Lebende Werkstätten erlebten die Besucher im Rahmen der Sonderschau Exempla. Auch bei der kommenden Handwerksmesse wird es die Sonderschau geben.
„Handwerk und das kulturelle Erbe“, lautet das Thema, zu dem sich auch die Aachener Dombauhütte in München präsentieren wird. Foto: GHM

Neue Unternehmenskultur, smarter Kundenservice

Auf der IHM stehen Kunden, Lösungen und Arbeitswelten im Fokus – Interview mit ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer

Ausstellung

Berlin/München. Neue Wünsche, Ansprüche und neue Möglichkeiten. Mit ihrem Motto „Handwerk: Die nächste Generation. Wir zeigen, was kommt.“ richtet die Internationale Handwerksmesse, die vom 7. bis 13. März auf dem Messegelände München stattfindet, ihren Blick in die Zukunft. Im Fokus stehen die Bereiche Kunden, Lösungen und Arbeitswelten. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, erklärt im Interview, was die nächste Generation Handwerk ausmacht.

Herr Wollseifer, das Motto der Internationalen Handwerksmesse 2018 lautet: „Handwerk: Die nächste Generation. Wir zeigen, was kommt.“ Woran erkenne ich die neue Generation?

Wollseifer: An der neuen Art zu denken, zu produzieren und zu handeln, denn auch im Handwerk wird es in der Zukunft genau darum gehen. Nicht zuletzt die Digitalisierung macht es nötig, dass die Handwerker der nächsten Generation die digitalen und technischen Veränderungen beherzigen und sich diese zu eigen machen, damit sie Erfolg haben. Das Motto steht für dieses moderne Denken und für ein neues Verständnis, das im Handwerk mit Blick auf die Beziehung zum Kunden, auf Lösungen und auf die Unternehmensführung in den Handwerksbetrieben Einzug hält. Es geht um eine neue Unternehmenskultur mit smarten Kundenservices, modernsten Produktionstechniken und dem selbstverständlichen Einsatz digitaler Werkzeuge, mit vernetztem Arbeiten auch über Branchengrenzen hinweg. Es geht um eine Unternehmenskultur, die sich durch mehr Flexibilität, selbstverantwortliche Mitarbeiter und – natürlich – Frauen in Führungspositionen auszeichnet.

Wie wird das Thema auf der Internationalen Handwerksmesse aufgegriffen?

Wollseifer: Besucher sehen Best-Practice-Beispiele, es gibt Vorträge und die Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit Kollegen sowie individuelle Beratungsangebote. Fachbesucher sollten die Messe also keinesfalls verpassen, aber auch für das breite Publikum gibt es viel zu entdecken über das künftige Handwerk.  

Die nächste Generation ist aufgeteilt in drei Säulen: Kunden, Lösungen und Arbeitswelten. Was bedeutet die nächste Generation im Hinblick auf Kunden?

Wollseifer: Der Kunde hat Ansprüche. Er möchte vieles online und digital erledigen, mitbestimmen, mitgestalten. Moderne Handwerksbetriebe bieten ihm diese Möglichkeiten – sei es bei Terminvereinbarungen, bei Benachrichtigungen, dass der Handwerker auf dem Weg ist, sei es bei der Produktplanung und -fertigung oder durch Einblicke  in die Werkstatt und den Entstehungsprozess.  

Wie sieht es mit dem Bereich Lösungen aus?

Wollseifer: Ein großes Stichwort ist hier die Digitalisierung. Vom 3D-Druck bis BIM – das Handwerk und seine Betriebe profitieren von den vielen neuen Möglichkeiten und punkten damit auch bei den Kunden. Schon jetzt nutzen viele Betriebe die digitalen Chancen, um sich neue Märkte zu erschließen – wie etwa ein Bäcker aus meinem Handwerkskammerbezirk, der auf diese Weise Backwaren bis nach Neuseeland vertreibt. Es gibt unglaublich tolle Betriebe, die bereits die gesamte Bandbreite digitaler Hard- und Software nutzen. Auf der Internationalen Handwerksmesse präsentieren sie sich als Best-Practice-Beispiele. Von denen kann jeder Betrieb, jeder Mitarbeiter profitieren. Bei aller Digitalisierung bleibt aber die Basis allen Erfolges immer die herausragende handwerkliche Qualität. Und genau hierfür steht die Internationale Handwerksmesse.

Wie sieht es mit dem Bereich Arbeitswelten aus?

