Einblicke beim Goldschmied: Vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Unternehmerschaft werden potenzielle Betriebsübergaben in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.
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Einblicke beim Goldschmied: Vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Unternehmerschaft werden potenzielle Betriebsübergaben in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.

News vom 12.07.2022Demografischer Wandel schlägt zu

Derzeit verlaufen zwei Drittel aller Übernahmen im Handwerk wirtschaftlich erfolgreich

München. Der Generationenwechsel schreitet auch im Handwerk immer stärker voran: Dies zeigt eine Sonderuntersuchung des Nachfolgemonitors, der auf der Internationalen Handwerksmesse IHM in München vorgestellt wurde.

Obwohl die Anzahl der Nachfolgen im Jahr 2021 im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen ist, dürften sich insbesondere für Handwerksbetriebe mit geringen Betriebsgrößen die Chancen verschlechtern, künftig attraktive Verkaufspreise zu erzielen oder eine Käuferin oder einen Käufer zu finden. Hintergrund dafür sind der demografische Wandel und die Corona-Pandemie.

Derzeit verlaufen zwei Drittel aller Übernahmen im Handwerk wirtschaftlich erfolgreich. Mehr als die Hälfte der Übernehmenden konnte sogar die Umsätze der erworbenen Betriebe steigern. Dies gelang insbesondere den Nachfolgerinnen: Auf Unternehmerinnen entfallen im Handwerk 16 Prozent der Übernahmen verglichen mit 22 Prozent über alle Branchen hinweg. Handwerkerinnen wirtschaften im Durchschnitt jedoch erkennbar solider, stetiger und nachhaltiger als die männlichen Meister.

>>Erfolgreiche Betriebsübernahmen schaffen nicht nur neue Arbeits- und Ausbildungsplätze und höhere Steuereinnahmen, sondern verhelfen der Wirtschaft zu einer höheren Dynamik, beschleunigen die notwendigen strukturellen Anpassungsprozesse und führen häufig zu neuen, innovativen Produkten und Leistungen, die für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft von hoher Bedeutung sind.<<

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer

Wichtige Aspekte von Unternehmensnachfolgen im Sinne einer ökonomischen Nachhaltigkeit sind die Übergabe und Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowie der Erhalt regionaler Wirtschaftskraft. Wie die Untersuchung zeigt, wurden in den Jahren 2019 bis 2021 rund 44.176 Arbeitsplätze gesichert und rund 4.916 neu geschaffen.

„Neben Neugründungen sind es insbesondere erfolgreiche Betriebsübernahmen, die die attraktiven Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie wertvolles Know-how bewahren helfen. Bei rund 125.000 anstehenden Betriebsübergaben in den kommenden fünf Jahren allein im Handwerk ist es längst nicht mehr ein rein persönliches Unterfangen, eine erfolgreiche Nachfolge für den Betrieb zu organisieren, sondern es ist angesichts dieser Größenordnung von gesamtwirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz“, betonte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

„Eine Unternehmensnachfolge ist ein komplexes Vorhaben. Die derzeitigen konjunkturellen Unsicherheiten, wie der Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie, erfordern noch mehr Planungen und Verhandlungsgeschick. Das Handwerk ist auch künftig auf kreative und innovative Übernehmerinnen und Übernehmer angewiesen, die mit erfolgreichen Betriebsübernahmen den notwendigen Strukturwandel vorantreiben”, erläuterte Dr. Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating AG.

„Eine große Herausforderung für das Handwerk ist der demografische Wandel: Neben dem Fachkräftemangel zeigt sich dieser vor allem bei den Betriebsnachfolgen: Immer mehr Betriebe suchen aus Altersgründen geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger – die Zahl der potenziellen Übernehmerinnen und Übernehmer wird jedoch immer geringer,” so der wissenschaftliche Leiter der Studie Prof. Dr. Holger Wassermann von der FOM Hochschule.

„Rund ein Drittel der von uns geförderten Vorhaben sind Unternehmensnachfolgen. Für den Kauf eines etablierten Unternehmens müssen Übernehmerinnen und Übernehmer neben einem stichhaltigen Konzept auch finanzielle Sicherheiten vorweisen. Die Bürgschaftsbanken sind dabei verlässliche Partner für eine Risikoentlastung, fördern damit aktiv den Generationswechsel und ermöglichen so eine Finanzierung auch in schwierigem Umfeld”, so Guy Selbherr, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB).

Hintergrund
Der Nachfolgemonitor basiert auf den Datenbanken der deutschen Bürgschaftsbanken und Creditreform. Die in allen Bundesländern bestehenden Bürgschaftsbanken dienen der Förderung der mittelständischen Wirtschaft und werden in der Regel von regionalen Akteuren wie den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern, mittelständisch orientierten Kreditinstituten und Verbänden getragen.

Mit dem Nachfolgemonitor wollen deshalb der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), die Creditreform Rating und das KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand der FOM Hochschule (KCE) dazu beitragen, den Mittelstand bei der Gestaltung einer erfolgreichen Nachfolgeregelung effektiv zu unterstützen, www.nachfolgemonitor.de.

Info: Weitere interessante Ergebnisse zeigt die Sonderausgabe Handwerk des Nachfolgemonitors, den der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), Creditreform Rating und die FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinsam erstellt und am 6. Juli im Rahmen einer Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks veröffentlicht haben. Für die Sonderausgabe wurden Übernahmen aus den Jahren 2014 bis 2021 untersucht.