Ein "E-Zubi" zwischen Solarpanels einer Photovoltaik-Anlage: Für den Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) lassen sich die ambitionierten Klimaschutzziele nur erreichen, wenn ausreichend Fachkräfte bereitstehen, die sie umsetzen.
Ein "E-Zubi" zwischen Solarpanels einer Photovoltaik-Anlage: Für den Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) lassen sich die ambitionierten Klimaschutzziele nur erreichen, wenn ausreichend Fachkräfte bereitstehen, die sie umsetzen.

News 09.02.2022Deutschland hinkt seinen Zielen hinterher

Handwerk zur Klimaschutzbilanz des Bundeswirtschaftsministeriums

Berlin. Mit der am 11. Januar vorgelegten Klimabilanz von Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck zeigt das Bundesministerium zahlreiche Defizite in der bisherigen Erreichung der Klimaschutzziele auf. So stellte der Minister fest, dass die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen in allen Sektoren unzureichend sind, um die Klimaschutzziele der Jahre 2022 und 2023 zu erreichen. Um den bisherigen Klimaschutzrückstand – gerade auch mit Blick auf das Jahr 2045, in dem die Klimaneutralität erreicht sein soll – aufzuholen, plant das Ministerium zahlreiche Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

Die besonders handwerksrelevanten Maßnahmen, die in weiten Teilen bis Ostern in ein erstes Klimaschutz-Sofortprogramm gegossen werden sollen, sind unter anderem Folgende:

  • Die Bundesregierung strebt 80 Prozent EE-Strom bis 2030 an. Hierzu soll die Windkraft auf 100 GW installierte Leistung und die Photovoltaik auf 200 GW steigen.
  • Die besondere Rolle der Solarenergie soll im Zuge eines Solarbeschleunigungspakets deutlich vorangebracht werden. Unter anderem sollen alle geeigneten Dachflächen künftig für die Solarenergie genutzt werden. Auch gewerbliche Neubauten sollen verpflichtend Solarenergie nutzen und bei privaten Neubauten soll eine solche Nutzung zur Regel werden. Entsprechende Regeln werden Eingang in das zu überarbeitende Gebäudeenergiegesetz finden.
  • Der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien soll durch eine Verkürzung der für den Netzausbau erforderlichen Planungs- und Genehmigungsverfahren begleitet werden. Hierzu soll unter anderem die Bundesfachplanung kritisch geprüft werden. Des Weiteren soll der Ausbau der Verteilnetze forciert werden, in dem die Netzausbauplanung zu einer integrierten Netzplanung weiterentwickelt werden soll. Zudem soll mit einer Systementwicklungsstrategie ein gemeinsamer Rahmen für die Planung der Strom-, Erdgas, Wasserstoff- und Wärmenetze entwickelt werden.
  • Senkung des Strompreises: Die Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien soll ab 2023 über den Bundeshaushalt finanziert werden, so dass ab dann die EEG-Umlage entfällt. Dies entspricht einer langjährigen Forderung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.
  • Wärmestrategie: Bis 2030 sollen 50 Prozent der Wärme klimaneutral erzeugt werden. War die Erhöhung der Energieeffizienz bisher die erste energiepolitische Priorität, soll die Energieeffizienzpolitik nunmehr zur zweiten Säule der Klimaschutzpolitik werden. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Stärkung der Energieeffizienz sollen in eine neue Gebäudestrategie Klimaneutralität eingebettet werden. Zudem wird die Bundesregierung eine flächendeckende kommunale Wärmeplanung sowie die Dekarbonisierung und den Ausbau der Wärmenetze vorantreiben. Dies soll vor allem durch die „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“ (BEW) befördert werden.
  • Gebäudestandards und -förderung: Die Bundesregierung wird eine zügige Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) in die Wege leiten. Mit dem GEG sollen Neubauten und Gebäudesanierungen auf das Ziel der Klimaneutralität 2045 sowie eines deutlich reduzierten Energiebedarfs ausgerichtet werden. Dabei soll ab 2025 jede neu eingebaute Heizung auf der Basis von mindestens 65 Prozent Erneuerbarer Energien betrieben werden. Die „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) soll angepasst werden und die neuen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes flankieren.
  • Wasserstoffstrategie: Die Bundesregierung gedenkt die Maßnahmen zum Markthochlauf der Wasserstofftechnologie anzupassen, um die Produktion an grünem Wasserstoff gegenüber den bisherigen Plänen zu verdoppeln. Dazu soll die Nationale Wasserstoffstrategie noch im Jahr 2022 überarbeitet und sollen zusätzliche Förderprogramme auf den Weg gebracht werden.

Was die E-Handwerke konkret fordern

Klimaminister Robert Habeck erhöht das Tempo bei der Energiewende. Doch seine ambitionierten Ziele lassen sich nur erreichen, wenn ausreichend Fachkräfte bereitstehen, die sie umsetzen, heißt es in einer Pressemitteilung des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Die E-Handwerke als diejenigen, in deren Zuständigkeit das Installieren von Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeichern und Ladeinfrastruktur für Elektromobilität fällt, fordern daher auch die Politik zum Handeln auf.

Für den ZVEH hat der Fachkräftebedarf mit Hinblick auf die Energiewende in den kommenden Monaten auch in der Verbandsarbeit oberste Priorität. Denn das bisherige Wachstum der Branche reiche für die neuen Ziele und zusätzlichen Aufgaben bei weitem nicht aus – trotz gesteigerter Effizienzpotenziale durch die Digitalisierung. Der Verband werde daher das Gespräch mit Politik-Vertretern suchen, um sie auf die mit der Fachkräfteentwicklung verbundenen Herausforderungen hinzuweisen, und sich darüber hinaus auch ganz konkret in die Suche nach Maßnahmen und Konzepten einbringen.

„Die Pläne von Robert Habeck sind ambitioniert, aber nicht unerreichbar. Unabdingbar für den Erfolg ist jedoch, dass die Zahl der für die Energiewende benötigten Fachkräfte schnell steigt. Vor uns liegen entscheidende Jahre für den Klimaschutz. Wir müssen daher möglichst schnell die Weichen für eine konsequente und langfristige Fachkräfteentwicklung stellen“, so ZVEH-Präsident Lothar Hellmann.