Feuchtemesser und Mikroskop: Das ist neben der Digitalkamera die Ausrüstung von Stefan Schebesta. Er ist Sachverständiger für Holzbau und Holzschutz. Fotos: Stefan Schebesta/Doris Kinkel

Wenn Darth Vader im Dachbalken sein Unwesen treibt

Dann ist der Rat von Dachdecker- und Zimmerermeister Stefan Schebesta gefragt

Eschweiler. Pilze, Insekten, Schimmel – das ist die Welt von Stefan Schebesta. Zumindest beruflich gesehen. Der Zimmerer- und Dachdeckermeister ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger des Handwerks und wird meistens dann gerufen, wenn die anderen nicht mehr weiter oder mehr wissen wollen.

Wenn es zu Schäden durch Pilze und Insekten im Altbestand gekommen ist oder Objekte unter die Lupe genommen werden sollen, ist Stefan Schebestas Wissen gefragt. Und manchmal kommt es auch vor, dass der 41-Jährige auf der Holzbalkendecke eines zu begutachtenden Hauses herumspringt. „Dann gucken mich die Leute verdutzt an“, sagt Schebesta schmunzelnd. Immer mit im Gepäck hat der Vater von drei Jungs sein Mikroskop, einen Holzfeuchte-Messer und eine Digitalkamera. Dann geht er in Häuser aus der Nachkriegszeit, in Fertig- und Blockhäuser, Fachwerk- und Holzrahmenbauhäuser – immer im Kampf gegen Feuchtigkeit. Denn die bildet den Nährboden für Schädlinge.

Für Stefan Schebesta gibt es nichts Schlimmeres als eine falsche Diagnose zu stellen. Deswegen übt er seinen Beruf mit höchster Genauigkeit aus. Er zieht Rückschlüsse aus dem Bild, das sich ihm vor Ort ergibt. Wie ist der Gesamtzustand des Holzes? Aber es geht auch darum, ins Detail zu gehen, abgestorbene Käfer zu finden, um den jeweiligen Befall zu ermitteln. Liegen verendete Krabbler in unmittelbarer Nähe des Befalls, hat der Sachverständige für Holzbau und Holzschutz leichtes Spiel, dann weiß er direkt, was Sache ist beziehungsweise welche Käfer ihr Unwesen getrieben haben.

Wenn der Schädling nicht gleich auf dem Präsentierteller liegt, nimmt der Sachverständige Bohrlöcher und Hinterlassenschaften von Käfern unter die Lupe. Und dann geht es ans Eingemachte: Hat der Kot die Form einer Zitrone oder sieht er aus wie eine Bulette? Ist das Häufchen kräftig in seiner Farbe oder grau und verbleicht? „Daraus kann ich natürlich Rückschlüsse ziehen. Ich kann anhand des Kots den Schädling ermitteln und sagen, ob es ein aktiver oder alter Befall ist“, sagt der Experte.

Ist der Käfer gescheckt oder trägt er einen Helm ähnlich dem des Star-Wars-Bösewichts Darth Vader? Hausbock und Anobien, Eichenporlinge und Braunfäulepilze – diese und andere Insekten und Pilze haben keine Chance, wenn Stefan Schebesta ihnen einmal auf die Spur gekommen ist. Vorher „bleiben Holzschäden lange unerkannt“, weiß der Zimmerermeister. Er schreibt Privatgutachten ebenso wie öffentlich bestellte. „Schäden am Holz können auch mal vor Gericht gehen, das ist natürlich unschön“, sagt der Sachverständige. Beispiel: Durch einen falschen Anstrich an einem Fachwerkhaus konnte die im üblichen Umfang auftretende Feuchtigkeit nicht aus dem Haus entweichen. Perfekter Spielplatz für den Eichenporling, der Pilz konnte sich ausbreiten.

Dennoch ist der Holzbau in aller Munde. Die Zahl der Neubauvorhaben und Erweiterungen in Holzbauweise steigen stetig an. Stefan Schebesta: „Aber es gelten nun einmal andere Regeln als im Massivbau.“ Auch hier unterstützt der Sachverständige schon in einer sehr frühen Phase die Planer und Ausführenden und gibt auch den Bauherren über baubegleitende Qualitätskontrollen ständig Hinweise, um mögliche Kinderkrankheiten aus dem Haus zu halten. (foto) ds