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News 10.03.2022Bronze für zwei! - Dritte Bundessieger aus der Region.

Von Elmar Brandt

Alsdorf/Gangelt. Für Sophie Wabbals war es ein sehr aufregendes Jahr. Aber auch eines mit vielen tollen Erfahrungen, die sie geprägt haben. Die Friseurgesellin, die bei ihrem Vater Olaf im Alsdorfer Salon arbeitet, hat gleich mehrere Herausforderungen bewältigt. Und die nächsten warten schon. Herausforderungen locken auch den Beton- und Stahlbetonbauer Mark Sistermanns aus Gangelt, der ebenfalls im väterlichen Betrieb arbeitet, sehr. Was die beiden gemeinsam haben? Sie gewannen im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2021 die Bronzemedaille - auf Bundesebene! Das verdient Respekt!

Der Herbst des vergangenen Jahres stand für Sophie Wabbals ganz im Zeichen des Trainings. Denn Ende November stand die Meisterprüfung im fachlichen Segment an und wenig später der Leistungswettbewerb auf Bundesebene in Koblenz. Nach ihrem abgeschlossenen Studium im Fach Beauty Management, der erfolgreich bestandenen Gesellenprüfung und den ersten Plätzen im Leistungswettbewerb auf Kammer- und Landesebene wollte sie natürlich auch bei diesen Prüfungen ihr Bestes abrufen. Und sie konnte erneut überzeugen. Da sie im März mit allen Teilen der Meisterprüfung fertig wird, erhält sie im Mai noch offiziell bei der Feier vor der Tür, in der Stadthalle Alsdorf, ihren Meisterbrief. Das intensive Training war für Sophie Wabbals eine großartige Erfahrung.

Glücklich ist auch ihr Vater Olaf, der sicher ist, dass seine Tochter sich eine sehr gute Grundlage für ihre berufliche Karriere gelegt hat. Seinen Betrieb wird sie sicher später einmal fortführen, vielleicht auch in anderer Weise, damit sie auch einige andere Tätigkeiten ausführen kann. Olaf Wabbals ist bereit, Mitarbeiter für eine Zeit freizustellen, damit sie sich weiterbilden oder an Wettbewerben teilnehmen können. „Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ist sehr viel wert“, sagt er, die Erfahrungen brächten die Mitarbeiter fachlich und charakterlich sehr weiter.

Für Sophie Wabbals steht fest, dass ihre Zukunft im Friseurhandwerk liegt, was aber nicht heißt, dass sie nicht auch noch ein Studium berufsbegleitend dazu packt. Denn ihr Wissensdurst und ihr Streben nach weiteren Qualifikationen sind weiterhin ausgeprägt. „Die Meisterschule hat mir schon sehr viele Kenntnisse in Betriebsführung und Management gebracht“, sagt sie, aber es gibt noch viele Themenbereiche, die sie interessieren.

Keine Frage: Sophie Wabbals macht es gut, und sie geht ihren Weg. Olaf Wabbals wünscht sich, dass es in der Öffentlichkeit noch bekannter wird, was man mit einer handwerklichen Ausbildung alles erreichen kann. Wichtig sei es, die Bildungsperspektiven zu öffnen, berufsbegleitende Studiengänge einzurichten und die berufliche Weiterbildung zu fördern. So könne man auch mehr Abiturienten für das Handwerk gewinnen. Olaf Wabbals, der den Alsdorfer Familiensalon in der dritten Generation führt, hat in den vergangenen Jahren auch festgestellt, dass es schwerer wird, Nachwuchskräfte zu finden. Um gemeinsam Aktionen realisieren und für die eigenen Interessen eintreten zu können, engagiert er sich in der Innung und im Fachverband. In der Innung gibt es ein Jugend-Team, das regelmäßig zusammen trainiert. Ganz klar sagt er auch, dass die Bezahlung im Handwerk besser werden muss. Das gehe aber nur, wenn die Kunden auch bereit wären, höhere Preise zu zahlen.

