Die Ausführung von Fliesenarbeiten verlangt Sorgfalt und Materialkunde. Deshalb plädieren Fachverband und Sachverständige für die Meisterpflicht in ihrem Gewerk.
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Zurück zur Meisterpflicht!

Fliesenlegerhandwerk: Fachverband und Sachverständige bemängeln fehlerhafte Arbeit

News BGZ Simmerath

Berlin. Im Fliesenlegerhandwerk hat es in den letzten Jahren einige technische und bauliche Weiterentwicklungen gegeben. Ohne ständige Weiterbildung sind Fehler und daraus resultierende Schäden vorprogrammiert. „Ich beobachte zum Beispiel seit Jahren vermehrt Schäden durch Feuchtigkeitseinwirkungen auf die Baukonstruktion“, erklärt Wolfgang Wulfes, Bundesfachbereichsleiter im BVS (Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger). Er meint damit vor allem Wände, Fußböden und Decken.

Die öffentlich bestellten und vereidigten sowie vergleichbar qualifizierten Sachverständigen des Bundesfachbereiches Bauwesen sind qualifizierte Gutachter für alle bauspezifischen Themen und gelten als kompetente Ansprechpartner zur Beurteilung von Sachverhalten und Entscheidungen in bautechnischer Hinsicht.

Konstruktion schützen
Wulfes nennt beispielsweise die Ausführung der Fliesenarbeiten auf feuchteempfindlichen Untergründen (Gipskartonbauweisen) als problematisch. Hier sollte besonderer Wert auf den Schutz der Wand- und Bodenkonstruktion vor Feuchtigkeit gelegt werden. „Verstärkt wird diese Notwendigkeit durch die heute vermehrt anzutreffenden, individuellen Gestaltungen der Bäder mit bodengleichen Duschen, freien Wand- und Bodenformen, Wasserspielen und so weiter. Die Industrie hat Materialien entwickelt, die nur bei sorgfältiger Verarbeitung und Einhaltung der Verarbeitungsvorschriften eine mangel- und schadensfrei ausgeführte Dichtung der Baukonstruktion gewährleisten werden“, erklärt der Sachverständige für Schäden an Gebäuden. Die Dichtung werde heute fast ausschließlich als sogenannte „Abdichtung im Verbund mit Fliesen und Platten“ ausgeführt, so Wulfes.

„Und die führt der Fliesenleger aus. Vom Fliesenleger wird zunehmend ein größeres Wissen gefordert. Nach meinen Beobachtungen ist dieses Wissen bei vielen kleinen Fliesenlegebetrieben nicht vorhanden, insbesondere, wenn die Betriebe nicht über ausgebildete Fliesenlegergesellen und/oder Fliesenlegermeister verfügen. Die gestiegene Zahl von Schäden, die durch mangelhaft verarbeitete Materialien oder fehlendes Wissen ausgeführt werden, zeigt mir, dass nur Fliesenlegerbetriebe qualifiziert sind, die sich fachlich weiterbilden und dieses Wissen dann auch umsetzen“, betont Wulfes.

Als kritisch erachtet der BVS in diesem Kontext auch die Abschaffung der Meisterpflicht für das Fliesenlegergewerbe seit der Reform der Handwerksordnung 2003/2004. So sieht es auch der Fachverband Fliesen und Naturstein, der die Abschaffung der Meisterpflicht als fatalen Fehler einstuft und sich für deren Wiedereinsetzung ausspricht.

Mehr Fortbildung
Wulfes: „Aus meiner persönlichen Sicht und auch aus Sicht des Bundesfachbereiches Bau, dem rund 800 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Bauwesen angehören, stellen wir bei Fliesenarbeiten vermehrt Mängel fest. Die Ursache von Mängeln ist häufig mangelnde Fortbildung und fehlendes Grundwissen. Dieses Grundwissen wird in der Fliesenlegerausbildung vermittelt und findet sich in der erweiterten Qualifikation eines Fliesenlegermeisters. Und selbstverständlich ist heute nach der Ausbildung eine ständige Fortbildung erforderlich, um über das erweiterte technische Wissen und die Besonderheiten von neuen Produkten verfügen zu können. ‚Baumarktwissen‘ reicht nicht aus, den qualifizierten Beruf eines Fliesenlegers bei der heutigen komplexen Bauweise so auszuüben, dass die Leistung mangel- und schadensfrei ist.“ Außerdem ist der Sachverständige der Meinung, dass fehlerhafte Unternehmen den Branchenvertretern schaden, die gewissenhaft und professionell ihr Handwerk ausführen.

Info: Die Homepage der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen e.V. finden Sie unter www.bvs-ev.de.