Studium bei uns noch den Masterabschluss erwerben können. Darüber hinaus arbeiten wir mit Unternehmen, Museen und anderen Institutionen in spannenden regionalen Projekten zusammen, auch gewerkübergreifend.“

Dr. Petronella Prottung wurde 1961 in Kaiserslautern geboren, studierte Kunstgeschichte und Archäologie und war in verschiedenen Städten an Hochschulen und Berufsfachschulen tätig. Vor ihrem Wechsel nach Aachen-Horbach im Juli 2015 leitete sie die Akademie Faber Castell in Nürnberg/Stein. In ihrer Freizeit beschäftigt sich die Mutter von drei erwachsenen Kindern „mit allem, was mit Kunst und Kultur zu tun hat“. Ihr Leitsatz: „Man muss für die Dinge brennen, die man tut."