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Dem Nachwuchs eine Chance: Betriebe, die in dieser schwierigen Zeit Ausbildungsplätze sichern, können dafür Prämien vom Bund erhalten. Das macht es dem Handwerk leichter, Fachkräfte für die Zukunft zu gewinnen.

Ausbildungsprämie

News 12.08.2020

Programm des Bundes fördert neue und zusätzliche Ausbildungsplätze – Zuständig ist die Arbeitsagentur

von Georg Stoffels*

Aachen. Seit dem 1. August ist das Bundesprogramm zur Sicherung von Ausbildungsplätzen in der Corona-Krise nun endlich „scharf geschaltet“. Ab sofort können Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern unter engen Voraussetzungen die angekündigte Ausbildungsprämie und weitere Zuschüsse beantragen. Zuständig sind die Arbeitsagenturen. Das Programm heißt „Ausbildungsplätze sichern“ und soll krisenbetroffene, aber ausbildungswillige Betriebe unterstützen. Die Unterstützung ist zu begrüßen, auch wenn Einzelheiten des Programms teilweise noch klärungsbedürftig sind.

2.000 Euro für konstante Vertragszahlen: Ausbildungsbetriebe, die den Umfang ihres Ausbildungsplatzangebots konstant halten, also genau so viel ausbilden wie vor Corona, erhalten für jeden neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag eine Prämie von 2.000 Euro. Dieser Zuschuss gilt für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag bei Vorliegen der Voraussetzungen. So darf das zu fördernde Ausbildungsverhältnis frühestens am 1. August 2020 starten und muss spätestens bis zum 15. Februar 2021 beginnen.

Auch darf sich die Zahl der Ausbildungsplätze im Jahr 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern. Verglichen werden die Ausbildungsverträge, die für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossen worden sind, mit dem Durchschnitt der über die letzten drei Jahre (2017 bis 2019) abgeschlossenen Verträge. Leider zählen bei den Altverträgen auch die vorzeitig aufgelösten Verträge mit, sofern der Abbruch nach der Probezeit erfolgte. Lösungen innerhalb der Probezeit zählen bei den Altverträgen nicht mit, erhöhen also die Chance auf die Ausbildungsprämie für neu abgeschlossene Ausbildungsverträge.

Die Ausbildungsbetriebe müssen zudem in der ersten Hälfte des Jahres 2020 wenigstens einen Monat Kurzarbeit angemeldet haben, oder ihr Umsatz muss in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen sein. Bei Unternehmen, die nach April 2019 gegründet wurden, sind statt der Monate April und Mai 2019 die Monate November und Dezember 2019 zum Vergleich heranzuziehen. Die Auszahlung der Prämie erfolgt nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit des neuen Lehrverhältnisses.

3.000 Euro für zusätzliche Lehrstellen und Übernahmeprämien: Betriebe, die ihre Lehrlingszahl im Vergleich zu den drei Vorjahren sogar anheben, erhalten für jeden zusätzlichen Ausbildungsvertrag eine Prämie von 3.000 Euro. Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei der Ausbildungsprämie von 2.000 Euro, auch hier erfolgt die Auszahlung nach Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit.

Übernimmt ein Betrieb Auszubildende aus insolventen Betrieben, damit sie ihre Ausbildung beenden können, kann zudem pro übernommenem Auszubildenden eine Übernahmeprämie in Höhe von 3.000 Euro beantragt werden. Antragsberechtigt sind Betriebe, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen Unternehmen bis zum 31. Dezember 2020 für die Dauer der restlichen Ausbildung übernehmen.

Zuschuss von 75 Prozent der Ausbildungsvergütung: Unternehmen, die ihre Auszubildenden trotz COVID19-Belastungen weiter ausbilden, erhalten 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat, in dem im Betrieb ein Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent zu verzeichnen ist.

Antragsberechtigt sind Unternehmen, wenn sie weder Azubis noch Ausbilder in Kurzarbeit schicken. Erforderlich ist ein Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent im gesamten Betrieb; anderenfalls wird davon ausgegangen, dass die Ausbildungsaktivitäten auch ohne Förderung fortgesetzt werden können. Diese Förderung ist befristet bis Ende des Jahres.

Zuständig für die Antragsbearbeitung und Bewilligung der Zuwendungen ist die Arbeitsagentur, in deren Bezirk das Unternehmen seinen Sitz hat. Die entsprechenden Antragsunterlagen können online abgerufen werden.

Das Handwerk hat sich sehr früh dafür eingesetzt, dass Betriebe als Anerkennung für ihre Ausbildungsleistung entlastet und bürokratiearme Lösungen gefunden werden. Dies ist mit dem Förderprogramm mit seinen komplexen Antragsverfahren leider nicht ideal gelungen.

* Georg Stoffels ist bei der Handwerkskammer Aachen Geschäftsführer für Recht und Berufsbildung.