Frank Sodermanns bewegt
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Per Aufzug hinters Steuer: Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, erlebte bei Frank Sodermanns, was handwerklich und technisch möglich ist, um Menschen mit Behinderung individuelle Mobilität zu bieten.

Geht nicht gibt`s nicht

News 10.11.2020

Frank Sodermanns bewegt – im Ehrenamt und als tüftelnder Kfz-Handwerker

Wassenberg. Frank Sodermanns und Marco Herwartz haben sich im September beim Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW getroffen. Der Kfz-Handwerksunternehmer aus Wassenberg im Kreis Heinsberg hat dort über sein freiwilliges Engagement im afrikanischen Staat Burundi erzählt und neben den anderen Gästen der Veranstaltung auch den neuen Präsidenten der Handwerkskammer Aachen sehr beeindruckt. Dieser versprach ihm noch bei der Veranstaltung auf Schloss Raesfeld, dass er gerne einmal seinen Betrieb besuchen käme, um sich über die außergewöhnliche Arbeit vor Ort zu informieren. Diesen Plan setzten die beiden jetzt um: Der Präsident war erneut begeistert, denn als Handwerker und als Mensch sticht Sodermanns hervor.

Im November 2019 war Sodermanns in Afrika. Zustande gekommen war die Reise dorthin durch den Kontakt zu einem Pfarrer, der in dem Betrieb Kunde war, in dem Sodermanns einst seine Ausbildung absolvierte. Schon lange hatte er sich mit einem Einsatz im Rahmen der Entwicklungshilfe auseinandergesetzt. Im vergangenen Jahr wurde er Wirklichkeit.

Sodermanns half den Menschen in Burundi, Autos für ihre individuellen Bedürfnisse umzubauen, wieder instandzusetzen und unterstützte sie bei anderen technischen Anliegen. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland wirbt Sodermanns zudem für Spenden, beispielsweise, damit die Menschen in Afrika eine Ziege anschaffen und mit ihr wirtschaften können, was sie schon ein gutes Stück weiterbringt, und die Gebenden hierzulande nicht so viel kostet.

Engagement ist Sodermanns wichtig. Er selber gehört noch zum Gesellenprüfungsausschuss, wird dort aber nur noch als Vertretung eingesetzt, wenn „Not am Mann“ ist. Früher war er auch Mitglied des Meisterprüfungsausschusses im Kfz-Handwerk. Ja, er setzt sich gerne für andere ein. „Grenzenlos denken“, so lautet seine Devise. Für seinen Beruf und sein Arbeitsfeld gilt das ohnehin.

Was durch handwerkliches Können und die Nutzung von ausgefeilter Technik möglich ist, davon überzeugte sich Kammerpräsident Marco Herwartz im Wassenberger Betrieb. Mit großem Interesse nahm er selber einmal auf einem Fahrersitz Platz, der es querschnittsgelähmten Personen mittels elektronischer Steuerung ermöglicht, hinter das Steuer zu gelangen. Er testete seine Fähigkeiten am Bremssimulator, sowohl mit dem Fuß, als auch mi der Hand. Er probierte das Gasgeben und Lenken per Joystick und betätigt per Sprachbefehl „Blinker links“ tatsächlich den Richtungsanzeiger. „Unglaublich, wie das alles funktioniert“, so Herwartz.

Bei Sodermanns finden sich viele Umbauten, die Menschen mit Behinderung ermöglichen, Auto zu fahren. Damit gewinnen sie Lebensqualität, Freiheit und Selbstbestimmung. Selbstverständlich ist für Sodermanns dabei, dass er sich für seine Kunden ausgiebig Zeit nimmt, denn er muss ihre individuellen Bedürfnisse kennen, ihre körperlichen Einschränkungen verstehen und durch Tests ermitteln, wozu sie körperlich in der Lage sind. Viele haben auch psychisch noch einiges zu verarbeiten, beispielsweise einen Unfall, vielleicht sogar den Verlust eines nahestehenden Menschen bei solch einem schrecklichen Ereignis. Da sind Verständnis und Feinfühligkeit gefragt und Mut, etwas Neues auszuprobieren und Ideen zu entwickeln. Die Freude der Kunden, wenn sie dann am Steuer „ihres“ Autos sitzen und mit diesem losfahren, ist ein sehr zufriedenstellender Lohn.

Sodermanns und sein Team, das gut 30 Mitarbeiter umfasst, müssen immer auf dem Laufenden bleiben, sich in technischen Fragen weiterbilden, die Chancen der Digitalisierung erkennen und umsetzen. Das alles fordert Zeit und Energie, die Sodermanns gerne aufbringt, weil er sein Handwerk liebt.

„Ist das noch Handwerk?“ Diese Frage stellt man sich beim Anblick vieler Umbauten des Unternehmens. Ja, es ist Handwerk. Denn ohne die Kenntnisse und Fähigkeiten im Kfz-Handwerk und in Elektronik ließen sich die Vorhaben nicht verwirklichen. Darüber hinaus hat Sodermanns eine Handicap-Fahrschule aufgebaut, die den Menschen mit Handicap im Steuern des auf sie zugeschnittenen Fahrzeugs schult.

Grenzenlos denken und Mobilität ermöglichen – nach diesem Algorithmus handelt Sodermanns. Kein Projekt scheint dabei für ihn unmöglich. Er hat sogar schon einen Traktor umgebaut, damit ein Mensch, der eine Behinderung erlitt, nicht auf das Fahren desselbigen verzichten musste. Und auch für einen Aufsitzrasenmäher hat er schon eine Lösung gefunden.