Leckeres vom guten Handwerk: Ob Konditoren, Bäcker, Fleischer oder Brauer – Ihre Qualität ist unumstritten. Ihre Nachteile gegenüber industriellen Produzenten sind es auch.
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Ungleiche Konkurrenz: Das Handwerk trägt die Last

Lebensmittelbetriebe fühlen sich gegenüber Industrie benachteiligt, aber: „Essen rockt!“

News BGZ Simmerath

München. Es ist doch immer das Gleiche: Die Industrie wird subventioniert und für den internationalen Markt fit gemacht, das Handwerk dagegen trägt die Last. Die Meinung, die Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischerverbands, hat, teilen viele. Dohrmann macht seine Aussage zum Beispiel an den Schlachtbedingungen fest.

Die Gebühren für ein Handwerksunternehmen liegen hier deutlich höher als für die Industrie. Wie sollen die Betriebe das auffangen? Ausschließlich vegetarisches Catering kann es doch nicht sein. Die Kunden mögen schließlich wieder gutes, hochwertiges Fleisch.

„Essen ist wieder in“, sagt dazu passend Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Er formuliert es sogar noch wilder: „Essen rockt.“ Stimmt. Im Fernsehen kommt man an Kochshows ja quasi gar nicht mehr vorbei, in den Sozialen Medien und über Nachrichtendienste verschicken Menschen immer wieder Fotos von dem, was sie gleich verzehren werden.

Das Handwerk produziert tolle Speisen, die, so Wippler, „gut schmecken und gut riechen“. Essen ist also ein Thema, aber sind es auch die Berufe, die mit dem Lebensmittelhandwerk zu tun haben? Zum Mangel an Nachwuchskräften stellt Wippler ganz klar fest: „Wir müssen unsere Vorteile wieder mehr herausstellen.“ Anreize habe das Handwerk ja durchaus geschaffen, zum Beispiel durch kontinuierliche Erhöhung der Ausbildungsvergütung.

Die Bezahlung ist nur eine Facette, die flächendeckende Versorgung eine andere. In ländlichen Räumen wird es nämlich immer schwieriger, einen Lebensmittelbetrieb am Laufen zu halten. Es gibt dort weniger und schlechter getakteten Öffentlichen Personennahverkehr als in Städten. In vielen Gebieten gibt es keine ausreichende Breitbandversorgung, das soziale Leben geht immer mehr zurück. Der Appell an die Politik von Seiten des Lebensmittelhandwerks heißt deshalb ganz klar: „Vergesst die ländlichen Räume nicht.“

Ein weiteres Hindernis für kleinere Betriebe beschreibt Detlef Projahn, Präsident Private Brauereien in Deutschland. Er sieht den Trend zur Dosenabfüllung und zum Einweg sehr kritisch. Für die Brauereien sei das ein großer Nachteil. Sie könnten gar nicht in Dosen abfüllen. In größeren Geschäften sei es für Verbraucher zudem immer schwieriger, zu erkennen, ob es sich bei den Produkten um Mehrweg oder Einweg handele. Häufig bestehe die Kennzeichnungspflicht nur an Regalen. Projahn fordert, dass sie am Produkt erfolgt.

Ein sehr großes Problem für die Brauereien sei auch die Tatsache, dass Leergut unsortiert zurückkäme und die Unternehmen Flaschen aussortieren müssten, die sie überhaupt nicht selber wiederverwenden könnten. Dadurch entstehe ein großer wirtschaftlicher Schaden.