Intensiver Austausch zwischen Handwerk und Politik: Beim „Handwerk Talk“ wurden gleich mehrere Themen auf dem Podium und mit dem Publikum diskutiert.
© Foto: KH Rureifel

Woher kommen die Fachkräfte?

Handwerk trifft Politik: Spitzen von Kreis und Stadt Düren im Gespräch mit Betrieben

News

Von Uwe Günther

Düren. Zu einer gemeinsamen Veranstaltung, dem „Handwerk Talk“, hatten die Baugewerks-Innung Düren und die Kreishandwerkerschaft Rureifel die Spitzen von Kreis und Stadt Düren eingeladen. Landrat Wolfgang Spelthahn und der Technische Beigeordnete der Stadt, Paul Zündorf, diskutierten in der Dürener Fabrik für Kultur und Stadtteil Becker & Funck mit Obermeister Rudolf Birekoven und Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer. Später stellten sie sich noch den Fragen des Publikums.

Die Veranstaltung fand kurz vor dem Tag des Handwerks 2017 statt. So sollte der Öffentlichkeit die Bedeutung des Handwerks als „Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“ deutlich gemacht werden.
Die wirtschaftliche Lage des Handwerks und besonders des Bauhandwerks wurde von allen Teilnehmern als erfreulich gut beschrieben. Probleme bereiten der zunehmende Fachkräftemangel, lange Genehmigungsverfahren und die Bürokratie, die wertvolle Arbeitszeit bindet. Mit Sorge beobachten die Handwerksvertreter ein drohendes Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Innenstädten. Die Stadt Düren ist hiervon betroffen, aber auch nahegelegene Städte wie Aachen, Köln und Düsseldorf, die zum Einzugsbereich der Dürener Handwerksbetriebe gehören.

Distanz zum Fahrverbot
Erfreulich klar distanzierten sich sowohl Spelthahn als auch Zündorf von diesen Plänen. Aus Sicht von Zündorf ist „ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge in Düren rechtlich nicht durchsetzbar, weil es dafür an einer rechtlichen Ermächtigung fehlt.“ Außerdem würde der Verkehr auf andere, bisher nicht betroffene Straßen ausweichen. „Das wiederum führt unweigerlich zu einer Vielzahl neuer Klagen der dann betroffenen Anlieger.“

Spelthahn wies darauf hin, dass ein Fahrverbot „zu einem enteignungsgleichen Eingriff in die Rechte der Fahrzeughalter“ führe. Das sei „mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht zu vereinbaren.“

Einmütig würdigte die kommunale Verwaltung die Rolle des Handwerks bei der Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern. Kritisch und zum Teil kontrovers wurde die Frage diskutiert, woher die Fachkräfte für das Handwerk in der Zukunft kommen können. Besonders der Landrat wies darauf hin, dass das Handwerk sich auch den Menschen mit Zuwanderungshintergrund und der Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen zuwenden solle.

Pelzer und Birekoven stellten heraus, dass für die handwerkliche Ausbildung motivierte Menschen mit ausreichenden schulischen Voraussetzungen gesucht werden. Pelzer betonte: „Das Handwerk im Kreis Düren nimmt soziale Verantwortung wahr und gibt auch Lernschwächeren eine Chance. Die Betriebe brauchen aber genauso dringend motivierten und leistungsfähigen Nachwuchs.“ Obermeister Birekoven wies darauf hin, dass das Handwerk die Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen sicherstellt und für die Erledigung dieser Aufgabe ausreichend Fachkräfte benötigt.

Vorsichtig optimistisch
Aus dem Plenum wurde die Haltung der Politik zum Meisterbrief thematisiert. Die nachteiligen Folgen der Handwerksnovelle 2004 mit der Abschaffung der Meisterprüfung als Zulassungsvoraussetzung für viele Handwerksberufe wirken sich bis heute aus. Wachsam beobachten die Dürener Handwerker die politische Entwicklung. Wenn auch die aktuelle politische Meinung in Deutschland mehrheitlich die Rolle des Handwerks und des dualen Ausbildungssystems lobt und der Ruf zur Rückkehr nach der alten Regelung der Meisterprüfung verstärkt zu hören ist, sind die Dürener Handwerksmeister nur vorsichtig optimistisch.

Info: Weitere Informationen im Netz unter www.handwerk-rureifel.de.