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Werkzeug für Handwerker: Neben den klassischen sind auch digitale Hilfsmittel nicht mehr aus den Handwerksberufen wegzudenken. Einen Überblick über die Möglichkeiten gibt die DGTLweek auf Gut Rosenberg.

Auf der Suche nach Zeitersparnis

News 09.12.2020

Wie digital sind Sie? Und was bringt Ihnen das? Umfrage zur DGTLweek 2020 in der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg

Aachen. Das Unübersichtliche an der Digitalisierung ist ja, dass es von der Einrichtung eines E-Mail-Accounts für Korrespondenzen bis hin zum Einsatz von Cobots, also kolaborierender Künstlicher Intelligenz, alles sein kann. Den Überblick behält – und vermittelt mit Unterstützung externer Referenten – die Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg.

Vier Vorträge hatte Marc Schnitzler, Dozent für digitale Medien und Entwurf, jüngst organisiert und damit wieder eine große Spanne vom Einsteiger bis zum Fortgeschrittenen geschafft. Leider fielen die letzten beiden Vorträge dieser DGTLweek 2020 dann aus. Eindrücke haben die Teilnehmer der ersten beiden Veranstaltungen dennoch gewonnen.

Frederik Schuhwirt, Rosenberg-Absolvent und Start-up: „Ich bin zum Vortrag gegangen, um einen Kontakt zur Firma Laserscanning Europe herzustellen und potenzielle Kunden anzusprechen. Mein Geschäftspartner Kolja Heinrichs und ich haben nach unserem Abschluss an der Akademie für Handwerksdesign die Firma www.bima.solutions gegründet und bieten eine digitale Dienstleistung an. Wir helfen Unternehmen rund um das Baugewerbe, ihre Produkte digital darzustellen und zu vermarkten. Unsere Arbeit dient als Kommunikationsmedium zwischen Planern und Bauherren und verschafft dem Kunden dank der VR-Technik, also virtueller Realität, eine bessere Vorstellung. Zusätzlich entwickeln wir ein VR-fähiges Tool, mit dem Berufsschullehrer (Maurer) ihren Schülern Wandaufbauten und verschiedene Details eines Gebäudes digital erklären können, ohne auf eine reale Baustelle zurückgreifen zu müssen. Digitale Produkte kommen meiner Erfahrung nach sehr gut an. Aber das Problem ist, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig ist, um die Scheu vor digitalen Produkten zu nehmen.

Angela Katzy, Goldschmiedin, Kulturpädagogin und Dozentin an Gut Rosenberg: „Wir sprechen an der Akademie immer wieder über das Thema. Selbst gehöre ich ja nicht zu den Digital Natives. Ich sehe aber, dass wir daran nicht vorbeikommen und finde es einen sehr spannenden Prozess. Den sehr interessanten Vortrag von Marc Schnitzler habe ich mir angehört, um selbst besser einordnen zu können, wo Digitalisierung Sinn macht und wo nicht. Handwerk hat viel mit Haptik zu tun – greifen heißt auch begreifen…. Meiner Ansicht nach sind das die beiden Pole, zwischen denen Ausbildung heute stattfinden muss: Das Erlernen der traditionellen Handwerkstechniken genauso wie das Erlangen digitaler Kompetenz. Wir erleben dadurch auch eine interessante Aufweichung der Hierarchie in den Betrieben, wenn Auszubildende ihren Meistern im digitalen Knowhow und Grundverständnis meilenweit voraus sind.“

Olaf Korr, Tischlermeister: Mein Vater war in den 1980er Jahren einer der ersten Tischler, der eine spezielle Software für Zimmereien gekauft hat – auch wenn er es selber nie genutzt, sondern Mitarbeiter damit beauftragt hat. So gehe ich zu den Vorträgen der DGTLweek, um meinen eigenen Horizont zu erweitern, neue Impulse zu bekommen und um zu schauen, ob ich daraus Konkretes für mein Unternehmen ableiten kann. Wir sind bereits vor etwa 15 Jahren in das so genannte papierlose Büro eingestiegen und haben seitdem kontinuierlich unsere Arbeitsabläufe, Prozesse etc. digitalisiert. Aktuell geht es uns um das Thema „Werkstatt 4.0“, und hier insbesondere um die weitere Digitalisierung von Werkstatt- und Baustellen-Prozessen, sowie die Kommunikation, Informationsbereitstellung und gegebenenfalls so etwas wie ein eigenes Firmen-Wiki. Der regelmäßige Austausch mit Gut Rosenberg und besonders mit Marc Schnitzler sind für mich seit vielen Jahren wichtige „Scheuklappenöffner“. Ich schätze diesen Blick über den Tellerrand sehr, der mir dort geboten wird. Die Digitalisierung ist und bleibt ein Werkzeug unter vielen, ein Hilfsmittel. Sie wird den Menschen niemals ersetzen. Im Gegenteil, nach meiner Auffassung wird das Zwischenmenschliche umso wichtiger, je digitaler wir werden. Bei den Mitarbeitern ist das zweigeteilt: Es gibt diejenigen, die affin sind und jeden Impuls begeistert aufsaugen, sogar eigene Impulse bringen. Daneben gibt es Mitarbeiter, für die das alles Neuland ist, die das ganze vielleicht auch mit einer gewissen Scheu bis hin zu Zweifel oder gar Ablehnung betrachten. Eine der größten Herausforderungen der Digitalisierung ist es in meinen Augen, alle Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen und die Menschen dahinter, jeden einzelnen Menschen zu wertschätzen, so wie er ist. Denn eines ist klar, und das wird auch immer so bleiben: speziell im Handwerk arbeiten Menschen für Menschen.

Max Brammertz, Tischlermeister: Unser Betrieb ist komplett digitalisiert. Nahezu alle Prozesse laufen bei uns papierlos ab. Unser Brammertz-Digi-Workflow deckt die Bereiche Auftragsabwicklung, Aufmaß und Brammertz-Wiki. Unsere Mitarbeiter in der Werkstatt arbeiten mit Tablets. Ich hatte mich bereits vor zwei Jahren schon einmal mit der Anschaffung eines digitalen Aufmaß-Systems beschäftigt. Damals stand das Kosten/Nutzen-Verhältnis noch in keiner guten Relation. Ich wollte bei der DGTLweek erfahren, ob sich preislich und technisch etwas verändert hat. Der Vortrag hat mir gezeigt, dass mein Wissenstand noch aktuell ist und sich für uns eine Anschaffung eines Punktwolken-Laser-Systems nicht lohnt. Wir kaufen uns diese Leistung bei Bedarf ein. Das ist günstiger und zielgerichteter. Wir binden unsere Mitarbeiter stark in die Digitalisierung ein.

Christoph Jansen, Handwerksdesigner und Start-up im Bereich Digitaldienstleistungen für Handwerksbetriebe: „Ich habe mich als Tischler in Richtung der VR-Visualisierung spezialisiert, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie es in vielen Betrieben abläuft. Viele denken nicht so weit, wie wichtig eine gut vorbereitete Kundenakquise für den Verkauf ist. Einer meiner ersten Kunden hat mit meinen Visualisierungen 18 auf 20 Projekten akquiriert. Das liegt auch daran, dass die Endkunden das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie mitgestalten können. Unter einer reinen Konstruktionszeichnung können sich die wenigsten etwas vorstellen. Eine dreidimensionale Visualisierung zum Beispiel von einer Küche vermittelt Emotionalität.