Johannes Schroeder freut sich, dass es auch Azubi Pascal Sawkins beim Praktikum in Schottland gut gefallen hat. Gerne würde er weiterhin seine jungen Mitarbeiter im Rahmen des Erasmus-Programms in seinen Partnerbetrieb in Elgin vermitteln.
Anna Petra Thomas
Johannes Schroeder freut sich, dass es auch Azubi Pascal Sawkins beim Praktikum in Schottland gut gefallen hat. Gerne würde er weiterhin seine jungen Mitarbeiter im Rahmen des Erasmus-Programms in seinen Partnerbetrieb in Elgin vermitteln.

Brexit erschwert Azubis den Austausch mit dem Königreich

News 13.05.2020

Johannes Schroeder setzt auf das Erasmus-Programm. Alleinstellungsmerkmal für den Unternehmer.

Von Anna Petra Thomas

Heinsberg. Wie vielfältig die Auswirkungen des „Brexit“, des Ausstiegs von Großbritannien aus der Europäischen Union, sein können und wie sie auch in unsere ländliche Region hineingreifen, hat jetzt auch die Elektro Schroeder Gmbh in Heinsberg erfahren müssen. Vor zwei Jahren war Geschäftsführer Johannes Schroeder über eine schottische Urlaubsbekanntschaft auf Lanzarote mit einem schottischen Kollegen in Kontakt gekommen und hatte einem Auszubildenden für drei Wochen ein Praktikum bei seinem Kollegen ermöglicht.

Die guten Erfahrungen, die der damalige Azubi Alexander Kopp bei der Firma Campbell & McHardy im schottischen Elgin gemacht hatte, wollte  Dipl.-Betriebswirt Schroeder in diesem Sommer eigentlich mit Pascal Sawkins aus Heinsberg einem weiteren jungen Mann in seinem Team ermöglichen, ebenfalls im Rahmen des Erasmus-Programms der Europäischen Union. Diese Förderung beinhaltet einen Zuschuss für die interkulturelle und sprachliche Vorbereitung des Auslandspraktikums sowie länderabhängige Pauschalbeträge für Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung.

Der Brexit nahte, doch Johannes Schroeder wollte das Projekt ebenso wenig aufgeben wie sein Azubi und wie sein schottischer Partner. Also wurde das Praktikum ganz einfach vorverlegt. Sprachlich war das für den 18-Jährigen kein Problem. „Mein Großvater war Engländer“, erzählt er. „Da bin ich sprachlich schon ein bisschen vorbelastet.“ Und so schloss sich für ihn als angehender Elektroniker für Industrie- und Gebäudetechnik so ein bisschen der Kreis, als er nun erfahren konnte, wie sein Handwerk im Land seiner Vorfahren aussieht.

Beeindruckt habe ihn vor allem die andere Art, Häuser zu bauen, erzählt Sawkins. In neuen Baugebieten würden viele junge Leute bauen. „Neue Viertel entstehen dort in Form von Fertighäusern“, sagt er. Gerade mal zwei Wochen würde es dauern, ein solches Reihenhaus zu bauen. Zudem gäbe es eine staatliche Förderung und die Möglichkeit einer Hypothek über 40 Jahre. „Und wo hier mühsam eine Schlitzmaschine zum Einsatz kommt, werden dort die Kabel einfach durch die Wand gezogen“, berichtet er. „Und jede Steckdose und jeder Schalter haben ihre eigene Sicherung.“ Aber auch bei anderen Arbeiten habe er viele Erfahrungen sammeln können, nennt er als Beispiele seine Einsätze bei einer Altbausanierung, beim Einbau von Klimageräten, beim Tausch von Lampen. Gerne habe er mit seinem Partner David Black zusammengearbeitet, erinnert er sich gerne an diese drei Wochen zurück.

Wie schon seinen Vorgänger, so chauffierte Johannes Schroeder auch dieses Mal persönlich im Auto zu der seit dem damaligen Lanzarote-Urlaub befreundeten Familie McPhee. Sie hatte seinerzeit den Kontakt zu dem schottischen Handwerksbetrieb hergestellt und hier hatte Sawkins wie schon sein Vorgänger jetzt drei Wochen Familienanschluss. Besonders gefreut hat er sich als engagierter Feuerwehrmann in Heinsberg natürlich auch über die Möglichkeit, die Arbeit des „Scottish Fire an Rescue Service“ einmal aus nächster Nähe kennenlernen zu können. Beeindruckt habe ihn vor allem das System der Feuerwache, erzählt er, und noch mehr die einzigartige Fahrzeugtechnik. So verfüge die Feuerwehr dort in Schottland aufgrund des vorhandenen Gebirges sogar über ein eigenes Kettenfahrzeug. „Und 1000 Liter Wasser an Bord sind Minimum aufgrund der großen Distanzen, die dort zurückzulegen sind.“

Für Schroeder ist die Erfahrung, die er Auszubildenden in seinem Betrieb bisher bieten konnte, mehr als nur die Pflege von Völkerverständigung. Ihm biete dies im Rahmen der Gewinnung guter Fachkräfte ein Alleinstellungsmerkmal, räumt er ein. Vor allem komme ein solches Praktikum der persönlichen Entwicklung seiner Azubis zugute. „Sie lernen selbstständig, in zunächst fremder Umgebung Neues einzuordnen, werden so viel offener und selbstbewusster“, sagt er. Gut sei dabei, dass auch die Ausbildung in Schottland in einem dualen System erfolge, über insgesamt fünf Jahre. „Dabei sind die Schotten noch viel aufgeschlossener als wir hier in Deutschland“, fügt er hinzu. „Die sind immer gut gelaunt.“

Welche Entwicklung ein junger Mensch im Handwerk mit der Initialzündung eines Auslandspraktikums nehmen kann, zeigt sich nicht zuletzt an Ex-Azubi Kopp. Er nahm den Begriff „journeyman“, was die englische Übersetzung für Geselle ist, ernst und machte sich nach Abschluss seiner Ausbildung für ein Jahr auf nach Australien, um weiter handwerkliche Erfahrungen zu sammeln. Nach seiner Rückkehr und einigen Monaten Arbeit plant er nun, nach Japan zu gehen. „In Australien hat er einen Japaner kennengelernt“, erzählt Schroeder.

Sein größter Wunsch wäre, dass das Erasmus-Programm auch nach dem Brexit weiterhin für Großbritannien gelten würde, sodass er auch künftig junge Azubis mit der Aussicht auf eine gute Karriere im Handwerk auf Reisen schicken könne, in einem ersten Schritt zu seinem Partnerbetrieb ins schottische Elgin.

Info: Auslandspraktika, Mobilitätsberatung: Aufenthalte im Ausland zahlen sich für junge Handwerker aus. Sie bringen von dort neue Erfahrungen mit, werden selbstständiger und können ihren Betrieben helfen, Kunden jenseits der Grenzen zu gewinnen. Die Bereitschaft von Lehrlingen, Gesellen und Jungunternehmen, Praktika außerhalb Deutschlands zu absolvieren, will die Handwerkskammer Aachen fördern. Ihr Mobilitätsberater, Thomas Jochum, steht allen Interessenten, die sich in Europa beruflich umsehen wollen, mit Rat und Tat zur Seite. Sie erreichen ihn Tel.: +49 241 471-187,  thomas.jochum@hwk-aachen.de, www.hwk-aachen.de/mobilitaetsberatung.