Um gerade junge Leute anzusprechen, nutzen Olaf Wabbals und seine Tochter auch Kanäle der Sozialen Medien. Hier ist Sophie Wabbals sehr aktiv und kümmert sich um die Posts bei Instagram und Facebook. „Man muss sich dafür schon etwas Zeit mitnehmen. Aber wenn man sich gut darstellt, gibt es auch sehr gute Rückmeldungen. So hatte eine Kundin auf den ausgestellten Kopf mit der Hochsteckfrisur, den Sophie Wabbals beim Bundeswettbewerb gefertigt hatte, begeistert reagiert: „Das ist ja Kunst!“ Das hat die junge Friseurin dann darin bestärkt, sich auf für den Wettbewerb DesignTalente NRW zu bewerben. Vielleicht gibt es da dieses Jahr die nächste Auszeichnung.

 

Fragen an Mark Sistermanns, Dritter Bundessieger, Beton- und Stahlbetonbauer, Gangelt

Gratulation! Sie sind beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks in Ihrem Beruf Dritter Bundessieger geworden. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?
Mark Sistermanns: Es ist für mich eine große Ehre, den dritten Platz im Bundeswettbewerb erreicht zu haben und mit dieser Erfahrung, die mir da zuteil wurde, im Laufe meiner Zukunft zu arbeiten.

Wie groß war die Konkurrenz, wie viele Teilnehmer gab es auf Bundesebene? Wo fand der Wettbewerb statt und was mussten Sie machen?
Sistermanns: Es haben insgesamt neun Handwerker teilgenommen, die mit mir zusammen in der Handwerkskammer in Bielefeld angetreten sind. Unsere Aufgabe lag darin, zwei Wandscheiben mit moderner Großraumschalung aus Kunststoff herzustellen mit vielen Aussparungen und Rundungen.

Was hat Ihnen die Teilnahme am Leistungswettbewerb persönlich und beruflich gebracht?
Sistermanns: Zu der guten Förderung, die mir dadurch zusteht für meinen Meister, habe ich natürlich auch viele Erfahrungen gesammelt, die ich in meinem Alltag stets versuche einzubringen.

Warum haben Sie sich für eine Ausbildung im Handwerk entschieden? Und warum speziell Beton- und Stahlbetonbauer?
Sistermanns: Da mein Vater schon mein Leben lang selbstständig war, konnte ich mich schon in jungen Jahren entschließen, im Bauhandwerk tätig zu werden, da mir die Arbeit immer viel spaß gemacht hat.

Was begeistert Sie in Ihrem Beruf und warum würden Sie jungen Menschen den Beruf empfehlen?
Sistermanns: Es ist ein immer gefragterer Arbeitsmarkt mit guten und sicheren Gehältern. Zudem ist es wirklich sehr schön, sagen zu können: Dieses Gebäude habe ich errichtet.

War es für Sie immer klar, dass Sie ins Handwerk gehen oder gab es auch andere Überlegungen, zum Beispiel ein Studium?
Sistermanns: Dadurch, dass ich damit aufgewachsen bin, hatte ich immer den Traum, in die Baubranche zu gehen.

Arbeiten Sie derzeit im Betrieb Ihres Vaters, wie viele Kollegen haben Sie dort und gibt es weitere Auszubildende?
Sistermanns: Momentan bin ich selber selbstständig mit meinem Vater und Bruder zusammen. Wir sind ein Kleinunternehmen mit meist sechs Leuten.

Wie sind Ihre weiteren Pläne? Wollen Sie den Meisterbrief und weitere Qualifikationen erwerben und später vielleicht einmal einen Betrieb führen?
Sistermanns: Im Oktober 2022 fange ich mit meinem Meister an und hoffe, diesen schnell und gut gemeistert zu bekommen.