Ausbildungsbotschafter Jansen
Doris Kinkel, Handwerkskammer Aachen
Auf dem Betriebsgelände von Zimmerei, Holzbau und Restauration Jansen in Hückelhoven: (v.l.) Paul Jansen, Kaspar Jansen und Ralf Eylmanns von der Handwerkskammer Aachen.

Dachstuhl und Kirchturm

News 10.09.2020

Zimmerer Kaspar Jansen war auch als Ausbildungsbotschafter erfolgreich

Von Doris Kinkel
Hückelhoven. „Wie der Vater, so der Sohn.“ Diese Redensart passt ganz gut auf Paul und Kaspar Jansen. Paul, der Vater, ist kürzlich 60 Jahre alt geworden, seit seinem 17. Lebensjahr Handwerker. Seit fast vier Jahrzehnten bildet der Zimmerermeister Nachwuchs aus. Einen ähnlichen Weg geht Kaspar, der Sohn. Der (noch) 21-Jährige (in ein paar Tagen wird er 22) ist ebenfalls Zimmerer. Den Meistertitel darf er noch nicht tragen und somit auch noch nicht ausbilden, aber er hat sich nach seiner Gesellenprüfung für ein Studium im Holzingenieurwesen an der Fachhochschule Aachen entschieden, kommt demnächst ins dritte Semester und möchte, wenn er sein Studium abgeschlossen hat, mit seinem Cousin Felix Jansen die Zimmerei übernehmen und diese mit einem Statikbüro aufsatteln.

Apropos aufsatteln: Zimmerer satteln Dächer auf und bauen Dachstühle. Aber das ist längst noch nicht alles. Davon hat Kaspar Jansen Jannick Kronacher erzählt. Der Zimmererer war im vergangenen Jahr als Ausbildungsbotschafter fürs Handwerk im Bezirk der Handwerkskammer Aachen unterwegs und hat für seinen Beruf geworben. Nach einem Coaching in der Kammer durch Diplom-Sozialarbeiter Ralf Eylmanns hatte er sozusagen einen kleinen Rucksack mit dem nötigen Rüstzeug dabei. „Wir geben unseren Ausbildungsbotschaftern keine fertige Präsentation mit, sondern eine Grundlage für ihre persönliche Darstellung“, sagt Eylmanns.

Dazu gehören die Selbstreflexion über den eigenen Weg in die Ausbildung, natürlich die Erörterung zum Rollenbild des Botschafters und ein Exkurs in Kommunikation und Rhetorik. Die wichtigste Voraussetzung bringen die Auszubildenden jedoch schon mit. Eylmanns: „Sie sind von ihrem Beruf und ihrem Betrieb überzeugt. Deshalb bringen sie authentisch rüber, dass eine Ausbildung Spaß machen kann.“ Dass die jungen Botschafter nebenbei auch Repräsentanten ihres jeweiligen Betriebs sind und Werbung für diesen als Ausbilder machen, ist ein durchaus beabsichtigter Nebeneffekt. Schließlich stellt der Betrieb seine Auszubildenden für den Einsatz in den Schulen ja auch frei.

Für Vater Paul Jansen war es genauso selbstverständlich, seinen Sohn und damaligen Lehrling Kaspar freizustellen wie auszubilden. „Da hat ein Betrieb auf lange Sicht nur Vorteile, auch wenn es zunächst Zeit, Energie und Geld kostet. Wenn es nachher läuft, hat man auch einen sehr guten Mitarbeiter-Stamm“, erklärt Jansen Senior, der vor allem über angebotene Praktika Nachwuchs gewinnt und im Schnitt drei Azubis im Jahr beschäftigt.

Für Jansen Junior waren es nur zwei „Einsätze“ als Ausbildungsbotschafter. Für den Betrieb und den neuen Auszubildenden hat das aber schon gereicht sich zu finden. Also ein überschaubarer und doch lohnenswerter Aufwand. In den Schulen hat der junge Zimmerer von seinem persönlichen Werdegang berichtet. „Ich war motiviert als Ausbildungsbotschafter mitzumachen, weil ich überzeugt bin von meinem Beruf und gerne auch andere begeistern will.“ Den Schülern von seinem Alltag als Handwerker zu erzählen sei eine gute Erfahrung gewesen und habe Spaß gemacht. „Ich hab‘ das so erzählt, wie ich es meinen Freunden auch erzähle“, sagt Kaspar Jansen.

Der Beruf des Zimmerers bedeute so viel mehr als Dachstühle bauen. „Das ist ein unglaublich vielfältiger Beruf. Man baut Häuser und Pergolas, restauriert Kirchen, hat mit Bauphysik und Mathe zu tun“, so Jansen, der auch das eigenverantwortliche Arbeiten schätzt. Zuletzt habe er ein riesiges Scheunentor errichtet, eine alte Mühle saniert, zwei Kirchtürme gebaut. „Dann kommt der Firmenstempel drauf, mein Name wird eingeritzt, und in 200 bis 300 Jahren ist das Objekt immer noch da“, erzählt der Zimmerer stolz. „Es ist schön zu sehen, was man geschafft hat am Ende des Tages!“ Die Firma Jansen besteht übrigens schon seit 175 Jahren, Kaspar und sein Cousin Felix, der seit einem Jahr als Meister im Betrieb arbeitet, sind in der 7. Generation.

Jannick Kronacher weiß mittlerweile auch, dass Zimmerer weitaus breiter aufgestellt sind als er zuvor dachte. Der 17-Jährige war so überzeugt von Kaspar Jansens Vortrag in der Hauptschule Hückelhoven, dass er letztes Jahr die Ausbildung bei der Firma Jansen angefangen hat und nun ins 2. Lehrjahr gekommen ist. Er liebt seinen Beruf.