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News 14.07.2021Arbeit in Prüfungsausschüssen eröffnet neue Horizonte

Online-Kammerworkshop mit der Ehrenamtsakademie Handwerk NRW. Wie gewinnt man neue Mitglieder?

Aachen. Dass ehrenamtliches Engagement die Basis für eine erfolgreiche Selbstverwaltung im Handwerk ist, ist hinlänglich bekannt. Insbesondere die Prüfungsausschüsse der Kammern und Innungen sind immer auf qualifizierte und engagierte Menschen angewiesen. Denn: ohne Prüfer keine Prüfung, ohne Prüfung keine neuen Gesellinnen und Gesellen oder Meisterinnen und Meister.

Wie gewinnt man neue Mitglieder für Prüfungsausschüsse? Das war die zentrale Frage eines gemeinsamen digitalen Workshops der Handwerkskammer Aachen mit der Ehrenamtsakademie des NRW-Handwerks, die auf Gemeinschafsinitiative der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern und des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) ins Leben gerufen wurde und nun weiter aufgebaut werden soll.

Felix Kendziora, Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer Aachen, kam in seinem Grußwort auch sogleich zur Sache: „Wir wollen Ideen entwickeln, wie noch mehr Menschen – auch und insbesondere mit Zuwanderungsgeschichte – für die Mitarbeit in Prüfungsausschüssen begeistert werden können, welche Rahmenbedingungen sich vielleicht ändern müssen und welchen Unterstützungsbedarf das Ehrenamt hat“.

WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier, der die Ehrenamtsakademie vorstellte, gab die Empfehlung: „Um die Bedürfnisse der jungen Menschen zu erkennen, müssen wir sie direkt ansprechen und fragen: ‚Warum möchtest du dich engagieren, was erwartest du von deinem Engagement und wie können wir dich dabei unterstützen?‘“

Die von Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, moderierte Expertenrunde gab dann wichtige Impulse für das Anliegen. Denn wer kann es besser wissen, wie man Menschen das Ehrenamt schmackhaft macht, als diejenigen, die tagtäglich damit zu tun haben?

Vizepräsident Kendziora, Ursula Gelück-Leymann (Dachdeckermeisterin und Vorsitzende des Gesellenprüfungsausschusses Dachdecker der Handwerkskammer Aachen), Ute Dreser-Feldges (Leiterin Berufskolleg Mies-van-der-Rohe, Aachen), Milad Kakone (Friseurmeister und Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses der Innung Euskirchen), Uwe Günther (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rureifel) und Richard Graf (Leiter des Fachbereichs Prüfungen bei der Kammer) waren sich trotz unterschiedlicher Blickwinkel in vielem einig: Junge Menschen brauchen mehr Informationen, Transparenz und eine motivierende Ansprache, möglichst schon in der Phase der Ausbildung, um sie für das Prüfungsamt zu gewinnen. Schließlich sei vielen Handwerkern und Handwerkinnen kaum bekannt, welchen Mehrwert ehrenamtliche Arbeit auch für die eigene Person biete.

Friseurmeister Milad Kakone, der erst vor knapp sechs Jahren aus dem Irak nach Deutschland eingewandert ist, brachte es auf den Punkt: „Jede Prüfung ist auch für den Prüfer eine kostenlose Weiterbildung, und man lernt viele neue Leute kennen.“ Kammer-Hauptgeschäftsführer Peter Deckers schloss den erkenntnisreichen Austausch mit der Feststellung ab, dass künftig auch über mögliche Forderungen an die Politik wie Entschädigungsfragen und deren steuerliche Behandlung zu diskutieren sei sowie über Anreize für Unternehmen, wie diese ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch besser bei der Wahrnehmung ehrenamtlicher Aufgaben unterstützen können.