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Das Handwerk kämpft sich durch: Hygienevorschriften und Abstandsregeln gelten auch hier.

Corona-Pandemie: Das Handwerk kämpft sich durch

News 09.06.2020

Betriebe verzeichnen erste Zeichen einer leichten Entspannung. Vierte Umfragerunde

Von Nicole Tomys

Aachen/Berlin. Um die Folgen der Corona-Pandemie für das Handwerk besser beurteilen zu können, führt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gemeinsam mit vielen Handwerkskammern und Fachverbänden des Handwerks regelmäßige Betriebsbefragungen durch. Die aktuell vierte Umfragerunde fand vom 13. bis zum 15. Mai 2020 statt. Es beteiligten sich 2.270 Handwerksbetriebe aus ganz Deutschland. Die Ergebnisse zeigen: Nach wie vor beeinträchtigt die Corona-Pandemie den Geschäftsbetrieb im Handwerk erheblich. Erstmals sind allerdings Zeichen der Entspannung erkennbar.

Umsatzlage verbessert

Mit dem schrittweisen Hochfahren der Wirtschaft hat sich auch im deutschen Handwerk die Umsatzlage verbessert. Aber: Noch immer melden 63 Prozent der Betriebe Umsatzeinbußen (Vorbefragung: 68 Prozent). Mit 96 beziehungsweise 90 Prozent waren die Betriebe der Gesundheits- und der persönlichen Dienstleistungshandwerke überdurchschnittlich stark betroffen. Ähnliches gilt für die Lebensmittel- und die Kfz-Gewerke (87 beziehungsweise 83 Prozent).

Die Größenordnung der gemeldeten Umsatzausfälle hat sich etwas verringert. Sie sank von 53 auf 46 Prozent. Über diesem Durchschnitt liegen die persönlichen Dienstleister mit 66 Prozent Umsatzausfall pro Betrieb und die Gesundheitshandwerker mit 56 Prozent.

Auftragsbestände sinken langsamer

Die Flut der Stornierung lässt nach. Aktuell melden noch 45 Prozent einen Rückgang ihrer Auftragsbestände (Vorbefragung 52 Prozent). Der Anteil an Auftragsstornierungen an diesem Rückgang betrug im Durchschnitt 36 Prozent (Vorumfrage 42 Prozent), wobei dieser Anteil bei den Lebensmittel- (82 Prozent), den persönlichen Dienstleistungs- (57 Prozent) und den Kfz- Gewerken (51 Prozent) deutlich darüber liegt.

Pandemiebedingte Personalausfälle rückläufig

Aktuell müssen noch 24 Prozent der Betriebe auf Mitarbeiter verzichten, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, sich in Quarantäne befinden oder aufgrund fehlender Angebote die Betreuung von Angehörigen übernehmen müssen (Vorbefragung: 28 Prozent). Durchschnittlich fehlt in diesen Betrieben etwas mehr als jeder vierte Beschäftigte (Vorbefragung 29 Prozent).

Lieferketten stocken weiter; Betriebsschließungen gehen zurück

Weitgehend unverändert ist die Betroffenheit der Betriebe mit Engpässen bei Materialien, Vorprodukten, Komponenten oder Betriebsmitteln (33 Prozent). Am stärksten schlagen die ins Stocken geratenen Lieferketten, also Nachschubprobleme, bei den Betrieben zu Buche. Sie treffen 43 Prozent der Kfz-Gewerke, 38 Prozent der Ausbaugewerke, 35 Prozent der Bauhauptgewerke und 34 Prozent der Handwerke für den gewerblichen Bedarf.

13 Prozent der Betriebe sind aktuell von behördlich angeordneten Betriebsschließungen betroffen, wobei überdurchschnittlich oft (63 Prozent) die persönlichen Dienstleister damit zu kämpfen haben aufgrund der zu leistenden Hygieneauflagen, deren Umsetzung den Betrieben teilweise sehr schwer fällt.

Betriebe reagieren flexibel

Nach wie vor bleiben bei den Betrieben sowohl bei von ihnen bereits umgesetzten als auch geplanten Maßnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie Kurzarbeit (40 Prozent), der Abbau von Arbeitszeitkonten (36 Prozent) und betrieblich angeordneter Urlaub (31 Prozent) die Mittel der Wahl. Weiterhin wollen nur wenige Inhaber ihren Betrieb vorübergehend schließen (4 Prozent) oder Beschäftigte entlassen (9 Prozent).

Liquiditätssichernde Maßnahmen weiter benötigt

Trotz der beginnenden Entspannung der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind viele Betriebe weiterhin auf niedrigschwellig verfügbare und sofort wirksame Unterstützungsinstrumente zur Sicherung ihrer Liquidität in den kommenden Wochen und Monaten angewiesen. Als bestens Instrument gelten weiterhin nicht rückzahlbare staatliche Zuschüsse (41 Prozent). Im kleinbetrieblich strukturierten Handwerk werden Überbrückungskredite (13 Prozent) oder Bürgschaften (7 Prozent) nur von wenigen Betrieben in Anspruch genommen. Der Grund: Zuschüsse sind vergleichsweise einfach zu beantragen, eine Risikoprüfung wie bei der Darlehensvergabe findet nicht statt und die Zuschüsse haben keinen (negativen) Einfluss auf die künftige Bonität. Zudem sind KfW-Kredite ohne Bonitätsprüfung bisher nur für Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten zugänglich. Beinahe ebenso wichtig ist den Betrieben ein schneller und unkomplizierter Zugang zum Kurzarbeitergeld (39 Prozent). Die Bundesregierung hat hier bereits Erleichterungen bei den Voraussetzungen und im Antragsverfahren umgesetzt, allerdings fehlen weiterhin Regelungen für Auszubildende oder geringfügig Beschäftigte. Wichtig bleibt ebenfalls die Stundung von Steuerzahlungen (31 Prozent), um Liquidität im Betrieb zu halten. Gleiches gilt für die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen (20 Prozent) und Unfallversicherungsbeiträgen (13 Prozent).

Liquiditätszuschüsse fließen nicht immer zügig

Die von Bund und Ländern bereitgestellten Liquiditätszuschüsse werden von den Handwerksbetrieben häufig aufgrund ihrer angespannten wirtschaftlichen Lage beantragt (36 Prozent). Die Befragungsergebnisse zeigen: Die Bearbeitung der Anträge und die Auszahlung der Gelder erfolgen nicht in jedem Fall zügig, also innerhalb von 5 Werktagen. Nur 53 Prozent der Betriebe erhielt das Geld innerhalb dieser Frist. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass die Bearbeitungsdauer stark vom Bundesland abhängig ist, in dem die Zuschüsse beantragt werden. Bei 19 Prozent war der Antrag zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht abschließend bearbeitet.

Wenig nachgefragt

Ein relativ neues Instrument zur Liquiditätssicherung ist der KfW-Schnellkredit. Zum Zeitpunkt der Befragung hatten diesen – im Vergleich zu den Liquiditätszuschüssen – nur fünf Prozent der Betriebe beantragt. Das kann daran liegen, dass die Inanspruchnahme ausschließlich für Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten gilt und dieses Angebot erst seit kurzem besteht. Zudem bevorzugen Handwerksbetriebe Zuschüsse gegenüber Krediten. Ebenso wenig von Handwerksbetrieben nachgefragt sind derzeit Kredite aus dem KfW-Sonderprogramm (Unternehmerkredit oder ERP- Gründerkredit). Nur drei Prozent haben einen solchen Kredit beantragt.