Fotos auf der Baustelle und Probenentnahme: Danach beurteilt Sachverständiger Reinhold Sänger das Bruchverhalten der Rohr-/Muffenverbindungen
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Nicht ganz dicht? Reinhold Sänger ist dem Gasleck auf der Spur

Fehlschweißungen sorgen für Unruhe im Ruhrpott – Muffen und Rohre werden getestet

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Herzogenrath. Heute fliegt Reinhold Sänger nicht in den französischen Alpen und genießt die atemberaubende Aussicht aus seinem Segelflugzeug. Er steht mitten im Ruhrpott und schaut in eine dreckige Grube. Heute ist er weder als Fluglehrer noch als Trainer der Junioren-Nationalmannschaft in luftiger Höhe unterwegs. Er besichtigt zwei Baustellen im Auftrag einer Firma für Rohrleitungs- und Tiefbau.

Sie hat Gas- und Wasserleitungen verlegt. Anscheinend hat es Probleme beim Schweißen gegeben, denn die Leitungen sind stellenweise undicht. Sehr zum Ärger des Versorgungsunternehmens, das den Tiefbauer mit dem Verlegen der Rohre beauftragt hat. Reinhold Sänger muss nun herausfinden, warum es zu den Fehlschweißungen gekommen ist. Er ist selbstständig als Sachverständiger für Kunststoffverarbeitung, hat über 30 Jahre im Dienste der Handwerkskammer Aachen gearbeitet. Der 69-Jährige ist darüber hinaus Ausbilder und Prüfer für Kunststofffügetechnik (siehe Info). 2009 hat er bei der Kammer aufgehört, springt aber in Vertretungsfällen als Ausbilder ein.

Jetzt ist Reinhold Sänger als Sachverständiger gefragt. Gemeinsam mit Vertretern des Versorgungswerkes, des Formteilherstellers sowie des Tiefbauers geht es zunächst an die Problemfeststellung. Der Herzogenrather stellt Fragen, guckt sich die fehlerhafte Proben an. Die Verantwortlichen wissen nicht, was Sache ist, mehrere Muffen sind stellenweise nicht in Ordnung. Der Schweißer, er hat 25 Jahre Berufserfahrung, kann es sich nicht erklären, ist fertig mit den Nerven.

Der Sachverständige ist konzentriert, strahlt Ruhe aus. Ruhe bewahren, darin ist Reinhold Sänger Experte. Das ist wichtig beim Fliegen, denn wenn der Lehrer gestresst ist, überträgt sich das auf den Schüler. Das kann fatale Folgen haben.

Auf den Baustellen werden weitere Proben entnommen. Mit diesen fährt die Gruppe zum Rohrleitungsbauer. Sänger unterzieht die Rohrstücke einer zerstörenden Prüfung. Dafür sind aus der Rohr-/Muffenverbindung zwei Streifenproben entnommen worden. Sänger beurteilt mit dem sogenannten Torsionsscherversuch (TSV) das Bruchverhalten in der Fügefläche. Beim Brechen muss sie duktil, also rau sein. Ist sie spröde oder glatt, kann es zu Bindefehlern und in der Folge auch zu Fehlschweißungen kommen.

Der Teufel steckt wie so oft im Detail, der TSV und auch der anschließende Ellipsentest bringen keine neuen Erkenntnisse. Ein Zweittermin ist nötig, um am Ende ein Gutachten zu erstellen. Der Sachverständige nimmt weitere Proben mit, um sie einem Härtetest im Bildungszentrum BGE der Handwerkskammer Aachen zu unterziehen.