Sorgen mit meisterlichem und gestalterischem Können für individuelle Erscheinung: Julia Pauly und Björn Becker.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Visionen brauchen Zeit und Geduld

Julia Pauly verwirklicht Ziele im Verbund

Aachen. Im Atelier von Julia Pauly und Björn Becker geht es bunt zu. Nicht nur wegen der Kleider und Kopfbedeckungen in kreativ zusammengestellten Farben, sondern auch wegen des fachlichen und handwerklichen Austauschs zwischen den beiden. Julia Pauly ist Modistenmeisterin und Meisterdesignerin, Björn Becker Schneidermeister und Diplom-Designingenieur. Ihr gemeinsames Geschäft heißt „Handmade in Aachen“ – genau dieses Qualitätsmerkmal wissen ihre Kunden zu schätzen.

Der Fall ist nicht selten: Eine Frau kommt herein. Sie sucht eine auffällige, ausgefallene oder eben „nur“ eine schicke Garderobe für ein bestimmtes Ereignis. Gerne mit Hut, Mütze oder Kappe. Für das gesamte Erscheinungsbild sind dann beide Designer gefragt. Der Entwicklungsprozess profitiert von den Ideen, dem Können und den Erfahrungen beider Meister.

Julia Pauly kennt sich mit Kunden, die das Besondere suchen, aus. In diesem Jahr war sie erneut mit einem Stand im CHIO-Ladendorf vertreten und stellte da ihre Arbeit vor. Viele Besucher des Reitturniers ließen sich von ihr beraten, nahmen Visitenkarten mit. Und es sind nicht nur die Damen, die sich für ihre Arbeit interessieren. Die männliche Nachfrage wächst. „Für mich ist ganz wichtig, dass ich mich mit meinen Kunden persönlich auseinandersetze“, sagt Julia Pauly. Je besser sie jemanden kennt, desto authentischer kann sie seinen Stil treffen. Deshalb erfordert die Zusammenarbeit Zeit und Geduld, es braucht Raum zum Ausprobieren. „Irgendwann kommt dann der Aha-Moment, und dann passt es einfach“, sagt Pauly, die sich freut, dass schon beim legendären Pferderennen im englischen Ascot Hüte von ihr getragen wurden.

Manchmal geht es schneller, zum Beispiel, wenn ein Kunde etwas Verrücktes haben möchte oder etwas sehr Ausgefallenes gesehen hat und es genau so wünscht. Da ist zumindest die Richtung klar. Um sich hier in die Vorstellungen der Kunden reindenken zu können, muss Julia Pauly ständig über die neusten Trends informiert sein. Das „Mitmischen“ in den Sozialen Medien wie Instagram und Facebook ist Pflicht, denn hier werden Looks und Ideen präsentiert und ausgetauscht.

Vision umgesetzt
Julia Pauly sucht immer wieder neue Herausforderungen. Im letzten Jahr hat sich diese Eigenschaft besonders ausgezahlt. Beim Visionplus-Unternehmerinnenpreis der Gründerregion Aachen belegte sie den dritten Platz. Ihre Vision, ein Ladenlokal in Kooperation mit anderen Betrieben zu eröffnen, mit offenen Werkstätten und Raum für weitere Gewerke, kam bei der Jury sehr gut an. Julia Pauly hat damit ihren Plan umgesetzt. Da sie perfektionistisch veranlagt sei, müsse sie auf ihrem Weg Zähigkeit beweisen, sagt sie über sich. Andererseits sind es die hohen eigenen Ziele, die sie immer wieder kreativ werden lassen. Und wie man gestalterische Ideen ins Handwerk umsetzt, hat sie während ihres Studiums zur Meisterdesignerin an der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg zwischen 2005 und 2008 intensiv gelernt.

Die schönen Produkte mit einem spannenden Ereignis verbinden, das soll eine Route zum Erfolg sein. So will sie mit Björn Becker ihr gemeinsames Atelier mit Leben und Kultur füllen. Am Sonntag, 5. November, gibt es die nächste Auflage einer Modenschau, bei der ab 15 Uhr handwerklich gefertigte Kleidung und Kopfbedeckungen von Models gezeigt werden. Das Publikum dürfte bunt gemischt sein. Für das richtige Aussehen wird neben den Handwerksmeistern eine Kosmetikerin sorgen. Eine Goldschmiedin und Fotografen stellen bei der Modenschau ebenfalls aus.

Im gemeinsamen Auftreten haben Pauly und Becker schon Erfahrung. Auf verschiedenen Lifestyle-Messen bei anderen regionalen Unternehmen präsentierten sie sich zusammen. Die Resonanz war gut, der Aufwand hat sich gelohnt. Als „Events“ für das eigene Haus sind noch Lesungen und Konzerte geplant.

Somit wird es bei „Handmade in Aachen“ nicht langweilig oder gar eintönig werden. Das gemeinsame Arbeiten und Gestalten wird sicher noch viele bunte Ideen hervorzaubern.

Info: Weitere Infos im Netz unter www.diehutmacherin-ac.de.