Service im Überblick
- Beitragsfragen
- Betriebsvermittlungsbörse
- Formulare und Downloads
- Projekte, Initiativen
- Gebäudeenergieberater
- Innungsmitgliedschaft
- Kurs-Finder
- Lehrstellenbörse, Lehrstellenatlas
- Orange Seiten - Handwerkersuche
- Sachkundige Dichtheitsprüfungen
- Sachverständigenverzeichnisse
- STARTERCENTER NRW
- ÜBERGABECENTER
- Unser Service von A - Z
HWK Aachen online
Kommentar
Klartext, aber anders
von Nicole Tomys
Krisen, wie die Staatsschuldenkrise in diversen Ländern Europas, begegnet man wohl am besten mit Ruhe. Mit Ruhe und einer glasklaren Vorstellung davon, welches Programm ablaufen muss, um aus dem Schlamassel wieder herauszukommen. Erst das Dringendste, dann das Wichtigste und dann die erforderlichen dauerhaft tragenden Maßnahmen.
Diesen Eindruck konnte man jedenfalls als Zuhörer gewinnen, wenn man den Vortrag von Klaus Regling, Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus, verfolgte, den er im Haus des Handwerks im Rahmen des Karlspreisbegleitprogramms hielt.
Bisher waren wir gewohnt, von diversen Medien und von so manchem pointiert formulierenden Politiker Kassandrarufe über die Schwierigkeiten und Risiken zu hören, die eine Lösung der ganzen Sache anscheinend so schwer machen und uns Deutsche angeblich so teuer zu stehen kommen.
Keine Kavallerie
Klaus Regling redet hingegen Klartext, wie man die Lösungen herbeiführt – ruhig und sachlich. Das ist Tacheles, aber in wertschätzender, achtsamer Form gegenüber den in die Krise geratenen Staaten. Und er lässt Drohungen oder Überheblichkeiten weg, derer sich mancher politische Vertreter bedient, wie die mit der Kavallerie oder mit dem Rauswurf aus der EU.
In einfachen und verständlichen Sätzen zeichnet er das Szenario auf, was bereits getan wird und zeitnah umgesetzt werden muss, damit es den Krisenstaaten gelingen kann, wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen zu stehen: Mit Hilfe der Begleitprogramme zur Haushaltskonsolidierung und Strukturreform, der besseren Abstimmung in der Währungsunion und der geplanten Stärkung des Bankensystems.
Regling redet nicht wie so viele Politiker und Funktionäre ausweichend darüber, was es bedeutet, wenn in Griechenland, Portugal , Spanien oder Italien die Lohnstückkosten gegenüber der Produktivität wieder in das richtige Verhältnis gebracht werden müssen. Er benennt ohne Umschweife die Anpassungsbelastungen, von denen auch die dortige Bevölkerung betroffen sein wird.
Was er diesen Ländern mit den von ihm gemanagten Rettungsschirmen ESM und EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) zu bieten hat, ist Geld. Geld, das sie zu tragbaren Konditionen leihen können, um die notwendige Zeit für die harten Strukturverbesserungen zu erkaufen und die Reformen zwar mit hohen Belastungen, aber halbwegs erträglich für die einfachen Bürger zu gestalten.
Geliehen, nicht geschenkt
Sie bekommen es geliehen, nicht geschenkt – dies betont Regling immer wieder – gegen ein stringent vereinbartes Regel- und Maßnahmenwerk, dem sie sich fügen müssen. Klare Ansage, ohne Emotionen oder Besserwisserei, aber mit Zuversicht auf ein Ende der Misere.
Diese verbreitet Regling auch mit Blick auf die aus seiner Sicht überschaubaren Risiken für die europäischen Staaten, die den Großteil der Einlagen in den Rettungsfonds sicherstellen. Er verweist auf Länder wie die Türkei, Indonesien oder Südkorea, die ähnliche Krisen und die gleichen, harten Anpassungsprozesse durchlaufen haben, begleitet durch den Internationalen Währungsfond (IWF).
Heute stehen sie wirtschaftlich wieder gut da, ebenso wie der IWF, der schwarze Zahlen schreibt. Regling weiß, wie es funktionieren kann aus eigener Anschauung, denn er hat viele Jahre für den IWF gearbeitet. Und der ESM funktioniert nach dem gleichen Muster.
Vielleicht erklärt dies die Zuversicht, aber auch die Nüchternheit Reglings im Umgang mit der europäischen Schuldenkrise. Sie ist für ihn vielleicht ein weiterer, wenn auch sehr komplexer Fall, der Schritt für Schritt zu lösen ist. Aber für viele Politiker, Staatschefs und für uns Bürger ist es halt das erste Mal. Darum ist die Aufregung größer.



