In Heinsberg-Dremmen bei Elteba hatten sich alle Projektpartner zum Kickoff-Meeting zusammengefunden.
Anna Petra Thomas
In Heinsberg-Dremmen bei Elteba hatten sich alle Projektpartner zum Kickoff-Meeting zusammengefunden.

Der Schaltplan kommt in Zukunft aus der Datenbrille

News 10.03.2020

Staatssekretär Thomas Rachel bringt den Scheck für das Forschungsprojekt SmartSwitchCabiNet nach Dremmen 

Erstellt von Von Anna Petra Thomas

Heinsberg-Dremmen. Die Produktivität der Fertigung und der Montage von Schaltschränken in der Industrie zu erhöhen, ist Ziel eines neuen Forschungsprojekts, das sich „SmartSwitchCabiNet“ nennt und das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den nächsten zwei Jahren mit rund 1,1 Millionen Euro gefördert wird. Einen Scheck über rund 105.000 Euro übergab Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, jetzt persönlich an Christoph Speis, einen der beiden Geschäftsführer von Elteba, einem auf den Bau und die Montage von Schaltschränken spezialisierten Unternehmen in Dremmen.

Elteba ist einer der Partner in diesem Projekt und kooperiert dabei mit einem weiteren Anlagen- und Schaltschrankbauer aus Hohenroda in Hessen, einem auf industrielle Automatisierungslösungen spezialisierten Unternehmen in Dortmund, einem Hersteller von Klemmen aus Blomberg und dem Lehrstuhl für Produktionssysteme der Ruhr-Universität Bochum. Gefördert wird dieses gemeinsame Projekt im Rahmen von „KMU-innovativ: Produktionsforschung“. Diese Fördermaßnahme ist wiederum eingebettet in die Hightech-Strategie 2025 „Forschung und Innovation für die Menschen“ des BMBF.

Die enge Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, wie sie auch in diesem Projekt angestrebt wird, gilt dabei als ein wichtiger Innovationsmotor. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die in der der Regel wenig eigenes Forschungspersonal hätten, seien auf den wissenschaftlichen Input von außen angewiesen, heißt es in der Projektbeschreibung. „Mit KMU-innovativ bekommen Forschungseinrichtungen und KMU ein Instrument an die Hand, das durch seine themenoffene Gestaltung und kurze Verfahrensdauer die Innovationskraft der Produktionstechnologie weiter stärkt.“
 

Nachdem Speis dem Parlamentarischen Staatssekretär das Unternehmen mit seinen knapp 100 Mitarbeitern, davon derzeit 14 Auszubildende, vorgestellt hatte, nahm sich Rachel noch Zeit für einen Rundgang durch die Produktion, für die Elteba im Gewerbe und Industriegebiet Dremmen rund 3000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen.

„Jeder Auftrag erfordert von uns eine individuelle Lösung“, erklärte Speis. Dabei werde der Kunde von der ersten Idee für eine neue maschinelle Lösung bis hin zur Installation der fertigen Schaltanlage begleitet. „Das ist spannend, ganz spannend!“, erklärte Rachel, nachdem er sich zusammen mit den neuen Partnern von Elteba den neuen Unternehmensfilm angeschaut hatte. „Da kriegt man direkt Lust mitzumachen, vor allem, wenn man sieht, wie sich die Mitarbeiter hier mit dem Unternehmen identifizieren.“ Darin liege auch ein Schlüssel für die weitere Entwicklung von Unternehmen. Lob fand Rachel auch für die hohe Zahl von Auszubildenden, die in diesem Jahr noch weiter steigen soll. Zudem hätten Christoph Speis und sein Kollege in der Geschäftsführung, in diesem von ihnen als Inhaber geführten Unternehmen den etwas längeren Blick als nur den auf die nächsten Quartalszahlen.

Speis verdeutlichte den Gästen jedoch, dass der Trend zu immer kürzeren Produktlebenszyklen, schnelleren Lieferzeit und einer erhöhten Variantenvielfalt von Produkten Auswirkungen auf die zu ihrer Herstellung erforderlichen Maschinen und Anlagen und damit auch auf ihre Schaltschränke hat. Dafür seien derzeit noch überwiegend manuelle Montageprozess erforderlich, und der dadurch bedingte hohe Lohnanteil an den Fertigungskosten eines Schaltschranks führe zu einer sich verstärkenden Verlagerung dieser Produktion in Niedriglohnländer.

Dem wollen die Partner im neuen Projekt „SmartSwitchCabiNet“ jetzt entgegenwirken. Das Ziel sind schlankere und effizientere Prozesse, wie einer der anwesenden Elteba-Partner erklärte. Wichtig dabei seien die Optimierung von Daten- und Materialfluss, die dazu passende Automatisierung und nicht zuletzt die Integration des Menschen in diesen Prozess. Als Beispiel für die Entwicklung eines entsprechend verbesserungsfähigen Prozesses nannte Speis den Aufbau der sogenannten Klemmleisten in einem Schaltschrank.
 

Ziel ist, diesen Aufbau mithilfe einer neuen Software künftig direkt aus dem Schaltplan zu generieren und für die benötigten Komponenten den Bestellvorgang automatisch auszulösen. Speis spricht in diesem Zusammenhang von einem cyberphysischen Produktionssystem (CPPS), in dem die Klemmleisten mit der Hilfe von Augmented Reality (AR), der digitalen Erweiterung der Wahrnehmung von Realität, aufgebaut werden sollen. „Das heißt, dass der Monteur keinen Plan mehr braucht, sondern die notwendigen Produkte sowie deren Platzierung im Montagebereich ihm etwa durch eine Datenbrille angezeigt werden können“, so Speis.

Die in diesem Forschungsprojekt entwickelten Lösungen sollen auch anderen auf den Schaltschrankbau spezialisierten Unternehmen in Deutschland zugutekommen, ebenso wie weiteren Prozessen der Montage in der Industrie, die derzeit noch manuell durchgeführt werden müssen.