Bonität
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Auf Dauer flüssig bleiben

News 10.09.2020

Wie Betriebe ihre Bonität stabilisieren können - Regelmäßige Selbstauskunft anfordern

Aachen. Aktuell wirkt sich die COVID-19-Pandemie massiv auf die Ratings deutscher Unternehmen aus. In vielen Unternehmen führt der Abbau vorhandener Liquiditätsreserven zur Überbrückung der Umsatzausfälle in Verbindung mit neu aufgenommen Darlehen zu einem deutlich höheren Verschuldungsgrad und somit zur Verschlechterung der Bonität.

Die Bonität bezeichnet die Kreditwürdigkeit von Personen und Unternehmen und ist für Handwerksunternehmen eine wichtige Größe: Zum einen ist die eigene Bonität bei der Inanspruchnahme von Darlehen für einen Kreditgeber eine ausschlaggebende Grundlage für eine Kreditentscheidung sowie für die Höhe der Zinsen. Sie kann die Vertragsbedingungen der Lieferanten und Versicherungen beeinflussen. Zudem ist die Bonität der Kunden und Auftraggeber eines Handwerksbetriebes ein wichtiges Instrument der Risikominimierung für das Unternehmen.

Zur Einschätzung der persönlichen und wirtschaftlichen Kreditwürdigkeit eines Wirtschaftssubjekts werden die Fähigkeit (wirtschaftliche Bonität) und der Wille (Zahlungswilligkeit) betrachtet, die aufgenommenen Darlehen mit Zins und Tilgung zurückzahlen. Die Beurteilung der Bonität eines Wirtschaftssubjektes erfolgt dabei durch das so genannte Rating, bei dem Kreditinstitute die voraussichtliche Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers ermitteln.

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Dipl.-Kfm. Rainer J. Hupke

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Beim internen Rating erfolgt die Ermittlung der Bonität beispielsweise durch ein Kreditinstitut auf eigene Initiative und im Eigeninteresse, beim externen Rating oft auf Initiative des Unternehmens durch eine Ratingagentur, die in der Regel in keiner Geschäftsbeziehung zum beurteilten Unternehmen steht. Für Handwerksbetriebe ist aufgrund der Unternehmensgröße das interne Rating durch die Bank oder Sparkasse von größerer Bedeutung.

Coronahilfen in Form von Krediten können daher kurzfristig zur Liquiditäts- und Handlungssicherung beitragen, mittel- bis langfristig aber das Rating negativ beeinflussen, insbesondere dann, wenn die Erträge nicht wieder auf das Vorkrisenniveau steigen und die Unternehmen die gestiegene Verschuldung nicht mehr oder kaum noch tragen können.

Um die Bonität zu verbessern, ist es zunächst wichtig, über den aktuellen Stand der eigenen Bonität informiert zu sein. Unternehmen und Selbstständigen ist zu empfehlen, regelmäßig bei Auskunfteien wie Schufa, Creditreform, CRIF Bürgel etc. eine (kostenlose) Selbstauskunft anzufordern. Zusätzlich sollte eine Abfrage der eigenen Bonität beim Kreditinstitut erfolgen, um anschließend die Stärken und Schwächen des Ratings mit dem Firmenkundenberater zu besprechen. Generell ist eine laufende Information und Kommunikation gegenüber dem Kreditinstitut zu empfehlen, um die dort vorliegenden Unternehmensdaten aktuell zu halten und auch um eigene Lösungsmöglichkeiten bei Problemen aufzuzeigen.
Gegenüber den eigenen Auftraggebern ist eine Prüfung der Bonität neuer Kunden und Geschäftspartner beispielsweise über die genannten Wirtschaftsauskunfteien sowie eine möglichst kurze Kreditorenlaufzeit von Vorteil.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass für Handwerksunternehmen das Rating nicht nur ein notwendiges Instrument der Kreditinstitute zur Beurteilung der wirtschaftlichen Situation und somit zur Ermittlung der Bonität ihrer Kreditnehmer ist, sondern auch Vertrauen im geschäftlichen Umfeld schaffen kann, beispielsweise gegenüber Auftraggebern, Lieferanten, Kreditinstituten und möglichen Unternehmensnachfolgern.