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Nicole Diefenthal

Die Bereitschaft zum Lernen mit Work@Home vereinbar machen

Pressemitteilung vom 13.02.2020

Gut Rosenberg bietet die Weiterbildung „Gestalter-/in im Handwerk“ ab August mediengestützt an

Erstellt von Nicole Diefenthal

Aachen. Es gibt keine Vorbilder für das, was das Design-Team von Gut Rosenberg ab Anfang August möglich macht. Vielmehr gibt es in der Akademie für Handwerksdesign der Handwerkskammer Aachen jedoch Vordenker, die der Wertschöpfungkette einen Faktor hinzufügen, der im betrieblichen Bereich noch ein ziemlich zartes Pflänzchen ist: Vertrauen.Doch von vorne. Für Samstag, 29. Februar, 14 Uhr, lädt die Akademie für Handwerksdesign der Handwerkskammer Aachen zum Infotag ein. Leiterin Dr. Petronella Prottung und ihr Team stellen dann das Weiterbildungsangebot „Gestalter/-in im Handwerk“ vor, dass in Gut Rosenberg ab dem 3. August mediengestützt gelehrt wird. Ein Novum, von dem sich Prottung viel verspricht.

Der „Gestalter“ an sich ist seit Jahrzehnten ein verbindliches Fortbildungsangebot der Handwerkskammern nach dem Rahmenlehrplan des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

„Es fällt uns jedoch immer schwerer, für die Weiterbildung in Teilzeit Teilnehmer für unsere zu gewinnen“, sagt Petronella Prottung. „Wir haben den Kurs schließlich wieder zum Laufen gebracht und die Teilnehmer gefragt, was denn die Hindernisse sind.“ Das Ergebnis ist zwar nicht repräsentativ, aber für die meisten Berufstätigen nachvollziehbar: Es fehlt an Zeit. „Der Gestalter im Handwerk ist auf 1200 Unterrichtseinheiten festgelegt“, erklärt die Akademie-Leiterin. „Dazu gehört der Unterricht freitags und samstags hier bei uns vor Ort. Doch viele Interessenten schaffen es eben nicht, jedes Wochenende in Aachen aufzuschlagen.“

Bei dem Fazit, das Petronella Prottung aus dieser Erkenntnis zieht, spielt auch die Sichtweise der Betriebe eine Rolle. „Einerseits können und wollen sie ihre Leute ungern während der regulären Arbeitszeiten wegschicken. Andererseits fragen sie doch nach Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre Fachkräfte.“

Lernplattform ILIAS
So begann eine Entwicklung, die jetzt das Pilotprojekt des „mediengestützten Gestalters“ hervorgebracht hat. Die Kammer selbst, sagt Prottung, hat die Lernplattform „ILIAS“ in den Bereich der Weiterbildung eingeführt. „Wir haben an Gut Rosenberg einfach in diese Richtung weitergedacht, denn starke Kompetenzen im digitalen Bereich haben wir ja ohnehin.“ Die Vordenker machten sich an die Arbeit.

Eine klare Grenze zieht Prottung zum so genannten „Fernstudium“. Sie betont: „Das ist etwas völlig anderes als mediengestütztes Lernen. Wir handeln ja nach wie vor gemeinsam, kommunizieren miteinander und machen Exkursionen. All das ist wichtig für die Teambildung, für den Ausbau persönlicher Netzwerke und zur Anregung der eigenen Kreativität. Aber Texte lesen, mir theoretisches Wissen aneignen, das kann ich auch zu Hause.“
Prottung ist sicher:  „Es ist eine zeitgemäße Lernform, die wir anbieten.“ Unter modernem Lernen versteht sie, dass Arbeit und Weiterbildung mit dem Privatleben der Beschäftigten vereinbar sein müssen. „Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Wenn es den privaten Bedürfnissen Rechnung tragen soll, dann braucht es Freiräume und Vertrauen.“ Sie sieht die Akzeptanz von Homeoffice im Bereich der berfulichen Weiterbildung  im Vormarsch, wenn eben noch als zartes Pflänzchen. „Man spürt, dass es einen Markt dafür gibt. Auch die Bereitschaft zur Fortbildung ist – sowohl von den Betrieben, die ihre Mitarbeiter qualifizieren möchten, als auch von den Gesellen und Meistern selbst –vorhanden. Wir als Lehrende sind gefordert, sie mit Work@Home und Freizeit vereinbar machen.“ Über E-Learnig mit „ILIAS“ sei das letztlich auch vor. Es ist den Auszubildenden in einem zeitlichen Rahmen selbst überlassen, wann und wo sie die den Stoff abrufen.
Im mediengestützten „Gestalter“ bedeutet das, dass 40 Prozent der insgesamt 1200 Unterrichtseinheiten von zu Hause aus absolviert werden können. Dienstags und donnerstags treffen sich die Absolventen dann von 18 bis 19.30 Uhr im virtuellen Klassenzimmer. Sie melden sich über ihren privaten PC oder Laptop und ein entsprechendes Programm an. Dann beginnt der Unterricht mit dem Dozenten. „Diese Abläufe, ja die komplette Technik, lernen die Teilnehmer während der ersten Blockwoche bei uns vor Ort“, sagt Petronella Prottung.
Die Akademie-Leiterin ist froh, dass sie beim ZDH, dem sie vor zwei Wochen das neue Weiterbildungsangebot „Made in Aachen“ vorgestellt hat, viel Zustimmung bekommen hat. „Es gab eine tolle Resonanz und volle Unterstützung“, sagt sie. Doch in die Umsetzung geht sie ohne voreilige Euphorie, sondern pragmatisch und konzentriert. „Wir starten jetzt den Testballon. Und wir sind optimistisch.“

Das Wichtigste in Kürze

  • Voraussetzung für die Teilnahme an der Weiterbildung ist die Gesellen- oder Berufsabschlussprüfung in einem Handwerksberuf. Nach zweijähriger erfolgreicher Ausbildungszeit sind die Absolventen „Gestalter/-in im Handwerk“ nach §42a HwO).
  • Es besteht der Anspruch auf Aufstiegs-BaföG. Ausbildungsbeginn ist der 3. August. 40 Prozent der insgesamt 1200 Unterrichtseinheiten werden als Work@Home-Phase online abgehalten. 
  • Während des zweijährigen Studiums verbringen die Absolventen insgesamt vier Wochen vor Ort in Gut Rosenberg. Die Gebühren liegen bei 7.900 Euro, zahlbar in zwei Raten, hinzu kommen 150 Euro Prüfungsgebühren.
  • Anmeldungen für die Infoveranstaltung am Samstag, 29. Februar, 14 Uhr, nimmt Birgit Krickel entgegen, Tel. +49 2407 9089-132 oder E-Mail:   birgit.krickel@hwk-aachen.de.
  • Weitere Infos unter www.gut-rosenberg.de