Durchdachte Lösungen: Studierende von Gut Rosenberg und FH Aachen präsentieren den Juroren (v.l.) Peter Deckers, Petronella Prottung und Marco Herwartz ihre Entwürfe der BGZ-Internatszimmer. Betreut wurden sie von Prof. Horst Fischer und Marc Schnitzler.
Nicole Diefenthal
Durchdachte Lösungen: Studierende von Gut Rosenberg und FH Aachen präsentieren den Juroren (v.l.) Peter Deckers, Petronella Prottung und Marco Herwartz ihre Entwürfe der BGZ-Internatszimmer. Betreut wurden sie von Prof. Horst Fischer und Marc Schnitzler.

Das "Zimmer mit Ausblick" als Brückenschlag

News 09.06.2020

Studierende von Gut Rosenberg und der FH Aachen erarbeiten gemeinsam Entwürfe für das BGZ-Internat

von Nicole Diefenthal

Aachen. Bis zum 11. Juli, dem Tag ihrer Examensfeier, müssen sich die Studierenden noch gedulden. Dann erst werden Marc Schnitzler und Horst Fischer bekannt geben, wer die Gewinner des Projekts „Zimmer mit Ausblick“ sind.

Die beiden Dozenten – Schnitzler für Gut Rosenberg und Fischer als Professor im Fachbereich Architektur der Fachhochschule Aachen – haben ihren Studierenden der höheren Semester die folgende Aufgabe für das vergangene Wintersemester im Bereich Innenraumgestaltung gestellt:  ein etwa 15 Quadratmeter großes Zimmer im künftigen Internat des BGZ Simmerath zu gestalten. Die Zimmer werden die Kursteilnehmer jeweils für eine Woche beherbergen und sollen am Wochenende Wanderern oder Radtouristen zur Verfügung stehen.

13 Teams haben sich damit beschäftigt und jüngst ihre Ergebnisse in Form von deckenhohen Layouts, zum Teil ergänzt durch Raummodelle, vorgestellt. Zwar musste die Präsentation unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, die entscheidenden Personen waren jedoch anwesend – nämlich die Jury: Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, sein Vorgänger und Ehrenpräsident Dieter Philipp, Hauptgeschäftsführer Peter Deckers, Akademie-Leiterin Petronella Prottung und Wilhelm Grafen, Geschäftsführer der Bildungszentren und damit zuständig für den Internatsneubau am BGZ Simmerath.
Marco Herwartz betonte zur Begrüßung, dass er sich auf keinen der vielen Termine am Beginn seiner Amtszeit so sehr gefreut habe wie auf die Präsentation von „Zimmer mit Ausblick“. „Wir leisten im Bauausschuss für den Neubau des Internats viel Kopfarbeit. Dieses Projekt macht etwas davon sichtbar.“ Besonders freue er sich auch über die Kooperation zwischen Fachhochschule und Gut Rosenberg. „Das ist ein Brückenschlag, der hoffentlich in Zukunft weiter Früchte trägt.“

Professor Horst Fischer griff diesen Gedanken in seiner Einführung zum Projekt auf. „Es ist eine fruchtbare Zusammenarbeit“, sagte er. „Es ist gut, dass sich Handwerker und Kopfarbeiter wie wir kennenlernen und gemeinsam etwas bewerkstelligen.“ Marc Schnitzler ergänzte das aus seiner Sicht: „Der Handwerker löst schnell und präzise Detailpunkte, sieht durch diesen Fokus manchmal aber nicht das große Ganze. Architekten sind routiniert im Planen und Erfassen von großen, komplexen Zusammenhängen von gesamten Gebäuden, in dieser Phase fehlt jedoch manchmal genau diese ‚Detaillupe‘ um ein Gebäude rundum perfekt zu durchdenken. Wenn wir die planerische Komponente und die handwerkliche Umsetzung zusammenbringen, dann ist das ein Mehrwert für unsere Studierenden und deren zukünftige Profession.“ Schnitzler nannte das Beispiel Licht. Durch den Einfluss von Horst Fischer und den FH-Studenten sei es gelungen, bei den Design-Studenten von Gut Rosenberg eine Tür für dieses Thema aufzumachen. „Das ist ziemlich gut.“

Marc Schnitzler dankte Dieter Philipp und Peter Deckers, die die Kooperation zwischen FH und der Akademie für Handwerksdesign angestoßen haben. „Das ist für uns eine Steilvorlage, die wir ganz eigennützig fortsetzen wollen.“ Auf Nachfrage von Marco Herwartz zur Zusammenarbeit der Teams sagte Schnitzler: „Wir haben sehr affine Leute erlebt, die sowohl digital als auch im realen Team zueinander gefunden haben. Es ist uns als Betreuern gelungen, sie etwas aus der Reserve zu locken. Denn wir wollten keine Entwürfe von Zimmern, die industriell gefertigt zu kaufen sind.“ Das unterstrich Horst Fischer: „Wir haben den Studierenden den Anstoß gegeben, sich über Affinitäten zusammenzufinden und sich selbst zu organisieren. Es sind dadurch individuelle Konzepte entstanden, die genau dem Zweck dieser speziellen Räume dienen.“

Konkret ging es um die Aufgabe, ein etwa 14 bis 15 Quadratmeter großes Zimmer im künftigen Simmerather Internat zu gestalten. Der Titel des Projekts kam zustande, weil sämtliche Wohnräume ein großes Fenster mit (je nach Jahreszeit) Blick ins Grüne haben. Die Studierenden haben im Betonlabor des BGZ einen Raumdummie erstellt. „Das war zum einen eine Teambuilding-Aktion, die aber auch helfen sollte, ein Raumgefühl zu vermitteln für Räume, die es noch nicht gibt“, sagte Marc Schnitzler. Vorlesungen in der FH und in Gut Rosenberg, Zwischenpräsentationen der Teams und Exkursionen zum Thema gehörten ebenfalls zum Projekt. Schnitzler: „Wir haben im Grunde alles beleuchtet, was mit dem Thema Raum zu tun hat.“

Die Ergebnisse bestätigen das. Zwar hat nicht jedes Team alle Impulse aus der Vorbereitung aufgegriffen, manche haben den Fokus auch auf eines der Details gelegt. Doch Licht, Farbe, Funktionalität (auch für Rollstuhlfahrer), Material und die Empfindungen, die das Zimmer bei seinen Bewohnern auslösen soll, spielen in den Entwürfen eine Rolle. Da werden Schiefer und Buchenholz als regionale Materialien verbaut, Türgriffe als Handschmeichler eingesetzt und Badezimmer als Orte kurzzeitiger Erholung interpretiert. Und Studierende, die selbst eine Kurswoche im BGZ verbracht haben, verzichten in ihrem Entwurf auf einen Schreibtisch. Sie haben ihn selbst nie benutzt und daher nicht vermisst. „Zudem deuten manche die Zeichen der Zeit auch dahingehend, dass Ausbildungstheorie auch mehr und mehr an digitalen Medien stattfindet“, sagte Marc Schnitzler bei der Präsentation.

Wie wahrscheinlich ist es, dass einer der 13 Entwürfe es in die Umsetzung schafft? Diese Frage beantwortet Hauptgeschäftsführer Peter Deckers: „Eine Realisierbarkeit der Ideen wäre schön und wird auch weiterentwickelt. Wir suchen nach Ansätzen die Konzepte zumindest für einzelne, besondere Zimmer umzusetzen. Wir haben uns darauf aktuell noch nicht festgelegt.“ Geduld ist also gefragt. Doch die Aussichten für das „Zimmer mit Ausblick“ sind immerhin nicht schlecht…