Zwei Experten in Sachen Elektro: Stephan Meuthen, Handwerksunternehmer in Langerwehe (r.) und Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen.
Elmar Brandt
Zwei Experten in Sachen Elektro: Stephan Meuthen, Handwerksunternehmer in Langerwehe (r.) und Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen.

Der Markt wächst immer weiter

News 09.12.2020

Präsident besucht Betrieb: Große Nachfrage nach Smart Home und KNX Bustechnik. Werben um Fachkräfte und Auszubildende.

Langerwehe. Beim Gespräch im Langerweher Betrieb sind die beiden Experten sich einig: Der Markt wächst immer weiter. Elektroinstallationen, Smart Home, KNX Bustechnik – die Nachfrage nimmt stetig zu und Corona wirkt wie ein Verstärker. Die Leute wollen es zu Hause schön und komfortabel haben, auch Beleuchtung gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die Experten, das sind die beiden Elektrotechnikermeister Stephan Meuthen und Marco Herwartz. Beide führen erfolgreich einen Handwerksbetrieb, beide engagieren sich ehrenamtlich. Meuthen im Vorstand der Innung, im Gesellenprüfungsausschuss und in der Vollversammlung der Handwerkskammer, und Marco Herwartz ist neben anderen Ehrenämtern seit Mai Präsident der Handwerkskammer. Monat für Monat besucht er Unternehmen im Kammerbezirk, um sich mit den Handwerkern vor Ort auszutauschen.

Bei Stephan Meuthen hat Herwartz ein Heimspiel, denn dieses Gewerk kennt er bestens. Und wie sei Kollege weiß er genau, dass es zur Erledigung der anspruchsvollen Kundenwünsche sehr gut qualifiziertes Personal braucht, um Programmierarbeiten und hochkarätige Aufträge erfüllen zu können. Stephan Meuthen sagt, dass der Facharbeitermangel immer gravierender wird und es schwer geworden ist, gut ausgebildete Kräfte oder neue Lehrlinge zu finden. Er ist im 16. Jahr selbstständig, zusätzliche Schwerpunkte in seinem Portfolio sind Photovoltaikanlagen und Ladestationen.

Das Corona-Jahr hat Einschläge gebracht, aber auch Vorteile. So gab es viele förderfähige Aufträge, die das Elektrohandwerk abwickeln konnte – Kunden haben diese Gelegenheit genutzt und dank der finanziellen Unterstützung selber investiert. Aufträge hat Stephan Meuthen en masse. Die Reichweite deckt das ganze Jahr 2021 bereits ab. Die Arbeit ist also da. Es braucht mehr Leute, die sie machen. „Wir müssen alle gemeinsam das Handwerk wieder gross machen“, sagt Meuthen, der selber bedauert, dass er Kunden absagen muss, weil er keine Kapazitäten hat. Tatsächlich haben einige von ihnen sogar mit ihm Diskussionen angefangen, warum er denn nicht komme. Es geht nicht – keine Leute, keine Zeit – daran müssen sich Verbraucher erst einmal gewöhnen.

Da er weiß, dass er sein Personal pflegen muss, sind Dinge wie Überstundenausgleich, Bonuszahlungen und übertariflicher Lohn bei ihm selbstverständlich. Im Team legen er und seine Mitarbeiter Ziele, die sie erreichen wollen, fest. Natürlich gibt es auch mal kritische Töne, das gehört zu einer guten Mannschaft dazu, und dann geht es gemeinsam wieder weiter.

Für das Handwerk werben, das will Stephan Meuthen, und rennt damit bei Marco Herwartz natürlich offene Türen ein. Der Präsident bedauert, dass in diesem Jahr der Tag des Handwerks, bei dem Kinder und Jugendliche ihre handwerklichen Talente ausprobieren können, ausfallen musste, hofft aber, dass viele über die schulischen Maßnahmen zur Berufsorientierung und Praktika den Weg ins Handwerk finden.

Wichtig sei auf jeden Fall, gemeinsam zu agieren, unterstreicht Stephan Meuthen, der wie Herwartz viel von Netzwerken hält und Beziehungen zu anderen Betrieben pflegt. Der Lehrlingsmangel betreffe ja das gesamte Handwerk, und Werbung im Verbund ist deutlich effektiver als von Einzelkämpfern betrieben.

Stephan Meuthen jedenfalls geht gerne auch neue Wege. So hat er einen afghanischen Bauingenieur eingestellt, der gute Arbeit leistet, und im Sommer nächsten Jahres beginnt ein afghanischer Lehrling seine Ausbildung. Meuthen weiß, wie gewinnbringend es ist, Nachwuchs auszubilden und später als qualifizierte Gesellen beschäftigen zu können. Während der Lehrzeit müsse der Chef darauf achten, einen guten Führungsstil einzuhalten, freundlich zu sein und auch mal eine Faust in der Tasche zu machen. „Die Jungs hier sind mein Kapital“, sagt der Handwerksunternehmer, „und ich bin froh, so eine Mannschaft zu haben.“ Er respektiere die gute Arbeit seiner Leute und akzeptiere auch Kritik. Was er aber nicht haben könne, sei, dass etwas falsch dargestellt würde.

Damit ist er beim Thema Internet-Bewertungen. Die sind in den meisten Fällen, wenn es fünf Sterne gibt, erfreulich, stören ihn zum Teil aber schon, da sie manchmal zwei Sätze erhalten, die absolut nicht der Wahrheit entsprechen und dann als negativer Eintrag dort stehen. Hier würde Meuthen gerne Einschränkungen für gewisse Anbieter sehen, damit solche Meinungen nicht ungefiltert und geprüft veröffentlicht werden. Dieses Thema haben auch schon andere Unternehmen aufgegriffen und bisher nicht viel dagegen erreichen können. Auf der eigenen Website schafft es Meuthen jedenfalls, seine Kunden kompetent und persönlich anzusprechen. Hier finden Interessierte alle wichtigen Infos und können sich ein gutes Bild vom Betrieb machen.

Damit der Betrieb läuft, dafür sorgen auch die Eltern von Stephan Meuthen mit. Der Vater im handwerklichen Bereich und die Mutter im Büro, wenn es mal hart auf hart kommt und dort jemand ausfällt. So wie jetzt während der Pandemie. Stephan Meuthen weiß auch das sehr zu schätzen.