BU: Augenoptikermeister Thomas Becker übernahm für die Ausübung seines Handwerks in Würselen-Bardenberg die Räumlichkeiten einer traditionsreichen Gastronomie samt Inventar.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Wenn der Optikermeister die Kneipe übernimmt…

…dann kommt das bei den Kunden gut an, wie bei Thomas Becker in Würselen-Bardenberg

Würselen-Bardenberg. Im Geschäft von Augenoptikermeister Thomas Becker in Würselen-Bardenberg hängt ein Glücksspielautomat neben Brillengestellen. Und auf der Kassentheke steht sogar eine Zapfanlage mit fünf Hähnen. Weder in das elektronische Spiel noch auf den Tresen werden jedoch Münzen geschmissen; die außergewöhnliche Ausstattung ist reine Dekoration und Erinnerung an Haus Mintmanns, in dem über 100 Jahre eine Kneipe Treffpunkt für die Dorfbewohner war.

Etwas Neues wagen nach 22-jähriger Selbstständigkeit, das wollte Thomas Becker. Einen anderen Standort suchte er für seinen Betrieb, mehr Platz, und irgendwann lief ihm zufällig der Eigentümer der neuen Bleibe über den Weg. Mit den Gedanken des Handwerksmeisters konfrontiert fragte der ganz unerwartet: „Warum nimmst Du nicht meine Kneipe?“

Dieser Einfall erwies sich keineswegs als Schnapsidee. Thomas Becker und seine Kinder, die ebenfalls im Betrieb arbeiten, bekamen immer mehr Lust darauf, den Laden dort neu zu eröffnen, in dem bis 2009 eine Kneipe und ganz früher das erste Knappschaftskrankenhaus untergebracht waren. Das war von 1856 bis 1868 der Fall, bevor das Krankenhaus innerhalb Bardenbergs umzog.

Becker hat sich alte Fotografien besorgt, die jetzt im Betrieb an die Ursprünge und an den Bergbau erinnern. Darüber hinaus zieren Gemälde mit Bardenberger Motiven das Geschäft. Die Kunden fühlen sich dort wohl, zu Hause, und einige kommen wegen der Atmosphäre sogar immer wieder von weiter her. Becker freut sich vor allem über die gute Zusammenarbeit mit den anderen Gewerken beim Umbau. Denn das Projekt ohne Koordination durch einen Architekten war ziemlich ambitioniert, schließlich steht das Gebäude von 1801 unter Denkmalschutz. Für ihn und seine sieben Mitarbeiter hat er in einem – das bot sich an – die Arbeitsprozesse vereinfacht und einzelne Wege verkürzt. Damit sind die Weichen gestellt, dass irgendwann einmal der eigene Nachwuchs den Betrieb des jetzt 60-Jährigen übernehmen kann.