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An den Erwartungen des Handwerks vorbei

News 16.04.2021

Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts

Berlin. Die Bundesregierung hat den Gesetzentwurf des Finanzministeriums zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts beschlossen. Kern ist die in den Koalitionsausschüssen vergangenes Jahr beschlossene Einführung einer Option zur Körperschaftsteuer, die es Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften ermöglicht, wie eine Kapitalgesellschaft besteuert zu werden. „Die Option zur Körperschaftsteuer stellt einen weiteren wichtigen Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der vielen auf internationalen Märkten erfolgreich tätigen Familienunternehmen in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft oder einer offenen Handelsgesellschaft dar“, heißt es seitens des Ministeriums.

Mit der Erweiterung des persönlichen Anwendungsbereichs für Umwandlungen im Sinne des Umwandlungssteuergesetzes wird das Umwandlungssteuerrecht weiter globalisiert. Künftig sollen neben Verschmelzungen auch Spaltungen und Formwechsel von Körperschaften mit Bezug zu Drittstaaten steuerneutral möglich sein. Dadurch werden die Möglichkeiten für deutsche Unternehmen und ihre ausländischen Tochtergesellschaften maßgeblich erweitert, betrieblich sinnvolle Umstrukturierungsmaßnahmen steuerneutral umzusetzen. Im Bereich der körperschaftsteuerlichen Organschaft werden die Ausgleichsposten für Mehr- und Minderabführungen durch ein einfacheres System, die sogenannte Einlagelösung, ersetzt. Zudem können künftig Verluste aus Währungskursschwankungen im Zusammenhang mit Gesellschafterdarlehen als Betriebsausgabe abgezogen werden.

 Chance vertan                                      

„Das vom Bundeskabinett beschlossene Körperschaftsteuer-Modernisierungsgesetz geht an den Erfordernissen und Erwartungen des Handwerks vorbei. Besonders enttäuschend für viele Handwerksbetriebe ist, dass die vermeintliche Gesetzesmodernisierung nicht genutzt worden ist, um die Anwendbarkeit der Thesaurierungsrücklage zu vereinfachen. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise zeigt sich, wie wichtig eine gute Eigenkapitalbasis der Unternehmen ist, um Krisen besser abfedern und weiterhin Investitionen vornehmen zu können. Es ist die Chance vertan worden, durch eine verbesserte Thesaurierungsbegünstigung Betrieben einen größeren Anreiz zu geben, Gewinne im Unternehmen zu belassen und diese zu reinvestieren“, sagt der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Holger Schwannecke.

Es sei nicht zielführend, lediglich eine Option zur Besteuerung als Kapitalgesellschaft einzuführen.  Schwannecke: „Zum einen ist es für viele kleine und mittlere Unternehmen wenig praktikabel, die komplexen Regelungen des Körperschaftsteuergesetzes anzuwenden. Zum anderen kann die Option nur einheitlich für die Gesellschaft ausgeübt werden. Die Thesaurierungsrücklage kann der Gesellschafter hingegen individuell ausüben. Irritierend und bedauerlich ist zudem, dass eine solch weitreichende Reform bisher ohne ausreichende Einbindung von Wirtschaft und Wissenschaft ausschließlich auf ministerieller Ebene diskutiert wurde.“