Ganz genau messen und sorgfältig prüfen: die Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Nebenjob bereichert persönlich

Ehrenamtliche Mitarbeit in Prüfungsausschüssen: Nachfolger werden gesucht

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Simmerath. Sie haben alle ihren Job: Der eine führt als Oberstudiendirektor ein Berufskolleg, der andere als Meister ein eigenes Unternehmen, und ein Dritter ist Tag für Tag als Meister eine wichtige Fachkraft für seinen Betrieb. An diesem Tag erfüllen sie im Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen eine andere, enorm wichtige Aufgabe: In Halle 31 beobachten sie als ehrenamtliche Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses die Leistungen der Straßenbauer und bewerten diese.

Mehrmals im Jahr trifft sich der Ausschuss, dem offiziell elf Mitglieder angehören. Dann werden anstehende Prüfungen und die jeweiligen Anforderungen besprochen. Darüber hinaus sind Termine zu klären, die Besetzung des Ausschusses an den einzelnen Prüfungstagen und schriftliche und praktische Prüfungsaufgaben zu entwickeln beziehungsweise zu bewerten. In einem Meisterprüfungsausschuss müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen. Ergänzt werden sie durch Lehrkräfte der Berufsschulen und Mitarbeiter der Handwerkskammer.

Voller Verantwortung
Ohne Ehrenamt wäre das Prüfungswesen des Handwerks nicht denkbar. Deswegen vergibt die Kammer als Anerkennung jährlich am Tag des Ehrenamtes Verdienstnadeln für langjährige freiwillige Mitarbeit. Diese Tätigkeit ist nicht nur freiwillig, sie ist auch äußerst verantwortungsvoll. Das ist bei der Prüfung der Straßenbauer im BGZ schnell festzustellen.

Da ist zum Beispiel Rainer Braun, Straßenbauermeister mit eigenem Betrieb aus Mechernich. Im Zusammenspiel mit Straßenbauermeister Hans Heinen, dem Ausbildungsmeister der Kammer, Thomas Gehring, sowie Rolf-Dieter Crott und Christoph Wilms vom Berufskolleg des Kreises Heinsberg, ermitteln sie die Ergebnisse der Prüflinge. Sie müssen ganz genau messen und hinschauen – Sorgfalt und Konzentration sind gefragt.

Die Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses sind aber nicht nur bei den praktischen Tests gefragt, sondern auch in Fachgesprächen. Hier gilt es, genau zuzuhören und zu dokumentieren, um nachher zu einer gemeinsamen Bewertung zu kommen, die letztlich gerichtsverwertbar sein muss.

„In so einem Meisterprüfungsausschuss müssen alle Räder ineinander greifen“, sagt Oberstudiendirektor Rolf-Dieter Crott, Leiter des Berufskollegs des Kreises Heinsberg und Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses für das Straßenbauerhandwerk. Die Mitglieder müssten teamfähig, zuverlässig und kommunikationsfreudig sein: „Die Chemie muss stimmen.“ Crott weiß, dass es nicht einfach ist, neue Ehrenamtler für die Prüfungsausschüsse zu finden, aber er sagt auch, dass die Tätigkeit eine Bereicherung für jeden Einzelnen sei.

Qualität sichern
Das kann Rainer Braun bestätigen. Durch die Mitarbeit im Meisterprüfungsausschuss sichert er letzten Endes die Qualität des Meisterberufes Straßenbauer mit. Denn wer den Meisterbrief erhält, muss im Vorfeld Können und Wissen bewiesen haben. Deshalb ist es für viele Betriebsinhaber im Handwerk eine Angelegenheit der Ehre, freiwillig mitzuhelfen, sowohl in Gesellenprüfungs-, als auch in Meisterprüfungsausschüssen. Ebenso wollen angestellte Meister wie Hans Heinen, wie Braun Beisitzer im Ausschuss, etwas zurückgeben von dem, was sie selber einst geschenkt bekamen. Heinen hat vor vielen Jahren die Meisterschule besucht und ist seinen Ausbildern und Prüfern immer noch sehr dankbar. Deshalb engagiert er sich jetzt für die junge Generation, damit sie ihren Weg im Handwerk gehen kann.

Die ehrenamtliche Arbeit ist ein besonderes Qualitätsmerkmal des Handwerks, das jedoch nur dann erhalten bleibt, wenn sich neue Ehrenamtler für die Ausschussarbeit finden. Richard Graf, stellvertretender Dezernent für Berufsbildung bei der Handwerkskammer und zuständig für das Prüfungswesen: „Prüfer zu sein ist eine spannende Sache. Es muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass ehrenamtliche Prüfertätigkeit zeitaufwändig ist. Die Handwerkskammer Aachen setzt jedoch darauf, dass es in der gewerblichen Wirtschaft viele Experten gibt, die gesellschaftliche Verantwortung zeigen und somit dazu beitragen, dass die Qualität der eigenen Ausbildung sichergestellt wird.“

Info: Auskunft zu Prüfungsausschüssen und ehrenamtlicher Mitarbeit gibt bei der Handwerkskammer Aachen Richard Graf, Tel.: +49 241 471-151,  richard.graf(@)hwk-aachen.de.  „Die Handwerkskammer Aachen setzt darauf, dass es in der gewerblichen Wirtschaft viele Experten gibt, die gesellschaftliche Verantwortung zeigen und somit dazu beitragen, dass die Qualität der eigenen Ausbildung sichergestellt wird,"  Richard Graf, zuständig für das HWK-Prüfungswesen.