konjunkturumfrage_herbst_2020
Handwerkskammer Aachen

Corona pfuscht nicht ins Handwerk

Pressemitteilung vom 22.10.2020

Konjunkturumfrage der Kammer: Betriebe vorsichtig optimistisch

Aachen. „Wir lassen uns von Corona nicht ins Handwerk pfuschen“, wirbt ein Plakatmotiv der Imagekampagne des Deutschen Handwerks, und das unterstreicht Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen. Zwar müsse der Wirtschaftszweig in der Region spürbare Schrammen feststellen, aber dennoch blickten die meisten Betriebe vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt die Herbst-Konjunkturumfrage der Kammer.

77 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage in den letzten sechs Monaten als gut oder befriedigend. Die Hochkonjunkturphase, aus der das Handwerk kommt, wurde damit abrupt gebremst, die Gewerke sind jedoch unterschiedlich betroffen. Die beste Nachricht: Die Beschäftigung im Handwerk zeigt derzeit keinen negativen „Corona-Effekt“.

Der Auftragsbestand ging während des Sommerhalbjahres deutlich zurück. Nur 62 Prozent der Betriebe melden aktuell gestiegene oder gleich hohe Auftragspolster. Die Auftragsreichweiten liegen im Durchschnitt bei 6,6 Wochen, -1,6 Wochen im Vergleich zum Herbst 2019. Im Bauhaupt- und im Ausbaugewerbe liegen sie mit 7,8 beziehungsweise 10,2 Wochen und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf mit 9,9 Wochen deutlich darüber.

Der Gesamtumsatz ging bei vielen Unternehmen zurück. 56 Prozent fuhren entweder bessere oder gleich hohe Umsätze ein. 65 Prozent meinen, dass es im Winterhalbjahr ganz gut laufen wird.

24 Prozent der Betriebe haben höhere Verkaufspreise durchsetzen können, entweder wegen stärkerer Nachfrage oder wegen gestiegener Beschäftigung – aktuell auch wegen Schwierigkeiten in den Lieferketten.

Die Investitionsbereitschaft im Handwerk ist deutlich zurückgegangen. 65 Prozent der Chefs investieren mehr oder gleich viel in neue Maschinen, Werkzeuge, Räumlichkeiten und digitale Ausstattung. Das sind 15 Prozentpunkte weniger als noch vor sechs Monaten.

Erfreulicherweise ist die Beschäftigungslage im Handwerk sehr gut. 84 Prozent der Betriebe stellten entweder zusätzliches Personal ein oder behielten ihre Teamstärken bei. Auch in der kommenden, kühleren Jahreszeit wird bei der Mehrheit (81 Prozent) die Zahl der Mitarbeiter stabil bleiben. Neun Prozent wollen sogar weiteres Personal einstellen.

Info: Alle Umfragen finden Sie unter www.hwk-aachen.de/umfragen

 Die einzelnen Handwerksgruppen

Das Bauhauptgewerbe leidet derzeit nicht unter der Pandemie: 92 Prozent melden entweder eine gute oder befriedigende Geschäftslage. Die Stimmung im Ausbaugewerbe ist nach dem Top-Jahr 2019 aktuell mit 87 Prozent positiver Bewertungen ebenfalls sehr gut.

Die Geschäfte der Handwerke für den gewerblichen Bedarf haben hingegen einen Dämpfer erhalten. Lediglich 71 Prozent beurteilen ihre Lage mit „gut“ oder „befriedigend“, -18 Punkte gegenüber Herbst 2019.

Im Kfz-Gewerbe liefen im vergangenen Halbjahr nur bei 66 Prozent die Geschäfte gut oder befriedigend. Diesel-Problematik, der unklare Trend bei Elektro-Autos, die zum Teil drückenden Vertragsbedingungen mit den Herstellern und nun die Pandemie: Es gibt für die Branche zahlreiche Schwierigkeiten. Die Branche blickt skeptisch auf das nächste Halbjahr: Nur 53 Prozent erwarten gute oder zufriedenstellende Geschäfte und lediglich 48 Prozent rechnen mit steigenden oder gleichbleibenden Umsätzen.

Auch im Nahrungsmittelhandwerk läuft es nicht mehr so glänzend wie im Vorjahr. 73 Prozent hatten eine gute oder befriedigende Geschäftsentwicklung. Ein deutlicher Rückgang gegenüber 100 Prozent positiven Rückmeldungen im Herbst 2019.

Das Zufriedenheitsniveau bei den Gesundheitshandwerkern ging im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt rasant in den Keller. Nur 50 Prozent gaben an, gute oder zufriedenstellende Geschäfte gemacht zu haben.

Bei den teilweise vom Lockdown betroffenen Betrieben im personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe haben trotz der schwierigen Situation immerhin noch 66 Prozent in den vergangenen sechs Monaten eine gute oder zufriedenstellende Geschäftsentwicklung verzeichnet.

 Die Regionen

Im vergangenen Halbjahr verzeichnete das Handwerk in den Kreisen Euskirchen und Heinsberg eine etwas bessere Geschäftsentwicklung als in der Städteregion Aachen oder im Kreis Düren. 82 Prozent der Chefs im Kreis Euskirchen gaben positive Rückmeldungen (Geschäftslage gut oder befriedigend) und 80 Prozent im Kreis Heinsberg. Beim Handwerk im Kreis Düren sind es hingegen nur 75 Prozent und in der Städteregion Aachen 74 Prozent.

 Lehrlinge und Fachkräfte

Bis 30. September 2020 haben 1.965 junge Menschen in diesem Jahr einen Lehrvertrag unterzeichnet. Das sind 7,4 Prozent (157) Verträge weniger als zum Vorjahreszeitpunkt. Den geringsten „Rückstand“ gibt es aktuell in den Kreisen Düren (-3,8 Prozent) und Heinsberg (-3,9 Prozent), den größten in der Stadt Aachen (-12,7 Prozent) und im Kreis Euskirchen (-12,7 Prozent).