Wollseifer: Vom Wandel geprägt ist auch das Arbeitsumfeld in den Betrieben. Die Mitarbeiter wollen mitbestimmen, sich selbst verwirklichen. Genau das können sie im Handwerk, denn hier können sie etwas erschaffen. Statt streng hierarchischer Strukturen mit einem tonangebenden Meister wird auch im Handwerk zunehmend auf Teamwork und Eigeninitiative und Eigenengagement der Mitarbeiter gesetzt. Längst ist das Handwerk keine reine Männerdomäne mehr, schon fast ein Viertel aller Meister sind Frauen. Auf der Internationalen Handwerksmesse gibt es Informationen und Tools, die  zeigen, wie sich die Betriebe auf diese Veränderungen der „Arbeitswelt Betrieb“ einstellen können.  

Die Internationale Handwerksmesse als Ort für den Fachbesucher. Sie hat aber immer auch eine politische und gesellschaftliche Bedeutung. Welche Rolle spielen dabei die Veranstaltungen des ZDH auf der Internationalen Handwerksmesse?

Wollseifer: Die ZDH-Veranstaltungen spiegeln immer auch die Themen wider, die uns im Handwerk gerade auf den Nägeln brennen, und die wir in den Fokus rücken wollen. 2018 etwa wird es eine Veranstaltung zum Handwerk im ländlichen Raum geben. Handwerkliche Betriebe prägen in großer Vielfalt die Wirtschaft des ländlichen Raums und sichern maßgeblich die Versorgungsstrukturen und das gesellschaftliche Leben in Dörfern und Kleinstädten. Damit unsere Handwerksbetriebe aber auch künftig erfolgreich im ländlichen Raum tätig sein können, brauchen sie Glasfaser bis in den kleinsten Ort hinein. Das ist unverzichtbar. Es kann nicht sein, dass Handwerker zwar Bauten visualisieren können, aber dann mit ihrem Datenstick erst in die Stadt fahren müssen, um das Ergebnis per Email an ihre Kunden senden zu können. Wenn die Betriebe auf dem Land ohne Anschluss bleiben, dann sind sie morgen nicht mehr existent. Ohne Betriebe gibt es keine Jobs für junge Leute. Sind die Handwerker aber erst einmal weg, dann fehlen nicht nur ihre Geschäfte, sondern auch ihr gesellschaftliches Engagement etwa in den Vereinen und der örtlichen Selbstverwaltung. In der Folge verkümmern und veröden die Orte. Daran hat wohl niemand ein Interesse. Es geht darum, dass auch die nächste Generation im ländlichen Raum Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfindet, die ihr dort ein Auskommen ermöglichen.    

Die nächste Generation im Handwerk wird also dringend gebraucht…

Wollseifer: Das stimmt, das Handwerk braucht Nachwuchs. Und jedem jungen Menschen, der sich gerade Gedanken über seinen künftigen Berufsweg macht, kann ich aus voller Überzeugung sagen: Das Handwerk ist ein interessanter und spannender Arbeitgeber und bietet vielfältige und ganz unterschiedliche Möglichkeiten zur beruflichen Erfüllung. Auch das wird auf der Messe zu sehen sein, denn die Internationale Handwerksmesse hat einen interaktiven Charakter und ist die Leitmesse im Handwerk. Die IHM zeigt die kreativsten Innovationen und die besten Betriebe, die das Handwerk zu bieten hat. Die Gewerke begeistern auf der YoungGeneration  jedes Jahr aufs Neue Tausende von Jugendlichen. Dass das Motto darüber hinaus aber noch viel mehr bedeutet, genau das können die Besucher auf der Internationalen Handwerksmesse erleben.

Aachener Dombauhütte in München

In den letzten 31 Jahren kümmerten sich viele fleißige Hände  um die Grundinstandsetzung des Aachener Domes außen und innen, zuletzt wurde das Bleidach auf dem Sechzehneck saniert. Dieses Jahr wird groß gefeiert, Anlass sind 40 Jahre Weltkulturerbe. Grund genug für die Handwerksmesse-Veranstalter aus München, auf die Aachener zuzugehen. Die Dombauhütte, hier laufen die organisatorischen Fäden für alle Arbeiten im und am Dom zusammen, wird also an allen Messetagen auf der IHM vertreten sein. Dombaumeister Helmut Maintz und Bauzeichnerin Angela Schiffer informieren bei der Sonderschau Exempla, die das Thema „Handwerk und das kulturelle Erbe“ trägt, Aussteller und Besucher über die Aktivitäten der Dombauhütte.

Mit dabei sind die Handwerker Steinmetz und Steinbildhauerei Schwartzenberg, Aachen, Krings Bedachungen, Baesweiler, Glasmalerei Dr. Heinrich Oidtmann GmbH, Linnich, sowie Hein Derix Werkstätten für Glasmalerei und Mosaik, Kevelaer. Mit von der Partie sind auch Vertreter der RWTH Aachen und wahrscheinlich der FH Aachen. „So können wir umfassend über alte Tradition und moderne Technik informieren“, sagt Helmut Maintz.  www.dombauhuette-aachen.de