Treppenhaus der Handwerkskammer Aachen: Die Glasmalerin Maria Kratzgrau hat das Glasfenster entworfen.
Ausgeführt wurde der Auftrag Anfang der 1980er Jahre von der Glasmalerei Dr. Heinrich Oidtmann. © Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

„Sie war eine der ersten Frauen in ihrem Handwerk“

Werke der Glasmalerin Maria Katzgrau werden in Stolberg gezeigt

Ausstellung News

Von Christoph Hahn

Stolberg. Die Freunde ihrer Kunst haben sie auch 20 Jahre nach ihrem Tod noch nicht vergessen: Wenn es um Glas- und andere Malerei aus und in der Region geht, gilt Maria Katzgrau noch immer als eine große „Hausnummer“ – und das nicht nur für eine eingeschworene Clique von Kennern.

So nimmt es denn kaum Wunder, dass ihr die aktuelle, die zehnte Ausstellung der Reihe „In Memoriam“ in der Direktorenvilla auf dem Gelände des Museums Zinkhütter Hof gewidmet ist. Bei der Eröffnung der Schau, die noch bis zum 6. Mai zu sehen ist, bekundeten viele Freunde von Katzgraus Kunst ihre Wertschätzung durch ihre Anwesenheit.

Karl-Heinz Oedekoven, der die Präsentation zusammen mit dem Aachener Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke organisiert hatte, ordnete als erster Redner das Schaffen der Künstlerin in den Kontext der anderen „In Memoriam“-Ausstellungen ein. So sei die lebenslange Aachenerin an der Werkkunstschule ihrer Heimatstadt Schülerin von Anton Wendling gewesen, der in der Reihe bereits gewürdigt worden ist. Oedekovens besonderer Dank galt dem Hausherrn, Museumsleiter Sebastian Wenzler, und seinem Team, die den Aufbau der Exponate äußerst hilfreich begleitet hätten.

Stolbergs stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen lenkte die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer auf eine weitere Facette von Katzgraus Schaffen und Persönlichkeit: „Sie war eine der ersten Frauen in ihrem Handwerk.“ Wer außerhalb der Ausstellung ein Werk der Glasmalerin sehen wolle, habe es in Stolberg nicht weit: Auch in St. Lucia an der Burg habe sie Spuren hinterlassen.

Aus tief reichender Kenntnis des gesamten Schaffens schöpfte Dr. Dirk Tölke in seinem Vortrag: Der Dozent an der Akademie für Handwerksdesign der Handwerkskammer Aachen hat im Linnicher Glasmalerei-Museum die nachgelassenen Werke geordnet und erforscht. „Still und ohne Führerschein“ habe sich das Leben der Tochter eines Schulleiters vollzogen. Erfolg und Einnahmen seien der Meisterin ihres Fachs nie sehr wichtig gewesen: „Um die Vermarktung ihrer Kunst hat sie sich nie gekümmert.“ Weit bedeutsamer seien ihr der Glaube und dessen Erneuerung im Geist der Liturgischen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche gewesen.

Info: Zum 20. Todestag der erfolgreichen Glasmalerin zeichnet die Ausstellung im Stolberger Museum Zinkhütter Hof das Bild einer enorm vielfältigen freischaffenden Künstlerin: Bauhaus-Zeichnungen, grafische Werke mit klaren geometrischen Formen, figürliche wie abstrahierte oder auch tektonische Malerei sind ebenso zu sehen wie Assemblagen und Entwürfe von Kirchenfenstern. Die Ausstellung ist bis 6. Mai immer sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.