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Das neue Jahr mit Zuversicht anpacken

News 13.01.2021

NRW-Handwerk schaut trotz herausfordernder Monate optimistisch in die Zukunft

Düsseldorf. Das neue Jahr startet mitten in der Pandemie. Wir stehen vor weiteren herausfordernden Monaten. Der Blick nach vorn fällt deswegen nicht überall optimistisch aus. Die Gesundheitskrise ist längst nicht ausgestanden. Wir alle sind weiterhin zur Solidarität aufgerufen, um Ansteckungen zu vermeiden.

Auch Handwerksbetriebe sind von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Aktuell dürfen Friseur- und Kosmetikbetriebe nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten. Kritisch bleibt die Lage unter anderem bei vielen Betrieben, die ein Ladengeschäft betreiben oder über Café- und Cateringangebote verfügen. Sie alle verdienen weiterhin Unterstützung. Wir setzen uns mit ganzer Kraft dafür ein, dass sie diese Krise überstehen. Die betroffenen Betriebe haben im vergangenen Jahr gespürt, welchen Rückhalt unsere Handwerkskammern und unsere Selbstverwaltung bieten.

Trotzdem: Nicht nur, weil es mittlerweile Impfstoffe gibt, die immer mehr Menschen vor dem Virus schützen werden, gibt es Grund zur Zuversicht. Wir im Handwerk haben bei allen Problemen im vergangenen Jahr gezeigt, dass trotz Corona eine ganze Menge möglich ist.

Die wirtschaftliche Lage im Gesamthandwerk ist im Vergleich zu anderen Branchen nach wie vor stabil. Unsere Betriebe sind in ihrer übergroßen Mehrheit auch in dieser schwierigen Zeit Garanten für sichere Arbeitsplätze und zukunftsträchtige Ausbildungsplätze. Und genau darum geht es in diesem Jahr 2021 besonders: Wir wollen die Zukunftsfähigkeit des Handwerks unter Beweis stellen. Denn die Krise ist auch eine Chance, jungen Menschen die besonderen Perspektiven des Handwerks aufzuzeigen.

Bei unseren großen Zukunftsthemen – Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung – wollen wir jetzt entschlossen nach vorn gehen. Handwerk kann Digitalisierung: Immer mehr Betriebe wissen, dass der Wandel alle Bereiche erfasst und packen an. Wir brauchen aber mehr Rückenwind gerade für die ganz kleinen Betriebe, damit sie die nötigen Investitionen tätigen können. Wenn sie den digitalen Wandel verpassen, verschwinden sie oftmals geräuschlos. Nicht nur im ländlichen Raum hinterlassen sie Lücken in der Nahversorgung, die im Nachhinein nicht mehr zu schließen sind.

Volle Kraft voraus heißt es beim Zukunftsthema Nachhaltigkeit: Handwerk ist Teil der Lösung, wenn es um nachhaltiges Leben und Arbeiten geht. Handwerkerinnen und Handwerker bekämpfen mit ihrem Wissen und ihren Fertigkeiten in der Gebäudesanierung und an vielen anderen Stellen den Klimawandel konkret. Sie helfen zudem, mit den Folgen der Erderwärmung umzugehen. Den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, so unsere Botschaft an junge Menschen, kann man im Handwerk also unmittelbar praktizieren.

Nachhaltigkeit wird im Handwerk umfassend gelebt: unsere handwerkliche Aus- und Weiterbildung, das Miteinander in den Betrieben und vor allem das Verhältnis zum Kunden – all das ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Gerade weil Nachhaltigkeit zu unserer DNA gehört, kann uns auch unsere größte Herausforderung gelingen: die Fachkräftesicherung. Das Aufstiegsversprechen der beruflichen Bildung ist in dieser Krise so deutlich geworden wie nie zuvor. Es gibt keinen anderen Ausbildungsweg, der so viel Sicherheit bietet und so viele Perspektiven, auch in der Höheren Berufsbildung, aufzeigt. Das ist unsere selbstbewusste Botschaft für 2021: Nutze Deine Chance im Handwerk!

Doch Appelle allein reichen nicht. Handwerk ist immer konkret. Wir brauchen den direkten Kontakt zu den jungen Menschen und ihren Eltern, um sie von den guten Perspektiven zu überzeugen. Die Ungewissheiten der Corona-Krise führen vielfach auch bei der Berufswahl zu Zurückhaltung und Zögerlichkeit – manch einer verharrt in der Warteschleife. Leider haben auch wir das durch den Rückgang der Ausbildungsverträge zu spüren bekommen. Die ohnehin schon schwierige Nachwuchssituation verschärft sich damit weiter.

Wir brauchen in diesem Jahr noch mehr als zuvor die Hilfe der Schulen, damit wir junge Menschen erreichen können. Darum bitten wir die Politik, die dafür die Rahmenbedingungen schaffen muss, und natürlich die Lehrerinnen und Lehrer, die den unmittelbaren Zugang haben. Und wir brauchen möglichst viele Handwerkerinnen und Handwerker, die mitmachen, wenn es darum geht, gute Beispiele für gute Perspektiven abzugeben. Jeder erfolgreiche Handwerker in unserem Land ist der beste Ausbildungsbotschafter. Zu finden sind freie Ausbildungsplätze zum Beispiel über die Praktikums- und Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften, einer Fundgrube für junge Menschen, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer.

Mit den Handwerkskammern und der gesamten Handwerksorganisation werden wir dafür arbeiten, dass Politik und Gesellschaft erkennen: Berufliche und akademische Bildung sind vernetzt und vor allem gleichwertig! Vom Erfolg der beruflichen Bildung hängt in Deutschland ganz wesentlich der soziale Zusammenhalt ab, weil sie so vielen unterschiedlichen Menschen so viele Perspektiven bietet. Ob bei der Finanzierung unserer Arbeit in den Bildungszentren oder den Aufstiegsmöglichkeiten für unsere jungen Handwerkerinnen und Handwerker: Es bleibt viel zu tun, damit von den guten Perspektiven des Handwerks möglichst viele junge Menschen profitieren können.

Der Zusammenhalt des NRW-Handwerks, die gute Zusammenarbeit aller Handwerksorganisationen in dieser Krise ist eine gute Voraussetzung auch für unseren künftigen Erfolg. Dass wir im NRW-Handwerk in diesem Jahr gemeinsam eine Ehrenamtsakademie aufbauen wollen, ist wichtig, damit wir auch in Zukunft durchsetzungsstark bleiben.

Dieser Beitrag ist von Hans Hund (Präsident) und Matthias Heidmeier (Hauptgeschäftsführer) vom Westdeutschen Handwerkskammertag