Unternehmens-Coach Andreas Merfels stellt das Rüstzeug für einen rhetorisch überzeugenden Auftritt vor Gericht am 19. Sachverständigentag in der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg vor.

Souverän bei Provokationen kontern

19. Sachverständigentag widmet sich dem professionellen Auftritt vor Gericht

Betriebsführung Sachverständigenwesen

Von Georg Stoffels

Aachen. Einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen kann fachlich so schnell keiner was vormachen. Das wissen auch die Richter, die zur rechtlichen Entscheidung kniffliger Sachverhalte regelmäßig Sachverständige hinzuziehen. Dabei ist es nicht allein damit getan, dem Gericht ein fundiertes Gutachten vorzulegen. Mindestens genauso wichtig ist es, als Sachverständiger souverän vor Gericht aufzutreten und sich nicht durch mitunter provokante Fragen der Rechtsanwälte oder des Gerichts aus dem Konzept bringen zu lassen.

Der 19. Sachverständigentag der Handwerkskammer Aachen widmete sich daher dem Rüstzeug für einen rhetorisch überzeugenden Auftritt vor Gericht. Peter Deckers, Hauptgeschäftsgeführter der Kammer, konnte mit Unternehmens-Coach Andreas Merfels einen ausgewiesenen Rhetorikprofi begrüßen. Der erfahrene Kommunikationstrainer gibt zu diesem Thema seit über 25 Jahren Seminare in der Akademie Schloss Raesfeld, der „Kaderschmiede“ für handwerkliche Sachverständige.

Und Merfels brachte es sogleich auf den Punkt: „Im Gerichtstermin treffen zwei Welten aufeinander – der fachlich überlegene Sachverständige und der rhetorisch geschulte Jurist“. In der Gerichtsverhandlung spielten eben nicht nur Sachargumente eine Rolle, sondern auch die Art und Weise, wie etwas gesagt werde, welche Körperhaltung man einnehme oder welche Mimik man aufsetze. Dabei könne sich häufig derjenige besser verkaufen, der die Spielregeln der Rhetorik und nonverbalen Kommunikation besser beherrsche, auch wenn er sachlich weniger Ahnung habe. Ob man einem Rechtsanwalt, der einem das Gutachten madig machen möchte, souverän entgegne: „Das ist aber nicht ganz richtig“ oder ihm ein brüskes: „Das ist falsch“ vorhalte, sei halt ein feiner Unterschied, mit dem man einen Disput im Gerichtssaal geschickt abwehren könne, so Merfels. Auch, ob man seinen Worten mit offenen Armen und Händen zusätzlich Ausdruck verleihe oder diese unsicher hinter dem Rücken verschränke, beeinflusse die Wirkung der Worte.

Für die gerichtlich bestellten Sachverständigen waren die zahlreichen Tricks und Tipps des Kommunikationsprofis besonders wertvoll: Wenn sich der Sachverständige nämlich im Prozess zu unüberlegten Gefühlsausbrüchen hinreißen lässt – und darauf legen es Anwälte nicht selten an – droht schnell der Ausschluss wegen Befangenheit. Andreas Merfels appellierte daher an alle: „Achten Sie auf Ihre Körpersprache und die Wahl der richtigen Worte – denn es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“.

Karl Fährmann, Leiter des Bereichs Sachverständigenwesen der Handwerkskammer, rundete die Tagung in der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg der Handwerkskammer Aachen mit einem kurzen Bericht über die neue Sachverständigendatenbank im Internet und die im nächsten Jahr anstehende bundesweite Umfrage zur Sachverständigenvergütung ab.
Auch der wichtige  Erfahrungsaustausch der Sachverständigen untereinander beim abschließenden Imbiss kam wieder nicht zu kurz.